Sektion Ulm
Brigade Litauen – Deutschlands Beitrag zur Verteidigung an der NATO-Ostflanke
Kooperationsveranstaltung der GSP-Sektion Ulm mit DBwV, DWT u. DGWMP
07348 / 948299
von links: Dr. PD Mühlmeier (DGWMP), OTL a.D. Goetze (GSP), BG Markus (Kdr PzGrenBrig 37), Dr. Lutz (DWT) und OSF a.D. Lott (DBwV).
BrigGen Markus beim Vortrag
Wieder mal viele Zuhörer
Nachbericht zur Kooperationsveranstaltung der GSP-Sektion Ulm mit DBwV, DWT und DGWMP am 10. Juni 2025 im Casino der Rommelkaserne in Dornstadt:
„Brigade Litauen – Deutschlands Beitrag zur Verteidigung an der NATO-Ostflanke“
Vortrag und Diskussion
Referent: Brigadegeneral David Markus , Kdr PzGrenBrig 37 „Freistaat Sachsen“
Nach Eröffnung und Begrüßung durch OTL a.D. Wolfgang Goetze, auch im Namen seiner Kooperationspartner, stellte BG Markus im vollgefüllten Saal des Casinos der Rommel-Kaserne zunächst Organisation und Auftrag der PzGrenBrig 37 vor:
Die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ ist ein einsatz- und kampferfahrener Großverband des Deutschen Heeres. Kernauftrag der Brigade ist die Führung, Ausbildung und das Training der eigenen, aber auch möglicher unterstellter Verbände.
Ihr Stationierungsraum ist in Sachsen, Bayern, Thüringen sowie NRW. Nachdem sie in den Jahren 2022 bis 2024 den Auftrag hatte, sich als Teil der NATO Response Force (NRF) bereitzuhalten, ist sie seit Jahresbeginn 2025 erneut als deutscher Beitrag für einen Auftrag der NATO vorgesehen. Sie steht als Multinational Brigade Lithuania und damit als Brigade der höchsten Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft des Deutschen Heeres in Deutschland bereit, um Litauen bei dessen Landesverteidigung im Falle eines Angriffs auf das Bündnisgebiet zu unterstützen. Damit löst sie bis zum Erreichen der vollen Einsatzbereitschaft der in Aufstellung befindlichen Panzerbrigade 45 in Litauen das Versprechen Deutschlands ein, dem südbaltischen Bündnispartner Kräfte in Brigadestärke zur Verfügung zu stellen.
In der Folge ging es um ein gemeinsames Verständnis für die regionale Schwerpunktsetzung
der DEU - Sicherheitspolitik in Litauen und um die Folgen des RUS – Krieges in der UKR.
Vier Schwerpunktthemen (Themenboxen/Kartons) wurden dazu näher beleuchtet:
1. Personelle Einsatzbereitschaft der PzGrenBrig 37:
Die Ist-Stärke, bei einer geplanten Sollstärke von 6500, beträgt aktuell etwa 5500.
Davon können/werden rd. 500 Personen aus verschiedensten Gründen aktuell nicht nach Litauen mitgehen. Deren Gründe gilt es jetzt zu erkennen, so dass sie schnell wieder verfügbar sind.
Zur Vorbereitung der Verlegung dienen die sogenannte (individuelle) Kaltstartakte und die Planung der Anmarschwege gem. Operationsplan DEU.
Die personelle Verfügbarkeit soll über Zielgespräche gesteigert werden.
2. Führungskultur und Auftragstaktik:
Man muss mit Fehlern umgehen können.
Bei einem stark überdehnten Einsatzraum der Brigade muss die Lage vor Ort durch die Teileinheitsführer relativ selbstständig bewertet und die Aufträge vor Ort selbstständig erledigt werden, denn die jeweiligen Kommandeure sind räumlich weit weg.
Aus den aktuellen Erfahrungen aus dem Krieg RUS – UKR sind folgende Schlüsse zu ziehen:
- Abwehr von und Schutz vor gegnerischen Drohnen und intensiver Einsatz eigener Drohnen sind dringend geboten, basierend auf verstärkter Ausbildung.
- Abwehr und Verhinderung (verbesserte digitale Technik) elektronischer Störmaßnahmen dringend notwendig.
- Die taktische Ausbildung des Personals ist zu verbessern, um die Auftragstaktik besser zu verstehen.
- „Schwarmintelligenz“ und mehr „Kreativität“ quer über alle Dienstgrade ausbilden, fördern und nutzen.
3. Kriegstüchtigkeit – ein Selbstversuch:
- Viele Panzerhaubitzen wurden an die UKR abgegeben.
- Hohe Anfälligkeit gegen Elektron. Störmaßnahmen.
- Bisher zu wenige eigene Drohnen vorhanden.
- Tlw. Schlechte Ersatzteilage bei Kampffahrzeugen.
- Material muss über „Fähigkeitsverbund“ bei anderen Verbänden besorgt werden.
4. Blick in die nahe Zukunft:
RUS & BLR planen, demnächst eine Großübung an der Grenze zu Polen und zum Baltikum
durchzuführen.
Unter Umständen müssen zum Schutz im Rahmen der NATO viele Tausend dt. Soldaten inklusive NATO FWD Land Forces basierend auf den Planungen des „Regional Planning Centers“ an die Ostflanke verlegt werden.
Schlussbotschaft:
Der Mensch steht im Mittelpunkt, der Auftrag im Vordergrund!
Wir brauchen alles – davon haben wir aber nicht genug – Besserung ist jedoch in Sicht!
Im Anschluss an den Vortragsteil erfolgte eine aufschlussreiche Fragerunde mit folgenden zusammenfassenden Kernaussagen:
- Bei Wiedereinführung einer Wehrpflicht müssten in jedem Bataillon Ausbilder für
bis zu zwei Grundausbildungskompanien pro Bataillon abgestellt werden. - Das Gefechtsfeld ist gläsern aufgrund intensiver Drohnenaufklärung – wir kommen
auch ohne eigene Drohnen (hohe Stückzahlen erforderlich) nicht mehr aus. - Schwierige Rahmenbedingungen im Baltikum: Flüsse, Seen, Moore, Sumpfwälder,
dichte Nadel- und Mischwälder, folglich verschiedene Kräfte: Infanterie, Pioniere, Drohnen, Artillerie notwendig. - Überwachen statt Beherrschen.
- Funktionierende, durch JSEC (OPLAN DEU) geplante logistische Linien, Anmarsch-
und Transportwege (Autobahn, Bahn, See, Luft) unverzichtbar.
Autor: Wilhelm Hummel, TORR a.D., Mitglied der GSP-Sektion Ulm
Fotos: Frau Gramlich-Goetze, Beisitzerein GSP Sektion Ulm