Sektion Bonn
Konfliktregion Indopazifik - Eine Projektionsfläche für den Anspruch auf Macht und Raum
Referent Oberstleutnant Sebastian van Breevoort © Richard Rohde
Oberst Michael Warter (Clausewitz-Gesellschaft RK West) und Oberstleutnant Sebastion van Breevoort (Referent) © Richard Rohde
Blick in den Saal © Richard Rohde
Nachbericht zur Veranstaltung “Konfliktregion Indopazifik - Eine Projektionsfläche für den Anspruch auf Macht und Raum”
Am 29. Juni widmete sich Oberstleutnant Sebastian van Breevoort vom Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung der Clausewitz-Gesellschaft mit der GSP Bonn und weiteren Partnern der Frage, aus welchen Gründen die Lage im Südchinesischen Meer für Deutschland relevant ist. Der Vortrag basiert auf einer wissenschaftlichen Studie und stellt die Schlussfolgerungen des Referenten dar.
Demnach wäre es ein Trugschluss anzunehmen, dass die weit entfernte Region für die wirtschaftlichen und politischen Interessen Deutschlands nur von untergeordneter Bedeutung ist. Tatsächlich habe sich das Südchinesische Meer zu einem herausragenden geopolitischen Brennpunkt entwickelt. Zunächst analysierte der Referent die komplexe Konfliktdynamik in der Region vor dem Hintergrund sich verschiebender globaler Machtverhältnisse. Er stellte anschließend die überregionale Relevanz der Konfliktregion dar: Das Südchinesische Meer sei in gewisser Weise die Herzkammer des Indopazifik. Dies sei nicht nur aufgrund der strategischen Handelsrouten und überaus reichen Ressourcenvorkommen von globaler Bedeutung, sondern auch aufgrund der in dieser Region agierenden Akteure. In den vergangenen Jahren habe die Rivalität zwischen der Volksrepublik China (CHN) und den USA kontinuierlich zugenommen.
Die Analyse verdeutliche, wie CHN durch die Schaffung künstlicher Inseln und den Ausbau militärischer Präsenz seine Ansprüche im Südchinesischen Meer durchzusetzen versucht. Auf der anderen Seite würden die USA versuchen, durch verstärkte militärische Präsenz und strategische Partnerschaften ein Gegengewicht zu schaffen.
Diplomatische Lösungsansätze würden aktuell keine nachhaltige Entspannung bewirken. Weder die vom Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) ausgehenden Initiativen noch internationale Schiedssprüche haätten dazu geführt, dass zentrale Streitpunkte beigelegt werden konnten. Im Fazit müsse festgestellt werden, dass das Konfliktpotenzial im Südchinesischen Meer ernsthafte geopolitische und wirtschaftliche Implikationen für die internationale Gemeinschaft, einschließlich Deutschlands, impliziere. Es gelte, trotz weiterer multipler, weltweiter Krisenherde, die fortschreitende Militarisierung der Region bzw. des Konflikts zu beenden und diplomatische Entschlossenheit als auch verstärkte regionale Zusammenarbeit unter Berücksichtigung des internationalen Rechts in den Mittelpunkt aller Bemühungen zu stellen.
Die nachfolgende Diskussion zeigte das sehr rege Interesse der ca. 90 Interessierten. Fragen zu weiteren Akteuren (Indien, Russland, Indonesien, Afrika, Japan und Australien), das historische Einordnen der Region bzw. der konfliktären Situation und möglichen Perspektiven bestimmten die Aussprache.
Die Veranstaltung entsprach in vollstem Umfang den Absichten der GSP, durch Informationen und Diskussionen sicherheitspolitische Bildungsarbeit anzubieten. Durch vielfältige Kooperationen in der Region Bonn wird zudem ein deutlich breiterer Bevölkerungskreis adressiert.
Interessierte können die bebilderte Studie hier nachlesen.
Text: Richard Rohde, GSP Sektion Bonn