Sektion Bonn
Bonner Republik - Wege der Demokratie
Villa Hammerschmidt © Richard Rohde
© Richard Rohde
Skulptur von Henry Moore © Richard Rohde
Deutscher Bundestag © Richard Rohde
Das Bundesbüdchen mit den Teilnehmern der Exkursion © Richard Rohde
Nachbericht zu Mit Adenauer, Bundesgiraffe & Co. durch Bonn
Ein heiter-informativer Rückblick auf die Stadtführung mit Florens Söhl
Wer glaubt, Bonn sei nur ein verschlafenes Nest am Rhein mit Altlasten aus der Adenauer-Zeit, wurde bei der Stadtführung mit Florens Söhl eines Besseren belehrt. Für die Gesellschaft für Sicherheitspolitik Sektion Bonn führte er durch das ehemalige Regierungsviertel der Bundesstadt mit Anekdoten, Politikgeschichte und Bonner Kuriositäten – gewürzt mit einem Schuss Ironie und Augenzwinkern.
Gleich zu Beginn begegnete uns der Parlamentarische Rat – zumindest in der Erzählung im Museum König, als Ort der Eröffnungsfeier des Rates zur Ausarbeitung einer provisorischen Verfassung. An seiner Seite: die legendäre Bundesgiraffe (wer sie kennt, weiß: das war kein Zoo-Tier) und natürlich Konrad Adenauer, der sich als „Diktator mit schwer demokratischem Einschlag“ beschrieben hat.
Weiter ging es zum Weißen Haus am Rhein, besser bekannt als Villa Hammerschmidt. Fast schon präsidial, aber eben Made in Bonn. Gleich daneben das Palais Schaumburg, in dem nicht nur Politik gemacht wurde, sondern auch so manche Anekdote ihren Ursprung fand. Vom neuen Hubschrauberlandeplatz bis zur Hallstein-Doktrin – es fehlte weder an Tiefe im Kanzlerpool (seit dem Palais Schaumbad genannt) noch an Leichtigkeit des modernen und bei Adenauer verhassten Vordaches des alten Bundeskanzleramts.
Beim neuen Kanzleramt durfte natürlich der legendäre Moment nicht fehlen, in dem Gerhard Schröder angeblich am Zaun rüttelte – ob aus Protest oder um reinzukommen, blieb offen. Die Guillaume-Affäre und der Deutsche Herbst brachten dann wieder etwas Ernst ins Spiel: Terror, Misstrauen, und der lange Schatten der RAF-Ära.
Ein kleiner Exkurs führte uns zu Bundesrat und Bundestag – mit einem Seitenblick auf die parlamentarischen Anfänge der Kaiserzeit und die Frage, welche Gliedstaaten damals eigentlich mitreden durften und wie sich diese historische Linie in der Länderkammer bis heute wiederfindet. Am historischen Bundestag hingegen wird sichtbar, wie aus einem Drei-Parteien-System der Nachkriegszeit ein sehr pluralistisches Mehrparteiensystem unserer heutigen Zeit wurde.
Ein absolutes Highlight für Nostalgiker: das Bundesbüdchen – politisches Fastfood mit Geschichte. Dort, wo früher Politiker Kaffee und Schlagzeilen konsumierten, kann man heute wieder anstoßen – auf die Bonner Republik und den Multilateralismus, direkt gegenüber dem Bonner Sitz der Vereinten Nationen.
Im Haus der Geschichte rollte schließlich der Kanzler-Waggon ins Gedächtnis: ein Dienstfahrzeug mit Stil, wie man es heute nur noch im Museum findet. Daneben wartet der legendäre Adenauer-Mercedes auf seine Ausfahrt.
Der krönende Abschluss: das Museum König – Startschuss der Schaffung unseres Grundgesetzes und Symbol dafür, dass auch ein Museum die Welt verändern kann.
Fazit: Unser JGSP-Mitglied Florens Söhl hat gezeigt, dass Bonn mehr ist als „die Stadt, wo mal was war“. Zwischen Adenauer und Anekdoten, zwischen Kanzleramt und Currywurst, wurde Geschichte lebendig – und dabei erstaunlich unterhaltsam.
Benedikt Roelen, MA
Mitglied der United Nations Society Regensburg e.V.
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.
Mitglied der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. - Sektion Bonn - Junge GSP Bonn