Sektion Bonn

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Donnerstag, 10.07.2025 - 19:00

Priv.-Doz. Mag. Dr. Dr. habil. Hüseyin I. Çiçek - Digitalreihe Islamismus - Islamismus in der europäischen Dimension / ausländische Einflussnahme

Webinar

 

Berichterstattung zur Veranstaltung „Islamismus in der europäischen Dimension & ausländische Einflußnahme“ 

PD Mag. Dr. habil. Hüseyin I. Çiçek, Senior Research Fellow am Institut für Religionswissenschaft der Universität Wien, Gastprofessor an der Fakultät für Psychologie der Sigmund Freud PrivatUniversität, assoziiert mit dem Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) sowie der Academy for International Affairs in Bonn, trug im Rahmen einer ZOOM-Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, CASSIS und dem Institut für Orient- und Asienwissenschaften (beide Universität Bonn) zu „Islamismus in der europäischen Dimension & ausländische Einflußnahme“ vor. 

Der Vortrag bildete den Abschluß der Veranstaltungsreihe „Dimensionen des Islamismus in Gesellschaft und Staat“. Diese beleuchtete an fünf Abenden, auf welche Weise islamistische Kräfte in Staat und Gesellschaft wirksam sind und wie Gegenstrategien und Lösungswege aussehen könnten. 

Als Moderatorin führte Frau Prof. Dr. Christine Schirrmacher, Institut für Orient- und Asienwissenschaften der Universität Bonn, durch den Abend. 

Der Vortragende betonte zu Beginn, dass er sich auf die Türkei konzentriere, da er hierzu eigene Forschung betrieben habe. Die grundsätzlichen Aussagen gelten aber auch für andere Länder und islamistische Gruppen. 

Seine erste These: islamistische Gruppen nutzten zivilgesellschaftliche Strukturen, um liberal-freiheitliche Demokratien mit autoritären Ideologien zu unterwandern. Sie nähmen Freiheiten in Anspruch, die sie bekämpfen wollten. Die Türkei als autoritäres Staatsmodell unter Präsident Erdogan spiele dabei eine zentrale Rolle mit einer religiös-nationalistischen Außenpolitik und gezielter Diaspora-Mobilisierung. Social Media Plattformen dienten als Resonanzräume für antisemitische und antiwestliche Narrative, die durch regierungsnahe und staatliche Handelnde verbreitet würden. Islamistische Organisationen wirkten als geopolitische Akteure autoritärer Staaten. Es gehe aber nicht nur um Ideologisierung, sondern auch um Desinformation. 

Eine weitere These: in der Türkei werde eine antiisraelische und antisemitische Rhetorik (Negierung Holocaust, Gleichsetzung Israel mit Nazi-Deutschland etc.) betrieben, mit dem Ziel Israel und die Juden als Feindbilder des Islam darzustellen. Dabei würden antisemitische Aussagen oft kodiert über Begriffe wie „Kindermörder“ oder „Genozid“ eingebettet in eine islamisch aufgeladene Opferrolle Palästinas. Regierungsnahe Medien sowie Social Media verbreiteten NS-Vergleiche, dämonisierende Symbolik und antiwestliche Weltbilder. Widerstand gegen den Westen werde legitimiert. Zielgruppe seien speziell junge muslimisch sozialisierte Menschen, um eine eigene Identität in der Diaspora zu schaffen. Die transnationalen propagandistischen Inhalte erschienen daher mehrsprachig 

In einem langfristigen Orientierungsrahmen solle der Westen delegitimiert werden und die eigene Position überhöht werden. Dabei werde z.B. auf das Osmanische Reich, religiöse Mythen und die Rolle von Märtyrern als Vorbildern Bezug genommen. Radikale Positionen würden normalisiert. 

Die Inhalte islamistischer Plattformen (antiwestlich, antisemitisch, autoritär) seien in der Regel juristisch schwer angreifbar. Sie würden zudem teilweise auch von rechten Gruppen vertretene Inhalte widerspiegeln. Freiheitlich-liberale Gesellschaften und Demokratien mit kurzen politischen Zeithorizonten stünden hier gegen eine langfristig angelegte Kampagne zu Delegitimierung westlicher Werte und Normen. 

Es war eine gelungene Veranstaltung zu einem politisch sensiblen Thema – gerade auch, weil es mit der Türkei eine westliche Partnernation in der NATO betraf. 

 

Text: Joachim Schulz, Pressebeauftragter GSP Bonn 


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