Sektion Bonn
Ganzheitliche Krisenvorsorge in Deutschland – Schaffen wir das?
Referent Generalleutnant a.D. Martin Schelleis © Benedikt Roelen, GSP Bonn
Referent und Banner der Kooperationspartner im Hintergrund © Benedikt Roelen, GSP Bonn
V.l.n.r.: Volker Thielert (Clausewitz-Gesellschaft), Julius Velenzer (VdRdBw), Michael Müllers (CASSIS), Claudia Klemm (GSP), Roland Heckenlauer (GSP), Frau Schneider (Besucherzentrum BMVg), GLt a.D. Martin Schelleis (Malteser), Richard Rohde (GSP), Robin Klein (JGSP) © Benedikt Roelen, GSP Bonn
Diskussionsrunde © Benedikt Roelen, GSP Bonn
Gespräche beim Empfang © Benedikt Roelen, GSP Bonn
Nachbericht zur Veranstaltung Ganzheitliche Krisenvorsorge in Deutschland - Schaffen wir das?
Zu einer gut besuchten Veranstaltung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. (GSP), Sektion Bonn, begrüßte der Sektionsleiter Richard Rohde die Gäste vor Ort sowie die Teilnehmenden per Zoom. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern CASSIS der Uni Bonn, dem Verband der Reservisten der Bundeswehr und der Clausewitz-Gesellschaft wurde ein hochaktuelles Thema aufgegriffen: Die Frage nach einer ganzheitlichen Krisenvorsorge in Deutschland. Hierzu trug Generalleutnant a.D. Martin Schelleis vor.
Martin Schelleis war Kampfpilot der Luftwaffe und in seiner letzten militärischen Verwendung Inspekteur der Streitkräftebasis sowie Nationaler Territorialer Befehlshaber Deutschland. Heute engagiert er sich ehrenamtlich als Bundesbeauftragter für Krisenresilienz des Malteserordens.
In seinem Vortrag machte er deutlich, dass Sicherheit und Krisenvorsorge heute umfassend gedacht werden müssen. Neben militärischen Bedrohungen nannte er zahlreiche Risiken wie Naturkatastrophen, Pandemien, Cyberangriffe, Spionage, Desinformation, Sabotage, Terrorismus, organisierte Kriminalität, gestörte Lieferketten und irreguläre Migration. Diese Gefahren stellten nicht nur den Staat, sondern auch die liberale Demokratie insgesamt auf die Probe.
Einer der Schwerpunkte seines Vortrags lag auf der Rolle der Malteser als Völkerrechtssubjekt und als zentrale Säule im deutschen Katastrophen- und Bevölkerungsschutz. Mit Einrichtungen in den Bereichen Gesundheitswesen, Pflege, Jugend- und Sozialarbeit sowie einem großen Anteil an Katastrophenschutzeinheiten seien die Malteser in allen vier Säulen der zivilen Verteidigung vertreten: Aufrechterhaltung staatlicher Funktionen, Zivilschutz, Versorgung der Bevölkerung und Unterstützung der Streitkräfte.
Vor dem Hintergrund der veränderten internationalen Sicherheitslage - insbesondere mit Blick auf die USA und den zunehmenden Druck auf die regelbasierte Weltordnung - forderte Martin Schelleis mehr europäische Eigenverantwortung. Europa müsse strategisch autonomer werden, seine Verteidigungsfähigkeit stärken und Deutschland aktiv an einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur mitwirken. Zugleich sei ein ganzheitliches nationales Sicherheitskonzept notwendig, das militärische, zivile und gesellschaftliche Aspekte miteinander verbindet.
Besonderen Handlungsbedarf sah Martin Schelleis bei der praktischen Umsetzung von Krisenvorsorge: klare Szenarien im All-Gefahren-Ansatz, priorisierte Maßnahmen, verlässliche rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen für Hilfsorganisationen sowie eine stärkere Einbindung der Bevölkerung. Auch jede einzelne Organisation - vom Altenheim bis zum kommunalen Betrieb - müsse eigene Notfallpläne entwickeln. Bürgerinnen und Bürger seien aufgerufen, ihre persönliche Krisenresilienz zu stärken.
Mit eindringlichen Zitaten - unter anderem von Bundespräsident a.D. Roman Herzog („Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“) und Gabor Steingart („Wir sind die, auf die wir gewartet haben“) - appellierte er an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung.
Eine lebhafte und inhaltlich anspruchsvolle Diskussion mit Fragen aus dem Publikum und den zugeschalteten Teilnehmenden (Zoom) schloss den Abend ab und unterstrich die Aktualität und Relevanz des Themas.
Der Vortrag ist beigefügt. Ein Video der Veranstaltung ist auf dem YouTube-Kanal der GSP einsehbar.
Frau Schneider vom Besucherzentrum BMVg wird am Ende des Monats in den Ruhestand verabschiedet. Sie erhielt am Ende der Veranstaltung als langjährige gute Seele von allen Anwesenden einen Blumenstrauß als Dankeschön. Wir wünschen alles Gute!
Text: Benedikt Roelen, Presse GSP Bonn