Sektion Bonn
PD Dr. Nina Käshage - Digitalreihe Islamismus - „Islamismus in Schulen - Radikalisierung junger Menschen“
v.l.n.r. Richard Rohde, SL Bonn, Marvin Naeder, CASSIS, Bonn, PD Dr. Nina Käsehage, Prof. Dr. Christine Schirrmacher, Bonn © Marvin Naeder
Berichterstattung zur Veranstaltung „Islamismus in Schulen – Radikalisierung junger Menschen“
Frau PD Dr. Nina Käsehage, Historikerin und Religionswissenschaftlerin Katholische Theologie, Religionstheologie und Religionswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt/Main, trug im Rahmen einer ZOOM-Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, dem Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies und dem Institut für Orient- und Asienwissenschaften (beide Universität Bonn) zu „Islamismus in Schulen – Radikalisierung junger Menschen“ vor.
Der Vortrag bildete den dritten Teil der Veranstaltungsreihe „Dimensionen des Islamismus in Gesellschaft und Staat“: Diese möchte an fünf Abenden beleuchten, auf welche Weise islamistische Kräfte in Staat und Gesellschaft wirksam sind und wie Gegenstrategien und Lösungswege aussehen könnten.
Die Begrüßung, thematische Einführung und Moderation erfolgte in bewährter Manier durch Frau Prof. Dr. Christine Schirrmacher, Institut für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn.
Frau Dr. Käsehage nahm ihre qualitative Längsschnittsstudie „The Young Sahaba“ zur Kinder- und Jugendradikalisierung im deutschen jihadistischen Milieu mit Bezug zum Islamischen Staat zum Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen. Sie beleuchtete zunächst allgemein das familiäre Umfeld, also die Elternsituation, sodann die Vermittlung radikalen Gedankengutes durch Dritte, z.B. Freunde oder das Internet, sowie letztlich die schulische Situation im Herkunftsland und im Islamischen Staat. Zielsetzung sei immer die Kindererziehung in einer „idealen“ religiösen Umgebung, das Kollektiv an die Stelle des Individuums zu setzen und eine ideologische statt biologischer Familie zu schaffen – somit Geist und Körper in Einklang mit jihadistischen Zielen zu bringen. Dieses umfasse neben der religiösen Sozialisation auch den Einsatz von Vorbildern und militärischer Ausbildung. Den Mechanismus dieser Kinder- und Jugendradikalisierung stellte sie anhand eines Sechsstufen-Modelles dar. Schließlich illustrierte die Referentin anhand konkreter Zitate ihre bisherigen Ausführungen. Im Weiteren wandte sich Dr. Käsehage den Herausforderungen in der Schule zu: Reintegration von rückkehrenden Kindern und Jugendlichen, Situation der Lehrkräfte (Sachkenntnis, mögliche Präventionsarbeit) und Auswirkungen auf andere Minderjährige (Gewaltpotential, Geschlechter- und Religionsverständnis). Es folgten Ausführungen zur rechtlichen Lage, insbesondere zur gerichtlichen Situation in Deutschland, der Berücksichtigung internationaler Menschenrechtskonventionen und der staatlichen Umsetzung anerkannter Rechtsstandards. Hierauf folgten Überlegungen zu konkreten Maßnahmen wie Entwicklung von Reintegrationskonzepten, Verlängerung bestehender Kinder- und Jugendpräventionsprogrammen und Ausbau von Weiterbildungsangeboten für Lehrkräfte. Den Abschluss Vortrages bildeten ihre Empfehlungen z.B. zur Verstärkung der Fürsorge, zur Verbesserung der Rechtsgrundlagen und Stützung bildungsferner Familien bzw. Training direkt Betroffener (Minderjährige – Eltern/Großeltern). Aber auch Weiterbildungsprogramme beteiligter Arbeitsbereiche (Jugendamt bis Polizei) Ausbau von Forschungsvorhaben und langfristige Förderung von Präventionsprojekten wurden von ihr vorgeschlagen.
Die anschließende Diskussion vertiefte das Thema und beleuchtete noch weitere Aspekte.
Frau Dr. Käsehage stellte ein in der Öffentlichkeit wenig betrachtetes, aber sehr komplexes Problem der Kinder- und Jugendradikalisierung im jihadistischen Milieu
sachlich, verständlich und fundiert dar. Die Illustration mit konkreten Beispielen rückkehrender junger Menschen gab ein anschauliches Bild der Thematik.
Auch der dritte Teil der digitalen Vorlesungen zu „Dimensionen des Islamismus in Gesellschaft und Staat“ reihte sich in die gelungenen bisherigen Veranstaltungen ein. Es folgen noch zwei Vorträge, auf die man sehr gespannt sein darf.
Diese Veranstaltung kann bei YouTube unter Gesellschaft für Sicherheitspolitik nachverfolgt werden.
Text: Joachim Schulz, Pressebeauftragter GSP Bonn