Sektion Bonn
Russland im fünften Kriegsjahr gegen die Ukraine - welche Bedrohung ergibt sich daraus für Europa?
Eine mit knapp 200 Gästen sehr gut besuchte Veranstaltung. © Richard Rohde
Einführung und Moderation durch die Stv. Sektionsleiterin Claudia Klemm © Richard Rohde
GLt a.D. Hermann © Richard Rohde
GLt a.D. Stieglitz © Richard Rohde
Interessante Fragen nach einem hochinformativem Vortrag © Richard Rohde
Referent Alexey Yusupov - Friedrich Ebert Stiftung © Richard Rohde
V.l.n.r. Volker Thielert (CG), Oberst Michael Warther (CG), Alexej Yusupov (Referent, FES), Claudia Klemm (GSP Bonn), Lena Utecht (CASSIS),Marc Cieszewski (VdRdBw) © Richard Rohde
Russland im fünften Kriegsjahr gegen die Ukraine – welche Bedrohung ergibt sich daraus für Europa?
Yusupov plädierte für eine nüchterne und langfristige Analyse des Krieges. Technologische „Game Changer“ hätten sich seit 2022 regelmäßig innerhalb weniger Monate relativiert. Innovationen würden auf beiden Seiten rasch angepasst, weshalb der Krieg inzwischen vor allem durch einen Abnutzungswettbewerb geprägt sei. Während sich die Frontlinien nur langsam verschieben, gewinnen der Luftkrieg, Drohnen und Angriffe auf die militärische Infrastruktur zunehmend an Bedeutung. Besonders die ukrainischen Deep-Strike-Operationen gegen russische Logistik- und Treibstoffeinrichtungen hätten spürbare Auswirkungen auf die russische Wirtschaft.
Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf den strukturellen Faktoren der russischen Kriegsführung. Yusupov analysierte die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die demografische Entwicklung, die gesellschaftliche Stabilität sowie die außenpolitischen Beziehungen Russlands. Trotz Inflation und Belastungen der Zivilwirtschaft könne Russland den Krieg bislang ohne allgemeine Mobilmachung fortführen und verfüge weiterhin über ausreichende personelle und wirtschaftliche Reserven. Gleichzeitig bleibe die Ukraine in erheblichem Maße auf internationale finanzielle und militärische Unterstützung angewiesen.
Auch die gesellschaftliche Dimension spielte eine wichtige Rolle. Nach Einschätzung des Referenten sei die russische Bevölkerung differenzierter als häufig angenommen. Umfragen zeigten zwar eine breite Unterstützung für Friedensverhandlungen, gleichzeitig existiere keine gesellschaftliche Dynamik, die den Kreml zu einem Kurswechsel zwinge. Die Mehrheit der Bevölkerung nehme eine abwartende Haltung ein, sodass Präsident Wladimir Putin sowohl eine Fortsetzung als auch eine Beendigung des Krieges politisch vertreten könne.
Abschließend richtete Yusupov den Blick auf Russlands internationales Umfeld. Er verwies auf zunehmend eigenständige Positionierungen einzelner Partnerstaaten wie Kasachstan, Belarus oder Aserbaidschan sowie auf die Frage, ob Moskau den Krieg primär als Konflikt mit der Ukraine oder als Auseinandersetzung mit dem Westen definiert. Für eine belastbare Bedrohungsanalyse Europas sei es entscheidend, kurzfristige Entwicklungen nicht überzubewerten, sondern die langfristigen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Russlands in den Mittelpunkt zu stellen.
Der Vortragsabend endete mit einer lebhaften Diskussion im voll besetzten Moltke-Saal auf der Hardthöhe.
Das Vortrags-Briefing von Alexey Yusupov finden sie hier.
Nachbericht: Benedikt Roelen, GSP Bonn