Sektion Bonn

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Donnerstag, 21.11.2024 - 19:00

"Opportunismus oder Grand Strategy - Wo will Putin mit seiner Außenpolitik hin?"

Wie denkt Putin, was sind seine Ziele, wie definiert Russland seinen Platz im internationalen System, warum opponiert die Bevölkerung nicht intensiver, „was wäre eine Welt ohne Putin“ (Zitat Putin)?

Alexey Yusupov ist Politikwissenschaftler und betrachtet im Schwerpunkt Sicherheitspolitik und gesellschaftliche Krisenresilienz. Nach bisherigen Entsendungen als Büroleiter der Friedrich-Ebert- Stiftung in Kasachstan, Afghanistan und Myanmar ist er nunmehr der Leiter des Russland-Programm. Er ist ein ausgewiesener Experte und verfügt durch ein agiles Netzwerk und russische Sprachkenntnis über Insider-Kenntnisse der aktuellen Situation in Russland.
Vortrag (Präsenz) + Webinar
Referent: Alexey Yusupov , Leiter des Russlandprogramms und des Regionalbüros Osteuropa der Friedrich-Ebert-Stiftung
Ein bärtiger Mann im Sakko spricht in ein gelbes Mikrofon, stehend zwischen zwei Event-Bannern, eines für 'GSP' und eines für 'CAS'.

Alexey Yusupov, Leiter Russlandprogramm Friedrich-Ebert-Stiftung. © Daniel Sidiqie

Zwei Männer präsentieren einem Publikum bei einem sicherheitspolitischen Vortrag, mit GSP- und CASSIS-Bannern und einer großen Leinwand.

Auditorium im Moltke-Saal, BMVg Bonn. © Daniel Sidiqie

Sechs Personen, vier Männer und zwei Frauen, lächeln vor Veranstaltungsbannern, u.a. Reserve, Cassio, GSP, Uni Bonn.

V.l.n.r.: Fabian Frenger (CASSIS), Roland Heckenlauer (GF GSP Bonn), Alexey Yusupov (Referent), Richard Rohde (SL GSP Bonn), Claudia Klemm (Stv SL`in GSP Bonn), Julius Vellenzer (Verband der Reservisten der Bundeswehr). © Daniel Sidiqie

 

***Hier können Sie die Video-Aufnahme unserer spannenden und hochaktuellen Veranstaltung sehen***

 

 

Berichterstattung zur Veranstaltung „Opportunismus oder Grand Strategy - wo will Putin mit seiner Außenpolitik hin?“

Herr Alexey Yusupov, Leiter des Russland-Programm der Friedrich-Ebert-Stiftung, trug vor im Rahmen einer hybriden Präsenz- und Zoom-Veranstaltung in Kooperation mit dem Rotary Club Köln-Kastell, dem Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies der Universität Bonn (CASSIS) und dem Verband der Reservisten der Bundeswehr zum Thema „Opportunismus oder Grand Strategy - wo will Putin mit seiner Außenpolitik hin?“ (Details des Vortrages können der eingestellten Präsentation entnommen werden)

Der Vortragende leitete mit einem Überblick über die gegenseitigen Fehleinschätzungen der russischen Fähigkeiten und Absichten im Frühjahr 2022 ein. Er unterstrich den Stellenwert russischer Außenpolitik und fragte, ob Russland opportunistisch handele (also die Schwäche des Gegners nutze) oder aber einer „Grand Strategy“ folge (also übergeordnete Ziele, Pläne, Verhalten und langfristige Visionen habe). Dabei präsentierte er „vier Erzählungen“ über Russland, die die Situation aus unterschiedlichen Perspektiven im Spannungsfeld „Niedergang – Wiederaufstieg“ und „Taktik/Opportunismus – Kohärente Grand Strategy“ beschrieben. Im Folgenden untersuchte er Erklärungsmuster für diese Theorien, zu denen es allerdings keinen Fachkonsensus gebe. Zudem warf er einen Blick auf historische Meilensteine im Verhältnis Russlands zum Westen und die Schlüsse, die russische Politik hieraus gezogen habe.

Im Anschluss befasste er sich mit dem Leitmotiv russischer Politik: Verwundbarkeit. Russland wolle als Pol in einer multipolaren Welt nicht untergehen. Es sehe nur als Nuklearmacht seine volle Souveränität, betrachte die Spielregeln der internationalen Ordnung als destruktiv für seinen Status und betreibe eingedenk eigner Schwäche daher eine Revision des internationalen Systems durch eine zweigleisige Strategie der Nutzung alternativer Plattformen wie BRICS und der Destabilisierung der regelbasierten Ordnung. Herr Yusupov formulierte zugespitzt, dass Russland Zugeständnisse und Reputation erpresse und als strategisches Ziel verfolge, sein destruktives außenpolitisches Profil zu konvertieren in einen neuen „Deal“, der seiner Rolle in der Welt gerecht werde. Der Referent sah allerdings dabei in der russischen Entwicklung bedeutende Fehleinschätzungen, ein periodisches Scheitern der Außenpolitik und ein Auftreten massiver Gegenkräfte. Sein Fazit: Russland hat ausgereizt, was es mobilisieren konnte. Er erläuterte dieses an Zahlen aus der Demographie, der Wirtschaft und der Finanzen. Das Land befinde sich in der Stagnation und dem Niedergang, in der es in seinem Handeln pendele zwischen einer kohärenten Grand Strategy und taktischem Opportunismus.

In der anschließenden Diskussion wurden u.a. die Stellung und Zukunft Putins, sein Verhältnis zu den Oligarchen, die Unterstützung durch und die Zusammenarbeit mit China, der Ukraine-Krieg und die einhergehenden westlichen Sanktionen sowie Perspektiven für eine Beendigung des Konfliktes vertieft.

Herr Yusupov trug sehr kompetent und kenntnisreich vor. Seine Darstellung der sehr komplexen Situation in Russland heute und in der Vergangenheit war klar, umfassend und für das Publikum nachvollziehbar. Er setzte sich dabei auch kritisch mit westlicher Wahrnehmung Russlands auseinander. Er gab seine fundierte Einschätzung der zukünftigen Entwicklung ab, ohne in hypothetische Gedankenspiele zu verfallen. Die Offenheit, Klarheit und Direktheit des Vortrages wurden vom Publikum (erstmals auch Schüler eines Bonner Gymnasiums) dankend aufgenommen.

Diese Veranstaltung kann bei YouTube unter Gesellschaft für Sicherheitspolitik nachverfolgt werden.

Hier können Sie die Folien des Vortrages herunterladen. 

 

Text: Joachim Schulz, Pressebeauftragter GSP Bonn