Sektion Bonn
Die Vereinigten Staaten zwischen Demokratie und Diktatur. Eine Bestandsaufnahme nach vierzehn Monaten Trumpismus an der Macht
Referent Dr. Thomas Zimmer © Roland Heckenlauer
Referent Dr. Thomas Zimmer im Gespräch mit SL Richard Rohde © Roland Heckenlauer
Einführung durch Sektionsleiter Richard Rohde © Roland Heckenlauer
Ein Blick in den Saal © Roland Heckenlauer
V.l.n.r. Andreas Preu (VHS Bonn), Referent Dr. Thomas Zimmer, Sektionsleiter Richard Rohde © Roland Heckenlauer
Nachbericht: USA am Scheideweg: Historiker warnt vor demokratischem Kipppunkt
Auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) hat der renommierte Historiker Dr. Thomas Zimmer in der Volkshochschule Bonn eine Analyse zur aktuellen politischen Lage in den USA vorgestellt. Rund 67 Gäste verfolgten den Vortrag am vergangenen Mittwoch vor Ort, etwa 53 weitere waren online zugeschaltet.
Unter dem Titel „Die USA zwischen Demokratie und Diktatur“ zog Zimmer eine Bilanz der Entwicklungen seit Januar 2025. Seiner Einschätzung nach sei es der Trump-Bewegung zunächst gelungen, politische und gesellschaftliche Widerstände rasch zu überwinden. „Die USA sind heute keine funktionierende rechtsstaatliche Demokratie mehr“, so Zimmer.
Gleichzeitig habe die Regierung ihre autoritären Strukturen bislang nicht vollständig festigen können. Das Land befinde sich in einem instabilen Zwischenzustand zwischen liberaler Demokratie und Autokratie. Seit Herbst 2025 nehme zudem der gesellschaftliche Widerstand spürbar zu, was die ursprüngliche Machtstrategie ins Stocken gebracht habe.
Innerhalb radikaler Teile der MAGA-Bewegung wachse derweil die Frustration. Diese Kräfte drängten laut Zimmer auf eine weitere Eskalation im Konflikt mit politischen Gegnern.
Vor diesem Hintergrund zeichnete der Historiker ein offenes Zukunftsbild: Die Spannweite möglicher Entwicklungen reiche von einer erneuten Demokratisierung bis hin zu einem vollständigen Zusammenbruch demokratischer Strukturen. Allerdings gab der Historiker zu bedenken, dass sich die amerikanische Demokratie – selbst im günstigsten Fall – schon jetzt nur langsam von der Ära Trump erholen werde. Angesichts der globalen Rolle und des Führungsanspruchs der USA sei dies besonders besorgniserregend. In der aktuellen Radikalisierung sieht er jedoch kein neues Phänomen, deren Ursachen reichten bis in die 1970er Jahre zurück. Doch heute, rund 250 Jahre nach der Unabhängigkeit stehe die US-Republik mit den jüngsten Entwicklungen nunmehr an einem historischen Wendepunkt.
Im Anschluss an den rund 40-minütigen Vortrag diskutierte Zimmer mit dem Publikum. Moderiert wurde die Veranstaltung von Richard Rohde, dem Vorsitzenden der GSP Bonn.
Text: Dr. Daniela Vogt, Sektion Bonn