Sektion Delmenhorst
Die Friedensbotschaft von Fiquelmont – eine Zeitreise zum Beginn der Einigung der Europäer nach der Katastrophe des 1. Weltkriegs
Der lothringische Bauer Ferand Boulanger findet 1981 nahe der Schlachtfelder von Verdun auf dem Dachboden seines Hofs in Fiquelmont ein altes Schnapsfläschchen mit einer berührenden Friedensbotschaft von sechs deutschen Soldaten, datiert am 17. Juli 1916.
Die kommenden Generationen werden darin zum Frieden aufgerufen, der nur durch ein geeintes Europa entstehen könne.
Wir wissen, dass Europa heute alles andere als geeint ist.
Zudem wird wahrheitswidrig erzählt, die Europäische Union sei nur deshalb gegründet worden, um den USA massiv zu schaden: die Botschaft ist daher aktueller denn je.
Sie ist die Grundlage der in deutsch - französischer Zusammenarbeit entstandenen multimedialen Dokumentation von DOKULIVE und dem Centre europe´en Robert Schumann.
Eigenbericht zur Multimedia-Präsentation von Ingo Espenschied:
„Die Friedensbotschaft von Fiquelmont“
am 11.02.2026 in Delmenhorst
Der Publizist und Autor Ingo Espenschied war nunmehr schon zum dritten Mal zu Gast bei der Sektion Delmenhorst und fand einen mit 48 Teilnehmern gut gefüllten Saal im Haus Adelheide vor. Die Qualität der Veranstaltung hätte eine größere Teilnehmerzahl verdient. Aber die Tatsache, dass sich nach dem einstündigen Vortrag noch eine weitere Stunde der Debatte anschloss, zeigt eindrucksvoll, dass Espenschied mit seiner Präsentation den Nerv der Zuhörer und auch Zuschauer getroffen hatte.
Ausgangspunkt der Veranstaltung war der Fund einer Flaschenpost auf einem Bauernhof in der Nähe von Verdun im Jahre 1981. Diese war 61 Jahre zuvor von sechs deutschen Soldaten dort hinterlassen worden. Sie enthielt eine Friedensbotschaft, die mit der Idee schloss, dass „Utopie und mögliches Eden ein geeintes Europa“ sei.
Espenschied begab sich daraufhin mit den Gästen auf eine Zeitreise nach den möglichen Ursachen des „großen Kriegs“, wie er von Franzosen und Briten genannt wird. Er hob darauf ab, dass sich mit der Gründung des deutschen Kaiserreichs nach dem deutsch-französischen Krieg 1871 eine starke Mittelmacht herausgebildet hatte, die den etablierten Mächten zumindest ebenbürtig war und somit als potentielle Bedrohung empfunden wurde. Reichskanzler Bismarck sah die Gefahr eines Zwei-Fronten-Kriegs, da sich Deutschland und sein Verbündeter Österreich/ Ungarn von der Koalition England/ Frankreich/ Russland eingekreist sahen. Der Anschlag auf den österreichischen Thronfolger in Sarajevo führte zur Kriegserklärung an Serbien, dessen Schutzmacht Russland daraufhin die (Teil)-Mobilmachung einleitete. Deutschlands Bündnistreue zu Österreich/Ungarn führte zur deutschen Kriegserklärung an Russland. Um nicht gegen ein völlig kriegstüchtiges Russland einen Krieg austragen zu müssen und um einen Kampf an zwei Fronten zu vermeiden, begann das deutsche Reich Anfang August 1914 einen vermeintlichen Blitzkrieg gegen Frankreich, welcher allerdings schon früh in einen Stellungskrieg überging. Der Aufmarsch über das neutrale Belgien führte schon früh zum Kriegseintritt Englands.
Soweit zum Anlass der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, die ihre Ursachen jedoch in den nationalistischen und Großmachtbestrebungen der Nationalstaaten hatte. Diese kosteten 17 Millionen Menschen das Leben, zerstörte ganze Landstriche und hinterließ viele ungelöste Probleme, die zu weiteren, noch viel schrecklicheren Auseinandersetzungen führten. Was scheinbar die Staatenlenker der Welt noch nicht erkannt hatten, haben die einfachen deutschen Soldaten schon am 17. Juli 1916 klar formuliert (siehe oben).
Nach Ende des Krieges bemühte man sich um die Einführung von Konfliktlösungsmechanismen, aber diese waren nicht erfolgreich genug. Es bedurfte erst eines weiten schrecklichen Krieges und der Überwindung des Ost-West-Konflikts, ehe sich - gegen viele Widerstände der Nationalstaaten und über Zwischenschritte – die Europäische Union herausbilden konnte. Auch wenn diese, wie wir heute wissen, nicht Kriege in Europa verhindern konnte, so hat sie verhindert, dass die 27 Mitgliedsstaaten sich untereinander militärisch bekämpften.
Im Anschluss wurde intensiv debattiert. Fragen zur deutschen Kriegsschuld, der Realität einer deutschen Bedrohung und dem Verhältnis Deutschlands zu Frankreich wurden lebhaft diskutiert. Auch wenn der letzte Zweifler nicht überzeugt werden konnte, zeigte die Auswertung der Evaluierungsbögen, dass es eine sehr wertvolle Veranstaltung war.
Harald Mauritz