Sektion Bonn

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Donnerstag, 15.05.2025 - 19:00

PD Evelyn Bokler-Völkel - Digitalreihe Islamismus - „Islamismus als politische Ideologie“

Webinar

Foto © Marvin Naeder


Foto © Marvin Naeder

 

Gemeinsame digitale Vorlesungsreihe von KAS, CASSIS und IOA (beide Universität Bonn), FNS und GSP

 

Berichterstattung zur Veranstaltung „Islamismus als politische Ideologie“ 

Frau PD Dr. Evelyn Bokler-Völkel, Associate Fellow CASSIS, trug im Rahmen einer ZOOM-Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, dem Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) und dem Institut für Orient- und Asienwissenschaften (beide Universität Bonn) zu „Islamismus als politische Ideologie“ vor. 

Der Vortrag bildete den Auftakt zu der Veranstaltungsreihe „Dimensionen des Islamismus in Gesellschaft und Staat“: Diese möchte an fünf Abenden beleuchten, auf welche Weise islamistische Kräfte in Staat und Gesellschaft wirksam sind und wie Gegenstrategien und Lösungswege aussehen könnten. 

Als Moderatorin führte Frau Prof. Dr. Christine Schirrmacher, Institut für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn, durch den Abend, der durch ein Grußwort von Herr Christoph de Vries, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, eingeleitet wurde. 

Frau Dr. Bokler-Völkel beschrieb als Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen den Islamismus als das Streben nach Umgestaltung der Gesellschaft, Kultur, Staat und/oder Politik anhand von Werten und Normen, die als islamistisch angesehen werden und die die freiheitlich-demokratische Grundordnung bedrohten oder bekämpften. Islamismus könne dir Anwendung von Terror sowohl rechtfertigen als auch ablehnen. Letztlich ginge es um die Frage, ob die Umsetzung dieses politischen Islams in eine offene oder aber geschlossene, antipluralistische Gesellschaft führe, die dem höheren Ziel der Umsetzung der „Gottesordnung“ diene, an deren Ende die Autokratie stünde. 

In ihren weiteren Ausführungen ging die Referentin auf die Entstehungsgeschichte des Islamismus von der Gründung der Muslimbrüderschaft bis zum sogenannten „Islamischen Staat“ sowie die gewaltsamen (dschihadistischen) und gewaltfreien (legalistischen) Formen ein. In der Gesellschaft führe einerseits Angst vor Stigmatisierung von Muslimen zu einer Unterschätzung bzw. Vermeidungshaltung. Andererseits werde alles, was mit dem Islam zusammenhänge, als Bedrohung aufgefasst. Ihre These: neben einer Überschätzung und Unterschätzung kämpfen wir vor allem mit einer Fehleinschätzung des Islamismus mangels Expertise. Aber auch mit dem Wissen über die verschiedenen Formen des politischen Extremismus (Rechts, Links, Islamismus) und deren Interagieren sei es nicht weit her. 

Im Anschluss folgte ein Exkurs zum feministischen Islamismus als unbekannter Bedrohung. Neben der Frage der Rolle der Frau als „verhülltem Opfer“ und „female empowerment“ dank revolutionärer Elemente im Koran bzw. im Frühislam ging es auch um unser Verständnis von verschiedenen Lebensentwürfen der Frauen im Islam. 

Frau Dr. Bokler-Völkel fasste zusammen, dass der Islamismus die Demokratie nutze, um sie abzuschaffen mit dem Ziel einer geschlossenen Gesellschaft. Die normative Grundausrichtung münde in einer anderen Staatsvorstellung. Die offene Gesellschaft hingegen sei religions- und weltanschauungsneutral und erlaube verschiedene Entwürfe innerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Sie mahnte eine sachliche und sachgerechte Diskussion an, die eine Aufgabe für Alle sei. Hier fehlten aber noch sehr viel Wissen und Sachverstand. 

Der Vortrag von Frau Dr. Bokler-Völkel überzeugte durch Klarheit, Kompetenz und Offenheit. Ihre Ausführungen waren sehr differenziert und hoben sich wohltuend von einem gesellschaftlichen Diskurs ab, der häufig durch mangelndes Wissen und Vorurteile geprägt ist und damit letztlich unserer offenen freiheitlich-demokratischen 

Grundordnung schadet. Frau Dr. Bokler-Völkel hielt nicht mit ihrer Meinung hinter den Berg und ermunterte die Zuhörer, auch klare Bekenntnisse und unbequeme Ansichten – so sie denn fundiert seien – zu äußern, um eine Auseinandersetzung mit dem Islamismus als politischer Ideologie erfolgreich führen zu können. 

Es war eine gelungene Veranstaltung zu einem politisch sensiblen Thema – einfach Klasse! Man darf gespannt sein auf die noch folgenden vier Vorträge, die Teilaspekte abdecken. 

Diese Veranstaltung kann bei YouTube unter Gesellschaft für Sicherheitspolitik nachverfolgt werden. Link

Text: Joachim Schulz, Pressebeauftragter GSP Bonn