Sektion Delmenhorst

Sektion Delmenhorst

Mittwoch, 20.08.2025 - 18:30

Bodengebundene Luftverteidigung vor dem Hintergrund der ukrainischen Abwehranstrengungen

Referent: Wolfgang Rasquin , Oberst a.D.

Oberst a.D. Wolfgang Rasquin (Jahrgang 1958) war Berufsoffizier im Flugabwehrraketendienst der Luftwaffe. Nach der Ausbildung zum Offizier studierte er Elektrotechnik auf Diplom und wurde in verschiedenen Einheiten und Verbänden der Luftwaffe eingesetzt.

Verwendungen u.a. über den Führungsstab der Luftwaffe das FlaRak-Ausbildungszentrum führten ihn zum stellvertretenden Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1 in Husum, aus welchen heraus er 2020 in den Ruhestand versetzt wurde.

Ort: "Oase Haus Adelheide" (Soldatenheim), (vor Delmetal-Kaserne), - Abernettistraße 43 , 27755 Delmenhorst
Organisator: Oberstlt a.D. Rolf-Dieter Wienand , Sektionsleiter
Mann spricht mit Mikrofon bei GSP-Veranstaltung, mit „Sektion Delmenhorst“ auf Leinwand und Bannern.

Der Referent am Mikro

Teilnehmer einer Versammlung oder Konferenz, an Tischen mit Getränken sitzend, verfolgen eine Präsentation über soziale Medien.

Blick in den vollbesetzten Saal

Vier Männer, darunter ein älterer Herr mit Rollator, posieren vor einem Banner und einer Leinwand.

(v.l.n.r.) Die Herren Lamping (VdRBw), Wienand (Sektionsleiter), Rasquin (Referent) und Ernst (MdB).

Eigenbericht zum Vortrag von Oberst a.D. Wolfgang Rasquin zum Thema:

 „Die bodengebundene Luftverteidigung Gestern – Heute - Morgen“ am 20.08.2025 in Delmenhorst

Nach über fünfmonatiger Pause wegen eines Betreiberwechsels im Haus „Adelheide“ kam die Sektion mit neuem Schwung aus der Sommerpause. Unerwartete 85 Zuhörer folgten gebannt über 90 Minuten einem Vortrag, der an Aktualität nicht zu wünschen übrigließ.

Mit Oberst a.D. Wolfgang Rasquin hatte die Sektion einen profunden Kenner der bodengebundenen Luftverteidigung für einen „Parforceritt“ durch Geschichte, Gegenwart und (vermutliche) Zukunft der bodengebunden Luftverteidigung gewinnen können.

Der studierte Elektrotechniker hatte in der Luftwaffe und im BMVg verschiedene Verwendungen bis zum Stellvertretenden Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1 durchlaufen und darunter auch als Staffelchef in Delmenhorst gedient. Wohl auch aus diesem Grunde füllte eine nicht geringe Zahl ehemaliger FlaRak-Soldaten den Saal.

Beginnend mit der geschichtlichen Entwicklung der Flugabwehr, scheute sich Raquin nicht, die unangenehme aber auch nicht abzustreitende  Wahrheit auszusprechen, dass die Luftverteidigung nach 1990 beträchtlich an Fähigkeiten eingebüßt hätte. Von 28.000 Soldaten in Heer und Luftwaffe seien nur 2.400 in der Luftwaffe übriggeblieben, die Heeresflugabwehr als Truppengattung wurde gänzlich abgeschafft. 

Der Referent widmete er sich im Hauptteil des Vortrags dem Flugabwehrraketensystem PATRIOT. Obwohl schon 1982 in den USA und 1989 in Deutschland eingeführt, wurde das System ständig weiterentwickelt und hat seine Wirksamkeit mehrfach unter Beweis gestellt - so im 1. und 2. Golfkrieg, in der Türkei in den Jahren 2013 bis 2015 und kürzlich in den NATO -Einsätzen in der Slowakei und Polen. Obwohl ein ursprünglich US-System erhielt das System eine Vielzahl deutscher Beistellkomponenten, wie z.B. Fahrgestell, Stromversorgung, Funk und Klima. Eine Weiterentwicklung des Systems bis 2040 sei vorstellbar.

Der Oberst zeigte sich besonders stolz, dass er das deutsche Einsatzkontingent Kahramanmaraş als Kontingentführer führen durfte, in welchem über den Eisatzzeitraum hinweg eine Einsatzbereitschaft von 99,9 % gewährleistet werden konnte. Die deutschen Soldaten zeichnete dabei hohe Professionalität und uneingeschränkte Einsatzbereitschaft aus. Dabei verhehlte er aber auch nicht, dass die Zusammenarbeit mit der Host Nation nicht immer einfach gewesen sei. Und letztendlich wäre der Erfolg ohne die strategischen Aufklärungsfähigkeiten der USA nicht möglich gewesen.

Auf die Zukunft bezogen, sah der Referent Licht am Ende des Tunnels. Die angekündigte Einführung der Systeme IRIS-T SLM und IRIS-T SLX der Firma Diehl sowie des israelisch-amerikanischen Systems ARROW 3 zeigen, dass die weiterhin vorhandene Bedeutung der Luftabwehr nun auch finanziell und technisch unterlegt wird. Die weitaus größte Herausforderung sieht der Referent allerdings in der Bereitstellung des benötigten Personals.

Auch die Heeresflugabwehr wird wiederbelebt und mit den Systemen Skyranger 30 und einem noch zu entwickelnden Flugabwehrraketenpanzer ausgestattet. 

Fazit: Es wird besser, braucht aber (viel) Zeit.

 

Harald Mauritz