Sektion Wilhelmshaven/Friesland

Sektion Wilhelmshaven/Friesland

Mittwoch, 11.11.2026 - 19:00

Zeitenwende 2.0 – Wie entwickelt sich Deutschlands Verteidigungsfähigkeit?

Am 27. Februar 2022 stellte der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz eine Zeitenwende fest und leitete daraus eine Neuausrichtung der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ab. Kernbestandteil des politischen Konzepts war die Einrichtung eines sogenannten Sondervermögens von 100 Milliarden Euro für die Modernisierung der Bundeswehr sowie die dauerhafte Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf mindestens 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dass es sich bei der verteidigungspolitischen Neuausrichtung indes nicht nur um eine Angelegenheit der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik sowie der Bundeswehr handeln dürfe, sondern einen gesamtgesellschaftlichen Änderungsprozess verlange, machte Verteidigungsminister Pistorius deutlich, der erstmals im Oktober 2023 von dem Erfordernis der „Kriegstüchtigkeit“ der Bundesrepublik Deutschland sprach. Damit forderte er eine Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins für Verteidigungsfragen, was auch die Einsicht in das Erfordernis des Ausbaus der zivilen Verteidigung einschließt.
In den Jahren nach der Regierungserklärung des damaligen Bundeskanzlers Scholz wurde vielfach bemängelt, dass auf die politische Ankündigung nicht schnell und umfassend genug strukturelle Veränderungen folgten. In der sicherheitspolitischen Debatte tauchte der Begriff „Zeitenwende 2.0“ auf, der sich als Übergang von der Ankündigung einer Zeitenwende zur umfassenden Umsetzung nationaler Verteidigungs- und Widerstandsfähigkeit verstehen lässt. „Zeitenwende 2.0“ bezeichnet den Anspruch, aus der 2022 verkündeten sicherheitspolitischen Neuausrichtung eine dauerhaft funktionierende Gesamtverteidigung zu machen. Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik verwendete den Ausdruck beispielsweise in einem 2025 veröffentlichten Zukunftsszenario. Darin steht „Zeitenwende 2.0“ für eine Phase, in der die Dringlichkeit des Ausbaus der Verteidigungsfähigkeit breit anerkannt wird und strategische Reformen auf Bundes- und Länderebene umgesetzt werden.
Mittlerweile sind die 100 Milliarden komplett verplant oder auch ausgegeben; das Fähigkeitsprofil der Streitkräfte nimmt deutlich zu; durch Grundgesetzänderung im März 2025 wurden Verteidigungsausgaben in erheblichem Umfang von der regulären Schuldenbremse ausgenommen; die deutschen Verteidigungsausgaben machen im Jahr 2026 ca. 2,7 Prozent des BIP aus; der Personalumfang der Streitkräfte wächst; der sogenannte „Neue Wehrdienst“ ist eingeführt; Kasernen der Bundeswehr werden zur vermehrten Aufnahme von Rekruten vorbereitet; der Bundesinnenminister beabsichtigt, einen zivilen Operationsplan als Komplementärplan zum „Operationsplan Deutschland“ des BMVg zu erstellen, und auch die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern beschloss im Juni 2026 einen gemeinsamen Fahrplan zum Ausbau der zivilen Verteidigungsfähigkeit bis 2029. Damit, so könnte man annehmen, befindet sich auch die Zeitenwende 2.0 in der programmatischen Umsetzung. Zeitenwende 2.0 ist und bleibt indes eine politische Deutungsformel, kein fest umrissenes, einheitlich beschlossenes Gesamtkonzept. Entsprechend hapert es an etlichen Enden und Ecken. Dass es vor allem an einer durchgängigen, substanziellen Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins für Verteidigungsfragen mangelt, kann man u. a. aus den Ergebnissen der Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ableiten. Weiterhin lehnen junge Deutsche mit großer Mehrheit die Wiedereinführung eines verpflichtenden Grundwehrdienstes auf Grundlage von Artikel 12a Grundgesetz ab. Zudem steigt die Zahl der Kriegsdienstverweigerer mittlerweile drastisch.
Der Zivilschutz wird als „Fall von organisierter Verantwortungslosigkeit“ bezeichnet, so vor Kurzem der Präsident des Deutschen Landkreistages. Auch wenn der Bund die alleinige Gesetzgebungskompetenz für die zivile Verteidigung innehat, müssen die Kommunen die Menschen am Ort schützen und dafür sorgen, dass die kommunalen Einrichtungen funktionieren. Dazu zählen etwa die Versorgung mit Wasser, Wärme und Energie – und zwar unabhängig von Friedens- oder Kriegszeiten. Doch den weitaus meisten Kommunen fehlen vor allem die dafür nötigen Mittel. Deutschland ist zwar nicht im Krieg. Aber laut Bundesinnenminister Dobrindt ist Deutschland „tägliches Ziel hybrider Kriegsführung“. Beispielsweise wurde im August eine mit Sprengstoff beladene Drohne auf dem Flughafen Leipzig entdeckt, die nach staatsanwaltlichen Erkenntnissen eindeutig russischen Geheimdienstaktivitäten zuzuschreiben war. Wie sollen in Deutschland gefährliche Drohnen möglichst verlässlich erkannt und die durch sie ausgehende Bedrohung von wem wie neutralisiert werden?
Viele Analysten weisen auf die äußerst bedenklichen Fähigkeitslücken bei Flugabwehr und Luftverteidigung hin, deren Schließung wohl eher Dekaden denn Jahre in Anspruch nehmen wird. Und selbst der nach wie vor wegen seiner klaren Sprache beliebteste deutsche Politiker, Verteidigungsminister Boris Pistorius, sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, heute und morgen Waffensysteme gegen die Bedrohungen von gestern zu beschaffen. Ist dem wirklich so?
Vortrag und Diskussion

Referent: General a. D. Eberhard Zorn , 16. Generalinspekteur der Bundeswehr (2018 – 2023) und Vizepräsident der GSP

Zum Referenten: Eberhard Zorn wurde am 19. Februar 1960 in Saarbrücken geboren. Er trat am 1. Juli 1978 an der Artillerieschule in Idar-Oberstein in die Bundeswehr ein und durchlief die Ausbildung zum Offizier des Truppendienstes der Artillerietruppe. Anschließend absolvierte er das Studium der Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Hochschule der Bundeswehr Hamburg, das er 1983 als Diplom-Kaufmann abschloss. Als Oberleutnant und Hauptmann hatte Eberhard Zorn Verwendungen als Zugführer, Offizier für Militärisches Nachrichtenwesen, Batteriechef sowie Feuerleit- und S3-Offizier in einem Artillerieregiment. Von 1991 bis 1993 wurde Hauptmann Zorn an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg zum Offizier im Generalstabsdienst ausgebildet. Mit der Beförderung zum Major wurde er nach Frankreich versetzt, wo er von 1993 bis 1995 in Paris den französischen Generalstabslehrgang absolvierte. Zurück in Deutschland diente Zorn zunächst als Abteilungsleiter Logistik (G4) und dann als Abteilungsleiter Operationsführung (G3) im Kommando Luftbewegliche Kräfte. Während dieser Zeit wurde er als G4 im Stab des 1. Deutschen Heereskontingentes bei der „Implementation Force“ (IFOR) in Kroatien eingesetzt. Ab 1997 diente Major Zorn als Personalstabsoffizier (G 1) beim Heeresführungskommando. Unter Beförderung zum Oberstleutnant übernahm er von 1999 bis 2001 das Kommando über das Feld- und später Panzerartilleriebataillon 295 in Immendingen. Während dieser Verwendung diente Zorn bei der „Stabilisation Force“ (SFOR) als G3 im Stab der Multinationalen Division Südost in Bosnien und Herzegowina. Im Anschluss folgte die Versetzung in das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), zunächst als Grundsatz-Referent für Einzelpersonalangelegenheiten des militärischen Personals und dann als Personalreferent. Im Jahre 2004 wurde Zorn erneut in das Heeresführungskommando versetzt und diente zunächst als Operationsstabsoffizier und Gruppenleiter für Planung/Einsatz/Organisation. Unter Beförderung zum Oberst übernahm Zorn 2005 den Dienstposten des Abteilungsleiters G3 ein. Ab 2007 diente Zorn im BMVg als Referatsleiter für personelle Grundsatzangelegenheiten im Führungsstab des Heeres. Zwei Jahre später übernahm er dort die Leitung des Referats für zentrale Aufgaben. Anfang 2010 wurde Zorn Kommandeur der Luftlandebrigade 26 „Saarland“ in Saarlouis und in dieser Verwendung zum Brigadegeneral befördert. Anfang 2012 wurde Brigadegeneral Zorn Büroleiter des Generalinspekteurs der Bundeswehr im BMVg in Berlin, Mitte 2014 Kommandeur der Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf (Beförderung zum Generalmajor), im Herbst 2015 Abteilungsleiter Führung Streitkräfte im BMVg in Berlin (Beförderung zum Generalleutnant) und im Sommer 2017 Abteilungsleiter Personal im BMVg. Am 19. April 2018 wurde Generalleutnant Zorn der 16. Generalinspekteur der Bundeswehr und zugleich zum General befördert. Am 16. März 2023 wurde General Zorn in den einstweiligen Ruhestand versetzt; seit 01. April 2025 befindet er sich im Ruhestand.

General a. D. Eberhard Zorn ist Träger zahlreicher Orden und Ehrenzeichen. Eine der bedeutendsten Auszeichnungen ist das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2024).

Seit 2023 ist General a. D. Zorn freiberuflich als Vortragsredner und Dozent tätig. Am 27. Juni 2025 wurde er von der Bundesversammlung der GSP zu deren Vizepräsident gewählt.

General a. D. Zorn ist verheiratet; seine Frau und er haben zwei erwachsene Kinder. Das Ehepaar Zorn wohnt im Raum Bonn. 

Ort: Gorch-Fock-Haus - „Johann Kinau Saal“ - Viktoriastr. 15 , 26382 Wilhelmshaven

Die Veranstaltung findet im „Johann Kinau Saal“ statt. Der Zugang zum Haupteingang des Gorch-Fock-Hauses erfolgt von der Viktoriastraße und der Virchowstraße aus. Parkplätze des Gorch-Fock-Hauses befinden sich auf dessen Gelände an der Ostseite der Virchowstraße sowie hinter einer beschrankten Zufahrt an der Südseite der Bremer Straße (Code für die Ausfahrt im Gorch-Fock-Haus erhältlich). Öffentliche Parkmöglichkeiten befinden sich in den umliegenden Straßen.

Der Veranstaltungsort kann auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Das Gorch-Fock-Haus ist nur ca. zwölf Gehminuten vom Bahnhof Wilhelmshaven entfernt gelegen. Am Bahnhof Wilhelmshaven befindet sich auch der Zentrale Omnibusbahnhof, der z. B. mit den Buslinien 121, 219 oder 251 erreicht werden kann. Die Buslinie 111 wiederum führt zur Haltestelle Bülowstraße, die nur sieben Gehminuten vom Gorch-Fock-Haus entfernt ist.

Organisator: Herr Kapitän zur See a. D. Berend Burwitz , Sektionsleiter Wilhelmshaven/Friesland Berend.Burwitz@gsp-sipo.de
0171-4727146


Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Mitglieder und Freunde der Sektion,

als in 2026 achte (und letzte) Veranstaltung bietet die Sektion Wilhelmshaven/Friesland einen Vortrag zum Kernthema „Sicherheitspolitik, Sicherheitsstrukturen, Strategien und internationale Beziehungen“ mit dem Fokus auf der deutschen Verteidigungsfähigkeit und deren Entwicklungsperspektiven. Dabei werden Rüstung, personeller Bedarf und Ausbildungsnotwendigkeiten genauso angesprochen wie – angesichts der Bedrohung durch Russland und des mörderischen russischen Krieges gegen die Ukraine – das Erfordernis der gesamtgesellschaftlichen Krisenresilienz. Es handelt sich wie immer um eine Präsenzveranstaltung.

Mit General a. D. Eberhard Zorn konnte als Vortragender einer der herausragendsten sicherheitspolitischen, insbesondere der militär- und verteidigungspolitischen Fachleute Deutschlands gewonnen werden. Seine Einschätzung der Rolle der Bundesrepublik in der NATO, von Lage und Entwicklung der Bundeswehr sowie des Verteidigungswillens der Deutschen und der gesamtgesellschaftlichen Verteidigungsfähigkeit wird immer wieder nachgefragt. Die Sektion Wilhelmshaven/Friesland würde sich freuen, Sie als Teilnehmer bzw. Teilnehmerin an dieser Veranstaltung begrüßen zu dürfen. Bitte weisen Sie auch Freunde und Bekannte auf diesen Termin hin und empfehlen ihnen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Die Anmeldung kann über diese Internetseite der GSP erfolgen (https://www.gsp-sipo.de/organisation/landesbereich-ii/wilhelmshaven). Bitte klicken Sie auf das unten befindliche Feld „Anmeldung“. Beachten Sie, dass Sie nach erfolgter Anmeldung eine E-Mail mit der Bitte um Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten. Diese Bestätigung muss innerhalb einer Stunde erfolgen; ansonsten müsste die Anmeldung verfallen. Mit diesem Verfahren sollen vorsätzliche Falschanmeldungen unterbunden werden.

Die Sektion nimmt Ihre Anmeldung auch per E-Mail an Berend.Burwitz@gsp-sipo.de oder per SMS, WhatsApp oder telefonisch (0171-4727146) an den Sektionsleiter entgegen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Anmeldungen, die auf diesen Wegen erfolgen, grundsätzlich nicht quittiert werden können. Wegen der erforderlichen organisatorischen Vorbereitung im Gorch-Fock-Haus wird um Anmeldung bis zum Dienstag, 10. November 2026, einschließlich gebeten.

Mit freundlichem Gruß

Berend Burwitz
Sektionsleiter

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Hinweise zum Datenschutz: Die aktuellen Fassungen von Datenschutz-Grundverordnung der EU (DSGVO) und Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) werden mit der Datenschutzerklärung der GSP umgesetzt. Die D

Bei der Anmeldung wird um Übermittlung mindestens folgender Daten gebeten: Name, Vorname und eine E-Mailadresse. Zusätzlich bittet die Sektion um Nennung der beruflichen Tätigkeit. Die Daten werden in einer lokalen Datenbank der Sektion 220 gespeichert und zur Organisation der Veranstaltung genutzt. Im Weiteren werden die Daten (Name, Vorname, E-Mailadresse) genutzt, um zukünftige Veranstaltungshinweise und -einladungen der GSP zu versenden. Nichtmitglieder der GSP haben die Möglichkeit, der Nutzung Ihrer Daten zu diesen Zwecken jederzeit schriftlich oder mündlich zu widersprechen. In diesem Fall wird die Zusendung weiterer Informationen nach Abschluss der Veranstaltung, für die Sie sich angemeldet haben, beendet und alle Ihre Daten auf der Datenbank der Sektion 220 gelöscht.

Die Veranstaltung wird fotografisch begleitet. Mit der Anmeldung erklären die Teilnehmenden ihr Einverständnis, dass die GSP vor, während oder nach der Veranstaltung entstandenes Fotomaterial für Zwecke der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nutzt.