Bundesebene

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Donnerstag, 25.06.2026 - 17:00

11. Sicherheitsdialog der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V.

Vortrag und Diskussion

Einladung zum
11. Sicherheitsdialog
der Gesellschaft für Sicherheitspolitik am 25. Juni 2026 in Erfurt

Veranstalter: Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. (GSP)

Die Schirmherrschaft hat der Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, Mario Voigt, übernommen.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Landeskommando Thüringen der Bundeswehr statt.

Veranstaltungsort: 
Victor’s Residenz-Hotel Erfurt, Häßlerstraße 17, 99096 Erfurt, Raum Piemont-Toskana

Ablauf 25. Juni 2026: 
17:00 Uhr Begrüßung durch Dr. Hans-Peter Bartels (Präsident der GSP), Grußworte

Anschließend Panel 1 und 2 inkl. Pause

Panel 1: Gesamtverteidigung und hybride Bedrohung
Leitung: General a.D. Eberhard Zorn, Vizepräsident der GSP

  • Georg Maier, Minister für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung des Freistaats Thüringen
  • Generalleutnant Alexander Sollfrank, Befehlshaber des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr
  • Generalmajor Jochen Deuer, Kommandeur des Logistikkommandos der Bundeswehr
  • Staatssekretär a.D. Christian Seel, Leiter der Stabsstelle Strategische Resilienz und Gesamtverteidigung,Staatskanzlei des Saarlandes


Input: Die Sichtweise der Jungen GSP (JGSP) zur Gesamtverteidigung


Panel 2: Weltraum – Krieg der Zukunft?
Leitung: PD Dr. Antje Nötzold, Senior Researcher am SACS, Universität der Bundeswehr München; Privatdozentin an der TU Chemnitz; 
                                                             Vizepräsidentin der GSP

  • Generalmajor Michael Traut, Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr
  • Dr. Enrico Fels, Geschäftsführer des Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS), Universität Bonn
  • Dr. Regina Peldszus, Specialist for Space Security, European External Action Service (EEAS)

20:45 Uhr  Empfang mit Imbiss und Getränken

Ort: Hotel Victors Residenz - Raum Piemont-Toskana - Häßlerstraße 17 , 99096 Erfurt
Organisator: Herr Dr. Hans-Peter Bartels , Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. geschaeftsstelle@gsp-sipo.de

Der Präsident der GSP, Hans-Peter Bartels, bei der Begrüßung und Einführung in den Sicherheitsdialog.


Panel 1 (v. l.): Brigadegeneral Martin Stolte, stellvertretender Kommandeur des Logistikkommandos; Generalleutnant Alexander Sollfrank, Befehlshaber des Operativen Führungskommandos; General a. D. Eberhard Zorn; Georg Maier, Minister für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung des Freistaats Thüringen; StS. a. D. Christian Seel, Leiter der Stabsstelle Strategische Resilienz und Gesamtverteidigung, Staatskanzlei des Saarlandes.


Junge GSP (v. l.): Charlotte Rickert, Leutnant zur See Ronin Zerulla und Robin Klein.



Zur Gesamtverteidigung gehört auch der Weltraum - 11. Sicherheitsdialog in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt

10.07.2026 Peter E. Uhde

Die Informations- und Diskussionsangebote „Gesamtverteidigung und hybride Bedrohungen“ sowie „Weltraum – Krieg der Zukunft“ standen im Mittelpunkt. Erstmalig hat ein Ministerpräsident, Mario Voigt, die Schirmherrschaft über diese jährlich im Vorfeld der Bundesversammlung stattfindende Veranstaltung übernommen. Der Dialog ist eine öffentliche sicherheitspolitische Veranstaltung.  Das Landeskommando Thüringen unterstützt die Veranstaltung als Kooperationspartner.  Für die aktuelle Thematik konnte General a. D. und Vizepräsident der GSP, Eberhard Zorn, zwei personell qualifiziert besetzte Panels gewinnen. Dazwischen tragen drei Mitglieder der Jungen GSP ihre Sichtweise zur Gesamtverteidigung vor. 

„Sicherheitspolitik ist das überragende Thema unserer Zeit und der Kern der Verteidigungsbereitschaft“, sagte GSP-Präsident Hans-Peter Bartels in seiner Begrüßung der über 200 Teilnehmenden. Im fünften Jahr der Zeitenwende ist noch einiges offen, doch wir können davon ausgehen, dass die Wiederherstellung der Wehrhaftigkeit auf einem guten Weg ist. Die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz, die Bundeswehr solle die stärkste konventionelle NATO-Armee Europas werden, stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Bartels blickt zurück auf die Zeit unter Bundeskanzler Willy Brandt (1969–1974), als dem Bundestag mit dem Weißbuch 1971 eine geopolitische Sicherheitsanalyse zugeleitet wurde. Viele Dinge sind jetzt wieder aktuell geworden, beispielsweise die Novellierung der zahlreichen Vorsorge- und Sicherstellungsgesetze. 

Stephan König, Amtschef der Thüringer Staatskanzlei, Staatssekretär für Medien und Europa sowie Bevollmächtigter des Freistaates Thüringen beim Bund, überbrachte die Grußworte von Ministerpräsident Mario Vogt. Er betont, dass die Sicherheitspolitik nicht wenigen spezialisierten Institutionen überlassen werden kann. Sie betreffe gleichermaßen Staat, Wissenschaft, Kommunen und die Gesellschaft. Durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine ist militärische Gewalt als Mittel der Politik nach Europa zurückgekehrt. König geht auf das Landeskommando ein und erklärt, dass sich die Kontakte zwischen der Landesverwaltung und der Bundeswehr in letzter Zeit zu sehr guten Arbeitsbeziehungen entwickelt haben. 

Der Kommandeur des Landeskommandos, Oberst Klaus Glaab, erinnert an die Gedenkstätten der Gewalt und Unfreiheit in der Umgebung, die die Abgründe aufzeigen, wenn Frieden und Freiheit nicht mehr gewährleistet sind. Gerade deshalb ist es wertvoll, wenn die GSP hier vor Ort den Dialog für Frieden und Freiheit führt. Er dankt den Zuhörern aus der zivilen Verteidigungsfamilie und schließt mit einem Appell: „Gemeinsam können wir es schaffen, in der zivilen wie in der militärischen Verteidigung.“ 

Mit einer Einführung in die Gesamtthematik des 11. Sicherheitsdialogs durch Eberhard Zorn s. Foto, Panel 1) beginnt Innenminister Georg Maier mit seinen Ausführungen. Sicherheit zählt zu seinen zentralen Aufgaben. Natürlich beschäftigen ihn auch noch andere Themen, wobei er die kommunale Landesentwicklung nennt. Aus seiner Sicht befinden wir uns mitten in einer hybriden Auseinandersetzung. In Finnland hat er sich das Konzept der Gesamtverteidigung vorstellen lassen. Deutschland ist da noch nicht so weit. 

Alexander Sollfrank geht auf das nationale Risiko- und Krisenmanagement ein, Stichwort „Operationsplan Deutschland”. Dem Befehlshaber unterstehen auch die Spezialkräfte, beispielsweise für Evakuierungsaufgaben. Ausführungen über die internationale NATO-Übungstätigkeit bis hin zu den Vorbereitungen einer eventuellen Hormus-Aktion zur Minenräumung ergänzen sein Statement.

Christian Seel befasst sich in seinen Ausführungen wieder mehr mit der nationalen Krisen- und Katastrophenvorsorge. Der Föderalismus, das heißt die Zuständigkeit der 16 Länder, ist hierbei nicht immer hilfreich. Inzwischen hat sich beim Innenministerium jedoch ein anderes Verantwortungsbewusstsein entwickelt.

Martin Stolte kann sich bei seinen Ausführungen auf die Operationsplanungen von Alexander Sollfrank stützen. Ohne Logistik läuft nichts. Auf die Drehscheibe Deutschland kommen hohe Anforderungen zu. Vorräte müssen gelagert und bei Bedarf schnell bewegt werden können. Zivile Leistungserbringer müssen unterstützen. Was nicht geübt wird, funktioniert im Ernstfall nicht. Logistik ist ein komplexes Unternehmen. Von Erfurt aus wird die militärische Logistik gesteuert.

Wie sehen junge GSP-Mitglieder die sicherheitspolitische Lage Deutschlands und was denken sie über Gesamtverteidigung? Hier ist jetzt nicht Raum für ihre Ausführungen. Diese können in der Dokumentation des Sicherheitsdialoges nachgelesen werden.

Während sich das Panel 1 in seinen Ausführungen noch auf dem Boden bewegte, ging es nun in den Weltraum. Antje Nötzold, die Moderatorin, holte die Zuhörerinnen und Zuhörer gleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Der Weltraum ist ein essenzieller Teil der Gesamtverteidigung, denn er ist die Infrastruktur unserer Infrastrukturen. Das All ist das Rückgrat moderner Wirtschaft und moderner Gesellschaften und damit ins Fadenkreuz der Sicherheitspolitik geraten.

Mit seinem Überblick über die fünfte Sphäre, die in der deutschen Politik lange vernachlässigt wurde, will Enrico Fels von der „Weltraum-Blindheit“ wegführen. Die Allgemeinverfügbarkeit von Weltraumtechnologie ist weitgehend unbekannt. Deutschland ist jedoch gerade dabei, das zu ändern. Seit 2023 gibt es die Weltraumstrategie der Bundesregierung, sie ist das Grundlagendokument der Raumfahrtpolitik. Im Laufe seiner Ausführungen wird die tägliche Abhängigkeit, sei es beim Bankautomaten oder beim Navigationsgerät, überdeutlich. Ohne Starlink, das satellitenbasierte Internetnetzwerk von SpaceX, wäre die Ukraine in einer deutlich schlechteren Position. Der Weltraum ist wichtig für Resilienz, Sicherheit, Verteidigung, Telekommunikation, Energieversorgung, Transport, Logistik und vieles mehr. Die nationale Abhängigkeit müsse verringert werden, so Fels.

Seit Juli 2021 hat die Bundeswehr ein Weltraumkommando unter der Leitung von Michael Traut. Mit einer realistischen Lageschilderung, was über unseren Köpfen abgeht, öffnet der Redner manchem Zuhörer sicher die Augen, wenn er sagt: „Wir werden jeden Tag angegriffen.“ Russland erklärte im letzten Jahr, dass es jedes Weltraumsystem, das zur Unterstützung der Ukraine eingesetzt wird, als legitimes Ziel für elektronische Störungen betrachtet. Der Blick auf die Fähigkeiten Chinas im Orbit lässt Laien staunen. Insgesamt befinden sich etwa 15.000 aktive Satelliten im All, und pro Woche kommen 20 bis 50 hinzu. Traut bewertet die Weltraum-Sicherheitsstrategie der Regierung und die für die nächsten fünf Jahre vorgesehenen 35 Milliarden Euro für dieses Politikfeld positiv. „Wir müssen über offensive Weltraumoperationen nachdenken”, sagte Boris Pistorius. Diese Aussage wurde gut aufgenommen.

Regina Peldszus erläuterte dem Publikum die Rolle der Europäischen Union, besonders des Auswärtigen Dienstes, im Weltraum. Hier machen sich oft die nationalen Interessen der Mitgliedstaaten bemerkbar, die nicht zum Ganzen beitragen. Seit der russischen Aggression im Jahr 2022 scheint den Mitgliedstaaten aber eine verstärkte Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung in der Weltraumthematik wichtig zu sein. 

Nach einer regen Diskussion mit den Referenten und zahlreichen Fragen aus dem Zuhörerkreis endete der 11. Sicherheitsdialog. Geplant ist eine Dokumentation, die voraussichtlich im August zur Verfügung stehen wird. Ihr Erscheinen wird auf der Homepage bekannt gegeben.
 

 

 


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