Sektion Wilhelmshaven/Friesland

Sektion Wilhelmshaven/Friesland

Dienstag, 17.02.2026 - 19:00

Georgien nach 1991 – Sicherheitspolitische Perspektiven einst und jetzt

Georgien hat in u. a. ethnischer, räumlicher und politischer Hinsicht eine überaus wechselvolle Geschichte. Seine kulturelle und wirtschaftliche Blüte fand in der Zeit als Königreich im Mittelalter statt. Jedoch war das Land ständig ethnischen Spannungen und den Einflüssen benachbarter Mächte ausgesetzt und daher Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. So geriet es in der frühen Neuzeit unter persische und osmanische Herrschaft, wurde später Teil des russischen Reichs, behauptete sich von 1918 bis 1921 als Demokratische Republik Georgien und war von 1921 bis 1991 Georgische Sozialistische Sowjetrepublik. Seit 09. April 1991 ist Georgien eine unabhängige, parlamentarische Republik.
Seine Identität bezieht das georgische Volk vor allem aus seiner Kultur. Georgien konvertierte in 337 als einer der ersten Staaten der Welt zum Christentum. Georgier haben eine eigene Sprache mit einem eigenen Alphabet, das seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. belegt, vermutlich aber älter ist. Immer wieder in der Geschichte des Landes waren die Georgier um ihre nationale Identität und Unabhängigkeit bemüht, zum Teil auf friedliche Art und Weise, mitunter aber auch in gewalttätigen Auseinandersetzungen. Im 20. Jahrhundert war es zuletzt brutales militärisches Eingreifen Moskaus, das die georgische Politik radikalisierte und in 1989 viele Georgier, auch Kommunisten, zu der Überzeugung gelangen ließ, dass die staatliche Unabhängigkeit einer Fortsetzung der sowjetischen Herrschaft vorzuziehen sei.
Anfang der 90er Jahre war Georgien zunächst durch die Aktivitäten des ersten Präsidenten Gamsachurdia und gewalttätige ethnische Konflikte in Abchasien und Südossetien geprägt. Die dann folgende Ära Schewardnadse erbrachte eine moderne westliche Verfassung für das Land, eine strategische Partnerschaft mit der NATO, die Aufnahme in den Europarat und die Erklärung, sowohl der NATO als auch der Europäischen Union beitreten zu wollen. Die USA wurden zum stärksten Geberland Georgiens für wirtschaftliche und militärische Hilfen. Das führte zu Spannungen mit Russland, das Georgien – bis heute – als sein Einflussgebiet betrachtet. Währenddessen bildete sich um Präsident Schewardnadse eine mafiöse Clanstruktur; die Korruption blühte auf.
Im November 2003 kam es nach fragwürdigen Parlamentswahlen zur „samtenen Revolution“ in Georgien, was zu einer Neuwahl am 4. Januar 2004 führte, die Micheil Saakaschwili die mit einem Erdrutschsieg von 96 % der Stimmen gewann. Unter Saakaschwili wurden Korruption und Kriminalität energisch verfolgt; die Privatisierung des staatlichen Sektors wurde vorangetrieben. Jedoch blieb der Frieden in den sezessionistischen Gebieten Abchasien und Südossetien, von russischen und UN-Friedenstruppen kontrolliert, zerbrechlich.
Am 5. Januar 2008 erfolgte in Georgien ein Referendum, in dem die Georgier mit 72,5 % den NATO-Beitritt des Landes befürworteten. Auf dem NATO-Gipfel in Bukarest am 03. April 2008 fassten die Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten den verhängnisvollen Beschluss – auf den in den Folgejahren immer wieder rekurriert wurde –, dass sowohl Georgien als auch die Ukraine Mitglieder der nordatlantischen Allianz werden würden. Treiber der kategorischen Aussage zur NATO-Mitgliedschaft von Ukraine und Georgien war der US-Präsident. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy verhinderten die Umsetzung dieses Beschlusses, indem für Georgien ein Beginn des konkreten Beitrittsprozesses von einem Ende der territorialen Spannungen um Südossetien und Abchasien abhängig gemacht wurde.
Im August 2008 kam es zum Kaukasuskrieg, der durch Georgien angestoßen wurde. Nach mehreren Scharmützeln begann die georgische Armee, ihre militärischen Möglichkeiten überschätzend, einen Angriff auf Südossetien. Russische Truppen machten dem Versuch, Südossetien wieder uneingeschränkt dem georgischen Staat einzugliedern, innerhalb von fünf Tagen ein umfassendes Ende. Zehn Jahre nach dem erfolglosen Angriff georgischer Truppen auf Südossetien forderten USA und Kanada am 8. August 2018 den Rückzug der russischen Truppen aus Abchasien und Südossetien.
Nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine reichte Georgien am 3. März 2022 ein Beitrittsgesuch für die Europäische Union ein. Dann aber erfolgte ein deutlicher politischer Richtungswechsel. Die in 2012 vom schwerreichen Bidsina Iwanischwili, der sein Vermögen einst in Moskau gemacht hatte, gegründete und seither kontinuierlich den Premierminister stellende Regierungspartei „Georgischer Traum“ suchte in 2023 ein Gesetz zur Einführung eines Registers für „ausländische Agenten“ durchzusetzen, was schließlich mit Überstimmung des Vetos der Präsidentin Surabischwili im Juni 2024 auch gelang. Im Oktober 2024 gewann der „Georgische Traum“ erneut die Parlamentswahlen, jedoch unter Vorwürfen von Wahlfälschungen. Als dann Premier Kobachidse – ein in Düsseldorf promovierter, Deutsch sprechender Jurist – wenige Wochen später ankündigte, die in der georgischen Verfassung verankerte EU-Annäherung und die begonnenen Beitrittsgespräche auszusetzen, kam es binnen kürzester Zeit zu Massenprotesten; es gab Festnahmen, Gewalt, Verletzte – und jede Menge Wut.
Über den „Georgischen Traum“, so Kritiker, übe Moskau nun auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit Kontrolle über Tiflis aus. Die Partei werbe in Georgien mit der Angst vor Krieg mit Russland. Sie behauptet, eine nicht näher definierte „globale Kriegspartei“ wolle Georgien als zweite Front in den Ukraine-Krieg hineinziehen.
Mittlerweile erscheint es vorstellbar, dass sich Georgien, das den Status eines EU-Beitrittskandidaten hat und dessen EU-Beitritt laut Umfragen 80 Prozent der Georgier wünschen, zu einem autoritären Staat entwickeln könnte. Ist Georgien als mögliches Mitglied der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft, der NATO und der EU verloren?
Vortrag und Diskussion
Porträtfoto eines Mannes mittleren Alters mit kurzen grauen Haaren, Anzug und Krawatte vor weißem Hintergrund.
Referent: Oberst a. D. Dipl.-Ing. Norbert Heß , von 2020 bis 2024 Leiter der Kerngruppe für das Substanzielle NATO-Georgien-Paket (SNGP) in Tiflis, Georgien

Zum Referenten: Norbert Heß wurde am 09. Juni 1959 in Warnemünde, Rostock, geboren. In 1978 trat er in die Nationale Volksarmee der damaligen DDR ein und wurde bis 1983 in der Sowjetunion als Offizier und Strahlflugzeugführer ausgebildet. Anschließend flog er für knapp vier Jahre im Jagdgeschwader 9, Peenemünde. Von 1987 bis 1990 wurde er an der Moskauer Militärakademie ausgebildet. In 1990 und 1991 diente er wiederum im Jagdgeschwader 9 (MiG-21/MiG 23), nun als Staffelchef, seit dem 03. Oktober 1990 als Angehöriger der Luftwaffe der Bundeswehr (SaZ 2). Zum 01. September 1991 wurde er als Berufsoffizier in die Bundeswehr übernommen und zunächst in 1992 bis 1993 im Jagdbombergeschwader 49, Fürstenfeldbruck, auf dem Waffensystem Alpha Jet als Flugzeugführer eingesetzt. In 1993 wechselt Norbert Heß in das Jagdgeschwader 71 „Richthofen “, Wittmund, wo er bis 1999 auf der F-4F PHANTOM eingesetzt wurde. Anschließend diente er für zwei Jahre als Dezernent beim General Flugsicherheit der Bundeswehr in Köln. In den Jahren 2001 und 2002 nahm er am Internationalen Generalstabslehrgang am „Baltic Defense College“ in Estland teil, gefolgt von einer dreijährigen Verwendung als Dezernent beim „Headquarters Allied Air Command“ in Ramstein. Von 2005 bis 2008 diente er als Flugsicherheitsstabsoffizier im Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz im Bereich Wehrtechnischer Flugbetrieb. Im Mai 2008 absolvierte er seinen letzten Flug – auf der PHANTOM bei der Wehrtechnischen Dienstelle 61 in Manching. Es folgte eine Verwendung als Referent im Bundesministerium der Verteidigung, Bonn. In den Jahren 2012 bis 2015 diente der damalige Oberstleutnant Heß als Referent im Kommando Luftwaffe in Gatow, Berlin. Die Jahre 2016 bis 2019 sahen den dann zum Oberst beförderten Norbert Heß als Verteidigungsattaché an der Deutschen Botschaft in Kiew, Ukraine. Seine letzte Verwendung war die des Leiters der Kerngruppe für das „Substantial NATO-Georgia Package“ („SNGP Core Team Leader“) in Tiflis, Georgien. Zum 01. Oktober 2024 wurde Oberst Heß in den Ruhestand versetzt.

Seit 01.10.2025 ist Oberst a. D. Heß Sektionsleiter der GSP-Sektion Ostfriesland, Wittmund

Oberst a. D. Heß ist verheiratet und wohnt mit seiner Frau in Wittmund.

 

Ort: Gorch-Fock-Haus - „Johann Kinau Saal“ - Viktoriastr. 15 , 26382 Wilhelmshaven
Organisator: Kapitän zur See a.D. Berend Burwitz , Sektionsleiter Wilhelmshaven/Friesland, Berend.Burwitz@gsp-sipo.de
0171 4727 146


Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Mitglieder und Freunde der Sektion,

als in 2026 erste Veranstaltung bietet die Sektion Wilhelmshaven/Friesland einen Vortrag zum Kernthema „Sicherheitsstrukturen“ mit dem Fokus auf Georgien und die mögliche Einbindung des Landes in NATO und EU. Es handelt sich wie immer um eine Präsenzveranstaltung.

Das „Substantielle NATO-Georgien-Paket“ (SNGP) wurde 2014 auf dem NATO-Gipfel in Wales auf den Weg gebracht, um zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Georgiens beizutragen und das Land an NATO-Standards heranzuführen. Ein wichtiger Teil dieses Pakets ist das „NATO-Georgien-Trainings- und Evaluierungszentrum“ in der Nähe von Tiflis, das in 2015 eröffnet wurde. Mit Oberst a. D. Norbert Heß als vormaligem Leiter der SNGP-Kerngruppe in Tiflis konnte ein ausgewiesener Kenner Georgiens und seiner sicherheitspolitischen Perspektiven – einst und jetzt – gewonnen werden. Die Sektion Wilhelmshaven/Friesland würde sich freuen, Sie als Teilnehmer bzw. Teilnehmerin an dieser Veranstaltung begrüßen zu dürfen. Bitte weisen Sie auch Freunde und Bekannte auf diesen Termin hin und empfehlen ihnen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Die Anmeldung kann über diese Internetseite der GSP erfolgen (https://www.gsp-sipo.de/organisation/landesbereich-ii/wilhelmshaven). Bitte klicken Sie auf das unten befindliche Feld „Anmeldung“. Beachten Sie bitte, dass Sie nach der Anmeldung die Anmeldung zusätzlich bestätigen müssen; mit diesem Verfahren sollen vorsätzliche Falschanmeldungen unterbunden werden.

Die Sektion nimmt Ihre Anmeldung auch per E-Mail an Berend.Burwitz@gsp-sipo.de oder per SMS, WhatsApp oder telefonisch (0171-4727146) an den Sektionsleiter entgegen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Anmeldungen, die auf diesen Wegen erfolgen, grundsätzlich nicht quittiert werden können. Wegen der erforderlichen organisatorischen Vorbereitung im Gorch-Fock-Haus wird um Anmeldung bis zum Samstag, 14. Februar 2026, einschließlich gebeten.

Mit freundlichem Gruß

Berend Burwitz
Sektionsleiter

Die Veranstaltung wird fotografisch begleitet. Die Teilnehmenden erklären ihr Einverständnis, dass die GSP vor, während oder nach der Veranstaltung entstandenes Fotomaterial für Zwecke der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nutzt.

 


zur Sektion