Sektion Bonn
Der geopolitische Konflikt um Strategische Mineralien: Chinas Werk, Trumps Beitrag und Europas Spielraum
Dr. Frank Umbach, Uni Bonn © Richard Rohde
Herr Heider (IHK Bonn Rhein-Sieg) im Gespräch mit Dr. Umbach © Richard Rohde
Blick ins Auditorium © Richard Rohde
Die Veranstalter: Richard Rohde (GSP Bonn), IHK Armin Heider (IHK Bonn - Rhein/Sieg), Referent Dr. Frank Umbach, Jan Deller (CASSIS), Lena Utecht (CASSIS), Andreas Preu (VHS Bonn), Rebecca Ansen (GSP Bonn), Claudia Klemm (GSP Bonn). © Richard Rohde
Einführung durch den SL Richard Rohde © Richard Rohde
Nachbericht zur Veranstaltung “Der geopolitische Konflikt um Strategische Mineralien: Chinas Werk, Trumps Beitrag und Europas Spielraum”
Am Montag, den 13. April 2026, sprach Dr. Frank Umbach (Head of Research, EUCERS, Universität Bonn) im Haus der Bildung der Volkshochschule Bonn über den geopolitischen Konflikt um strategische Mineralien im Spannungsfeld zwischen den USA, China und Europa. Vor einem zahlreichen Publikum beleuchtete er die wachsende Bedeutung kritischer Rohstoffe für Energiepolitik, Industrie und Sicherheit.
Im Zentrum des Vortrags stand die geopolitische Instrumentalisierung kritischer Rohstoffe, insbesondere durch China, das Exportbeschränkungen gezielt als politisches Druckmittel einsetzt und damit Europa vor wirtschaftliche sowie sicherheitspolitische Herausforderungen stellt. Zugleich wurde deutlich, dass Energie- und Rohstoffsicherheit in Deutschland lange unterschätzt wurden und erst durch Krisen stärker in den Fokus rückten, während geopolitische Risiken und nationale Interessen zuvor unzureichend berücksichtigt wurden.
Zugleich betonte Dr. Umbach, dass die Energiewende bestehende Abhängigkeiten nicht auflöst, sondern eher verlagert: Der steigende Bedarf an kritischen Rohstoffen für erneuerbare Energien und Hightech-Technologien führt zu neuen Abhängigkeiten, insbesondere von China, das zentrale Teile der globalen Förder- und Lieferketten sowie den Markt für Seltene Erden dominiert.
Dr. Umbach verwies auf strukturelle Schwächen Europas, darunter Defizite in der Energieinfrastruktur, verspätete politische Reaktionen und fehlende strategische Ausrichtung. Gleichzeitig stünden sowohl Industrie als auch Verteidigungssektor in wachsender Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen, während deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb - etwa in Afrika - häufig gegenüber staatlich unterstützten chinesischen Akteuren unterliegen.
Die stark schwankende globale Nachfrage, etwa nach Lithium, sowie rohstoffreiche Regionen wie Grönland, Kanada oder Afghanistan unterstreichen zusätzlich die geopolitische Brisanz des Themas.
Im Hinblick auf Lösungsansätze verwies Dr. Umbach auf Initiativen wie den Critical Raw Materials Act (2023), betonte jedoch, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um Abhängigkeiten wirksam zu reduzieren. Zugleich warnte er davor, im Umgang mit China auf reine Marktmechanismen zu setzen, da Peking eine langfristige Strategie verfolgt, die auf eigene Autonomie und die gezielte Abhängigkeit anderer Staaten abzielt.
In der anschließenden Diskussion, die durch Herrn Armin Heider von der Industrie- und Handelskammer Bonn - Rhein/ Sieg geleitet wurde, standen insbesondere die Handlungsspielräume Europas sowie die Vereinbarkeit von Versorgungssicherheit, wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und Klimazielen im Fokus.
Die Veranstaltung hat in hervorragender Weise gezeigt, welche sicherheitspolitische Relevanz von wirtschaftlichen und geopolitischen Zusammenhängen ausgehen.
Benedikt Roelen, GSP Bonn
Veröffentlichungen Dr. Frank Umbach
The race for critical raw material self-sufficiency, in: ECONOMY, Dezember 2024.
Securing Europe’s Independence in Critical Raw Materials and Technological Components, in: The 7Ds for Sustainability, The Wilfried Martens Centre for Euroepan Studies, Dezember 2024.
Am Rohstoffhaken Pekings - Wie Chinas Exportkontrollen Europas Industrie und Verteidigungsfähigkeit unter Druck setzen, in: Europäische Sicherheit und Technik, 01/26.