Sektion Fulda

Sektion Fulda

Dienstag, 25.11.2025 - 19:00

Blaulicht vs. neue Herausforderungen in der Gefahrenabwehr – Wie gut sind wir vorbereitet?

der Krieg Russlands gegen die Ukraine mit all seinen Opfern, den Zerstörungen ziviler Infrastruktur oder die schlimme Flutkatastrophe im Ahrtal sowie die vielen weltweiten klimabedingten Katastrophen mit zahllosen Toten und Milliarden Schäden haben eines eindringlich gezeigt: Wir sind unglaublich verwundbar angesichts der Fülle vorhandener und drohender Gefahren. Deshalb stellen sich viele immer häufiger die Frage: Was können die Dienste wie Rettungsdienst, Brandschutz oder Katastrophenschutz überhaupt leisten? Ganz speziell in unserem eigenen unmittelbaren Umfeld, also im Landkreis Fulda? Und: Was sind die aktuellen Gefahren, denen wir uns ausgesetzt sehen – von klimabedingten Ereignissen bis hin zu Cyberangriffen, die unseren digitalen Alltag, unsere technische Infrastruktur bedrohen? Vor welchen Herausforderungen stehen Behörden wie der Landkreis Fulda und letztlich wir selbst? Unter der Überschrift „Blaulicht vs. neue Herausforderungen in der Gefahrenabwehr – Wie gut sind wir vorbereitet?“ will uns Frank Reith, Fachdienstleiter Gefahrenabwehr beim Landkreis Fulda, Einblicke über Zuständigkeiten und Potenziale der Gefahrenabwehr sowie eigene Handlungsmöglichkeiten vermitteln.
Vortrag und Diskussion
Referent: Frank Reith , Fachdienstleiter Gefahrenabwehr beim Landkreis Fulda
Ort: Wintergarten des Hotel Jägerhaus - Bronnzeller Str. 8 , 36043 Fulda-Bronnzell
Organisator: Herr Michael Schwab , Sektionsleiter GSP-Sektion Fulda und Pressereferent pressereferent.fulda@gsp-sipo.de
Eichbergstr. 5, 36160 Dipperz  06657 609161
Zwei Männer präsentieren Notfallausrüstung, darunter Kisten für persönliche Krisenvorsorge, ein Erste-Hilfe-Set und ein Gerät.

Frank Reith (von links), Fachdienstleiter beim Landkreis Fulda für Gefahrenabwehr, stellte gemeinsam mit GSP-Sektionsleiter Michael Schwab vor, womit sich ein Haushalt auf Notfälle und Notsituationen vorbereiten kann. Foto: Gisbert Hluchnik

Eine Hand hält eine rote BBK-Broschüre 'Ratgeber für Notfallvorsorge' mit wichtigen Rufnummern und 'Katastrophen Alarm'.

Wichtige Tipps vermittelt der "Ratgeber für Notfallvorsorge und und richtiges Handeln in Notsituationen" des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Foto: Michael Schwab


GSP-Vortrag über „Blaulichteinsatz vs. neue Herausforderungen der Gefahrenabwehr“ mit Frank Reith lieferte nützliche Tipps über die richtige Notfallvorsorge/ Zivilschutz und Verteidigung unerlässlich:

Erste-Hilfe-Set, Campingkocher, Wasser, Konserven und Klopapier – unerlässlich in echten Notfallsituationen

Fulda (mb). Die Flutkatastrophe im Ahrtal oder zuletzt der Stromausfall in Teilen Berlins haben auf dramatische Weise gezeigt: So schnell und unerwartet Naturkatastrophen oder Schäden an der Infrastruktur kommen, so verheerend sind die Folgen oft genug für die Bevölkerung. „Ob, vor allem aber wie wir uns selbst am besten auf solche oder ähnliche Gefahrenmomente vorbereiten können?“ Das ist die entscheidende Frage, die viele sich immer häufiger stellen. Antworten über das „Wie“ liefert Frank Reith, Leiter des Fachdienstes Gefahrenabwehr beim Landkreis Fulda. Für den Vortragsabend der Fuldaer Sektion für Sicherheitspolitik (GSP)  hat er gleich mehrere graue, mit allerlei Überlebenswichtigem vollgepackte Rollcontainer mitgebracht. Darin: Lebensmittelkonserven - auch für Tiere - Wasser, ein Erste-Hilfe-Paket, ein Schlafsack, ein kleiner Camping-Kocher, Streichhölzer und natürlich das in Notsituationen (wie die Corona-Jahre) nicht wegzudenkende Toilettenpapier. Vieles mehr verbirgt sich in den Kästen, womit Reith sein Publikum für das Notwendige in schwierigen Ausnahmesituationen „sensibilisieren“ möchte. Was nicht zu sehen ist, wird zumindest angesprochen, wie die Mappe mit wichtigen Dokumenten, die für den Ernstfall vorbereitet sein sollte und unersetzlich ist. 

Ratgeber für Notfallvorsorge

„Wie gut sind wir eigentlich vorbereitet?“, fragt Reith zu Beginn seines Vortrags „Blaulichteinsatz vs. neue Herausforderungen der Gefahrenabwehr“ im Bronnzeller Jägerhaus. Schnell und direkt wird der Experte seinem Versprechen gerecht, das GSP-Publikum mit seinen Ausführungen „abzuholen“. Nicht zuletzt weil Reith auch Gastdozent für Krisenmanagement beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz ist und als ehemaliger Bundeswehr-Soldat über Erfahrung im Auslandseinsatz auf dem Balkan verfügt. Wie groß der Landkreis ist? Wie viele Gemeinden (23) er hat? Wo in seinem unmittelbaren Einflussbereich Gefahrenschwerpunkte wie Autobahnen, Bahnstrecken und -tunnel liegen? Und: Wofür letztlich die Kreise, also auch der Landkreis Fulda, und kreisfreien Städte überhaupt zuständig sind? Auf all diese Fragen hat Frank Reith detaillierte Antworten parat - und zusätzlich eine hilfreiche Broschüre. Nämlich den vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe herausgegebenen „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“, den der Fachmann in etlichen Exemplaren zum Mitnehmen ausgelegt hat und seinen Zuhörern eindringlich zur Lektüre empfiehlt. 

Zuständigkeiten

Die „Abwehr von Großschaden- und Katastrophenlagen, das ist das Hauptgeschäft des Landkreises.“ Und das rund um die Uhr, erläutert Reith seinem Publikum, darunter erstmals auch Schülerinnen und Schüler eines „Powi“-Leistungskurses (Politik und Wirtschaft) der Freiherr-vom-Stein-Schule mit ihrer Lehrerin. Für die örtliche Gefahrenabwehr seien die Gemeinden zuständig. Ein „integriertes Hilfeleistungssystem“ bildet in Deutschland dafür die Grundlage. Danach ist der Bund für den Zivilschutz durch die Bundeswehr, die Bundespolizei sowie das Technische Hilfswerk verantwortlich, die Länder wiederum für den Brand- und Katastrophenschutz sowie den Rettungsdienst. 

Bester Rettungsdienst

Für Reith gehört übrigens der Rettungsdienst im Landkreis Fulda mit seinem hohen Standard zu den „besten in Hessen.“ Rund 35.000 Mal im Jahr rückt der heimische Rettungsdienst mit seinen 29 Fahrzeugen aus; 15 Rettungswagen sind an jedem Tag der Woche 24 Stunden einsatzbereit. Und: „Die Zahl der Einsätze steigt jedes Jahr trotz gleichbleibender Einwohnerzahl.“ Vermutlich wegen der immer älter werdenden Gesellschaft. 

Ehrenamt gefragt

Die Aufgaben des Kreises im Kontext der Gefahrenabwehr und des Katastrophenschutzes sind laut Reith breit gefächert. Sie reichen von der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften als „klassische Kreisaufgabe“ bis hin zur Alarm- und Einsatzplanung. Der Landkreis muss den Brandschutz, den GABC-Schutz vor Gefahrstoffen mit atomaren (A), biologischen (B) und chemischen (C) Gefahren  sowie das Sanitätswesen im Kreisgebiet sicherstellen. Doch, so fragt Reith:  Wo sollen die vielen Helfer für die Fülle an Aufgaben herkommen? Also jene, die früher zum Beispiel in den Hilfsorganisationen im Zuge des allgemeinen Wehrdienstes ihren Ersatzdienst geleistet haben. Noch, so meint der Experte aus dem Kreishaus, sei  der Landkreis Fulda bei der Zahl der Einsatzkräfte „gut dabei.“ „Wir brauchen aber noch mehr ehrenamtliche Unterstützung.“ Erst recht in Zukunft. Als Stichworte, vor welchen „möglichen Herausforderungen“ die Gesellschaft künftig steht oder stehen könne, nennt Reith den Terrorismus und Sonderlagen, Cyberattacken, Bürgerkriege, hybride Kriegsformen, Wirtschaftskrisen, den Klimawandel und seine Folgen, Flüchtlingskrisen als „Waffe“, Großhavarien oder Versorgungskrisen (beispielsweise bei einem Black-Out bei Strom wie in Berlin). Im Zuge der „Friedensdividende“ seit 1989/1990 seien vorhandene Zivilschutzstrukturen bedauerlicherweise aufgelöst oder zumindest zurückgefahren worden. Friedlich und ruhig sei es in den Jahren seither jedoch nicht geblieben: 9/11, 2014 die Annexion der Krim, die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 und letztlich ‚Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine“ 2022, den Reith den „eigentlichen Weckruf“ für alle nennt, hätten gezeigt, „wie wichtig Zivilschutz und Verteidigung für uns sind.“

Von den Ukrainern lernen

Frank Reith habe seinem Publikum „hervorragende Einblicke über Zuständigkeiten und Potenziale der Gefahrenabwehr sowie eigene Handlungsmöglichkeiten vermittelt“,  lobte GSP-Sektionsleiter Michael Schwab den Vortrag seines Gasts aus dem Kreishaus. Er selbst habe erst kürzlich einen „echten Notfall“ erlebt, als während einer Übernachtung in Süddeutschland bei deutlichen Minus-Graden die Fernwärme des Hotels ausgefallen sei.  „Auch am Morgen danach blieb es ziemlich kalt im Haus. Nur die dicke Jacke hat über diese unangenehme Situation ein wenig hinweg geholfen.“ Ganz schnell werde „in solchen Momenten bewusst, wie sensibel und anfällig die Infrastruktur in unserem Alltagsumfeld sein kann. Von der Anfälligkeit bei Mega-Themen wie Informations- und Datenfluss, Auto-, Bahn- und Flugverkehr ganz abgesehen.“ Umso größer falle vor diesem Hintergrund der Respekt und die Bewunderung vor den Menschen in der Ukraine aus, die nach vier Jahren Krieg, Leid und Zerstörung  ein erhebliches Maß an Resilienz entwickelt hätten und nur allzu gut wüssten, wie mit dem beinahe täglichen Ausfall von Strom, Wasser, Licht und Wärme umzugehen ist.“ Sie, die Opfer dieses furchtbaren Krieges, hätten aus der Not heraus physisch und psychisch gelernt, was in solchen Gefahrenmomenten zu tun ist. „Daraus können wir nur lernen.“

 (GSP pm/mb 1/2026)

BBK - Ratgeber zum Vorsorgen fuer Krisen und Katastrophen

BBK - Checklisten zur Vorsorge in Krisen und Katastrophen