Sektion Bonn
Der Orbit als Operationsraum - Europas Sicherheitsarchitektur im All
Kooperationsveranstaltung zum Thema Weltraum © Richard Rohde
Referent Oberst i.G. Spangenberg im Gespräch mit Dr. Enrico Fels (CASSIS) © Richard Rohde
Oberst i.G. Thomas Spangenberg © Richard Rohde
Dr. Cedric Bierganns (KAS), Dr. Enrico Fels (CASSIS), Oberst i.G. Thomas Spangenberg (Bundeswehr), Richard Rohde (GSP) © Richard Rohde
Keynotes des Vortrags © Richard Rohde
Nachbericht zur Veranstaltung “Der Orbit als Operationsraum - Europas Sicherheitsarchitektur im All”
Weltraum ist Sicherheitspolitik und Teamsport
Oberst i.G. Thomas Spangenberg, stellvertretender Kommandeur und Chef des Stabes des Weltraumkommandos der Bundeswehr trug beim GSP-Bonn-Kooperationspartner CASSIS über die sicherheitspolitische Bedeutung des Weltraums vor. Bereits in der Begrüßung machte Enrico Fels (CASSIS) auf ein zentrales Problem aufmerksam: Die anhaltende „Weltraumblindheit“ in Öffentlichkeit und Politik steht im Widerspruch zur realen strategischen Abhängigkeit moderner Gesellschaften vom All.
Thomas Spangenberg zeichnete ein klares Bild: Der Weltraum ist längst keine rein zivile Domäne mehr, sondern eine strategische Arena mit wachsender militärischer Relevanz. Satelliten sind kritische Infrastruktur, ihre Nutzung ist nahezu immer „dual-use“ – und damit inhärent sicherheitspolitisch. Gleichzeitig bleibt der Ordnungsrahmen fragmentarisch, während Bedrohungen zunehmen: Weltraumschrott durch ASAT-Tests, Cyberangriffe, gezielte Annäherungen an Satelliten sowie geopolitische Spannungen verdeutlichen, dass der Orbit zunehmend auch als Operationsraum begriffen werden muss.
Besonders deutlich wurde dabei Europas strukturelle Herausforderung. Verzögerungen bei Trägersystemen wie Ariane 6 und bestehende Abhängigkeiten von internationalen Partnern werfen die Frage nach strategischer Autonomie auf. Gleichzeitig unterstrich Oberst Spangenberg, dass Weltraumsicherheit nur im Zusammenspiel zahlreicher Akteure gewährleistet werden kann – von Bundeswehr, Ministerien und Nachrichtendiensten bis hin zu europäischen Institutionen und der Raumfahrtindustrie.
Ein weiterer zentraler Punkt war die Bedeutung internationaler Kooperation. Der Weltraum sei ein „Teamsport“, wie insbesondere die USA betonen. Formate wie die Combined Space Operations (CSpO) unterstreichen die Notwendigkeit gemeinsamer Lagebilder und abgestimmter Strategien.
Dabei gilt: Nur wer eigene Fähigkeiten einbringt, kann auch von Partnerschaften profitieren.
Gerade hierin liegt die eigentliche strategische Herausforderung für Europa: Es geht nicht nur um Zugang zum All, sondern um die Fähigkeit, eigene Interessen im Orbit zu schützen und durchzusetzen. Die Aufnahme des Weltraums in die Nationale Sicherheitsstrategie ist ein wichtiger Schritt – entscheidend wird jedoch sein, ob daraus auch konkrete Fähigkeiten und politischer Gestaltungswille erwachsen.
Der Vortrag machte deutlich: Europas Sicherheit entscheidet sich zunehmend auch im All. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dieser Realität steht jedoch vielerorts noch aus.
Die anschließende Möglichkeit zur Diskussion wurde von den knapp 100 Gästen aus allen Altersgruppen sehr rege wahrgenommen. Die Veranstaltung, wie auch die gesamte bisherige Reihenvorlesung zum Thema Weltraum, stieß auf großes Interesse und ist somit auch ein Beispiel für hervorzuhebende Kooperationen von Trägern sicherheitspolitischer Informationsarbeit.
Nachbericht: Benedikt Roelen, GSP Bonn