Sektion Bonn
Emerging Technologies 2030+: Chancen, Risiken und Entwicklungslinien im Verteidigungssektor
Referent Sebastian Dittrich. © Dr. Christiane Heidbrink
Der Vortrag zeigte zentrale technologische Entwicklungslinien im Verteidigungssektor auf. © Dr. Christiane Heidbrink
© Dr. Christiane Heidbrink
Veranstaltungsbericht Emerging Technologies 2030+: Chancen, Risiken und Entwicklungslinien im Verteidigungssektor
Am Montag, den 9. März 2026, fand die Veranstaltung „Emerging Technologies 2030+: Chancen, Risiken und Entwicklungslinien im Verteidigungssektor“ statt. Die gemeinsam vom Regionalkreis WEST der Clausewitz-Gesellschaft, der Bonner Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. sowie dem Bonner Forum der Deutschen Atlantischen Gesellschaft organisierte Veranstaltung widmete sich der Frage, wie technologische Entwicklungen die sicherheitspolitische und militärische Handlungslogik in den kommenden Jahren verändern werden.
Nach der Begrüßung durch den Leiter des Regionalkreises WEST der Clausewitz-Gesellschaft, Oberst a.D. Michael Warter, führte der Referent Sebastian Dittrich, Major der Reserve, Dipl.-Ing. (FH), M.Sc., in das Thema ein. Zu Beginn erläuterte er das Konzept des Technology Readiness Level (TRL) als Instrument zur Einordnung technologischer Reifegrade und als Ausgangspunkt für die Bewertung zukünftiger militärischer Fähigkeiten. Darauf aufbauend gab der Vortrag einen technologiezentrierten Überblick über übergeordnete sicherheitspolitische Technologietrends mit einem Zeithorizont bis etwa 2030 und darüber hinaus.
Im Mittelpunkt standen mehrere strukturelle Entwicklungen, die bereits heute erkennbar sind und sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigen dürften. Dazu zählt insbesondere die zunehmende Dual-Use-Konvergenz, also die enge Verzahnung ziviler und militärischer Innovationsprozesse. Gleichzeitig schreitet die Automatisierung taktischer und operativer Wirkmittel voran, während leistungsfähige KI-Systeme zunehmend zur datengetriebenen Entscheidungsunterstützung in militärischen Führungsprozessen beitragen. Diese Entwicklungen gehen mit grundlegenden Veränderungen der sicherheitspolitischen Operationslogik einher und verschieben Konfliktdynamiken zunehmend auch in digitale Domänen.
Ein zentraler Teil des Vortrags widmete sich fünf Schlüsseltechnologien mit besonderer sicherheitspolitischer Relevanz: Next-Generation Artificial Intelligence, hypersonische Effektoren und Abwehrsysteme, Quantensensorik, Weltraumtechnologien – insbesondere im Bereich der Erdbeobachtung – sowie Drohnenschwärme. Der Referent zeigte auf, wie diese Technologien nicht nur neue militärische Fähigkeiten ermöglichen, sondern auch die Struktur militärischer Operationen verändern können.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die zunehmende Abhängigkeit moderner Streitkräfte von komplexen System-of-Systems neue Formen systemischer Verwundbarkeit schafft. Technologische Vernetzung, datenbasierte Entscheidungsprozesse und automatisierte Systeme erhöhen zwar Effizienz und Reaktionsgeschwindigkeit, eröffnen jedoch zugleich neue Angriffsflächen und Risiken.
Im anschließenden Austausch diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die sicherheitspolitischen, technologischen und strategischen Implikationen der vorgestellten Entwicklungen.Die Veranstaltung bot damit einen fundierten Überblick über zentrale technologische Entwicklungslinien im Verteidigungssektor und lieferte zugleich wichtige Impulse für die sicherheitspolitische Debatte über die Zukunft militärischer Fähigkeiten im Zeitraum bis 2035.
Text: Dr. Christiane Heidbrink, Sprecherin JGSP Sektion Bonn