Sektion Delmenhorst
Pulverfass Naher Osten
Kinan Jaeger (* 1966 in Damaskus, Syrien) ist ein deutscher Politologe, Geograph und Publizist.
Nach seinem Abitur 1985 studierte Jaeger 1986 bis 1991 Geographie sowie Politik- und Islamwissenschaft an den Universitäten in Bonn, Brisbane, Toronto und Kapstadt. Anschließend erfolgte 1992 bis 1994 im Rahmen eines Graduiertenstipendiums der Friedrich-Naumann-Stiftung bei den Politologen Manfred Funke und Hans-Adolf Jacobsen seine Promotion.
Seit 1996 unterrichtet Jaeger im Rahmen eines Lehrauftrags am universitären Bonner Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie zu Fragen des Nahostkonflikts und der internationalen Sicherheitspolitik. Zwischen 1999 und 2000 fungierte er zudem als Dozent am Berliner Otto-Suhr-Institut. Regelmäßig tritt er des Weiteren im Rundfunk und Fernsehen als Experte auf und verfasst unter anderem Analysen für den von Rolf Clement herausgegebenen Mittler-Brief und die Zeitschrift Europäische Sicherheit und Technik sowie das von der Bundeszentrale für politische Bildung verlegte Heft Aus Politik und Zeitgeschichte.
Zu den fachlichen Forschungsschwerpunkten Jaegers zählen vor allem Themen rund um die Politik und Kultur Syriens, des Libanon, des Iran, Israels und Palästinas. Weiterhin beschäftigt er sich mit der Entwicklung des Islam in Deutschland, sowie Aspekten des Parlamentarismus, der Demokratieforschung und der deutschen Außenpolitik. (Quelle: Wikipedia, download am 19.09.2025)
Donnermoor 48, 27777 Ganderkesee 04222 / 950221
Eigenbericht zum Vortrag von Dr. Kinan Jaeger zum Thema:
„Pulverfass Naher Osten“
am 28.01.2026 in Delmenhorst
Der Publizist und Autor fand einen mit 58 Teilnehmern gut gefüllten Saal im Haus Adelheide vor. Als Lehrbeauftragter an der Uni Bonn zeigte sich nicht nur tagesaktuell informiert, sondern auch mit der Historie des Nahen Ostens bestens vertraut. Bereits im Titel des Vortrags war angekündigt worden, dass ein wahres Potpourri mit vielen Problemen, Akteuren, deren Interessen gegensätzlicher kaum sein können, und relativ wenig tragfähigen Lösungsmöglichkeiten beleuchtet werden sollte.
In einem einststündigen Vortragsteil stellte der Referent die Krisen in Gaza, Syrien und im Iran in den Mittelpunkt der Betrachtung. Insbesondere die aktuellen Vorgänge im Iran mussten aufgrund der rudimentär aus dem Land dringenden Informationen mit Zurückhaltung in Bezug auf die künftigen Entwicklungen betrachtet werden. Für die Zuhörer nachvollziehbar wurden die Ziele der USA in der Region dargestellt (Kontrolle der Ölquellen, Anregung eines Regimechange im Iran, massive Unterstützung enger Partner wie Israel, Ermöglichung eigener Waffenexporte, sowie Eindämmung des Einflusses von Russland und China).
Mit Blick auf China und dessen gewaltiges Potenzial konnte er herausarbeiten, dass die Volksrepublik mit fast allen Ressourcen sehr gut ausgestattet wäre, aber etwas sehr wichtiges fehlen würde – Öl. Die Abhängigkeit Chinas von diesem Rohstoff – ein Teil wird derzeit zu Dumpingpreisen in Russland erworben – zwänge das Land dazu, sich im Nahen Osten moderat zu geben, um sich den Zugang zum arabischen Öl nicht zu verbauen.
Wären in Vorträgen vergangener Jahre auch Russland Aktivitäten einer intensiven Betrachtung wert gewesen, so kann derzeit festgehalten werden, dass dessen Einfluss weiter zurückgegangen ist.
Selbstverständlich kann es in dieser Zeit keinen Vortrag geben, der den amerikanischen Präsidenten und dessen sprunghaften Verhalten nicht erwähnt. Aus aktuellem Anlass streifte Jaeger deshalb auch die Situation in Venezuela und stellte die aus seiner Sicht bestimmenden Gründe für das Eingreifen der USA dar (Beweis für die Fähigkeit, jederzeit und überall eingreifen zu können, Verteidigung des Supermachtstatus, Sicherung des Einflusses auf weitere, nahe gelegene Ölförderregionen).
Genauso interessant wie der Vortrag gestaltete sich die anschließende, mehr als einstündige Diskussion. Ein gut vorbereitetes Publikum stellte eine Vielzahl von Fragen, u.a. zum Friedensprozess in Gaza, der Einschätzung zum Vorgehen Israels in Gaza, der Belastbarkeit des Verhältnisses Deutschland - Israel und den Perspektiven eine künftig engeren deutsch – iranischen Zusammenarbeit – sofern dort politische Reformen erkennbar werden.
Dr. Jaeger machte deutlich, dass es keine einfachen, manchmal noch nicht einmal sichtbare Lösungsmöglichkeiten gibt. Einen Schlüssel für eine friedlichere Zukunft sieht er aber in der Schaffung von Arbeitsplätzen und Investitionen in Bildung. Relativ sicher war er sich in der Bewertung, dass es zu keiner Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten kommen wird.
Harald Mauritz