Sektion Wilhelmshaven/Friesland

Sektion Wilhelmshaven/Friesland

Mittwoch, 16.09.2026 - 19:00

Maritime Infrastrukturen – Möglichkeiten und Grenzen des Schutzes

Dass maritime Infrastrukturen bedroht sein können, weiß jeder, der sich jemals intensiv mit Unterwasserseekrieg beschäftigt hat. Die meist unsichtbaren maritimen Lebensadern moderner Volkswirtschaften sind Spionage, Sabotage und Angriffen ausgesetzt. Spätestens seit dem erfolgreichen Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines im September 2022 weiß das jeder Bürger. Mittlerweile werden Unterseekabel durchtrennt oder schwer beschädigt, indem Schiffe ihren Anker über den Meeresboden ziehen. Pipelines und Kommunikationskabel werden durch staatliche Kräfte aufgeklärt und ihre Zerstörung bzw. Beschädigung zumindest vorgeplant. Die britische Regierung erklärte im Frühjahr 2026, dass ihre Streitkräfte russische U-Boote von möglichen Angriffen auf Unterseekabel und Pipelines abgehalten hätten.
Die Sicherheit und die Resilienz maritimer Infrastrukturen, insbesondere kritischer Infrastrukturen (KRITIS) auf See und am Meeresboden, sind für die Wirtschaft und das Funktionieren eines modernen Staates geradezu essenziell. Besonders Unterseekabel tragen den Großteil des globalen Datenverkehrs und sind damit längst strategische kritische Infrastruktur. Informationstechnologie-Unternehmen, Großkonzerne, Fernseh- und Radiounternehmen, Rechenzentren sowie Privatpersonen, sie alle benötigen den Verkehr von Daten über Unterseekabel. Wie im Straßen-, Zug- oder Schiffsverkehr gibt es zudem auch im Datenverbund Kreuzungen, sogenannte Engpässe, an denen die digitalen Arterien der modernen Weltwirtschaft aufeinandertreffen. Hier sind Wirtschafts- und Finanzsysteme sowie Staats- und Regierungsfunktionen besonders angreifbar.
Mehr und mehr macht sich in der Welt das Bewusstsein breit, dass maritime Infrastrukturen überwacht, gesichert, geschützt und ggf. schnell wieder funktionsfähig gemacht werden müssen. Die damit verbundenen Herausforderungen sind organisatorischer und rechtlicher, vor allem aber auch technologischer Natur. Gegenwärtig fehlt es nicht nur an Kompetenzregelungen (effiziente Zuweisung von Zuständigkeiten und Fähigkeiten), sondern an Umsetzung und zeitnahem, flächendeckendem Einsatz innovativer Technologie. Während es Konsens zu sein scheint, dass der Schutz maritimer Infrastrukturen angesichts heutiger hybrider Bedrohungen organisatorisch nur durch staatenübergreifende, intensivierte zivil-militärische Zusammenarbeit in Frieden, Krise und Krieg gewährleistet werden kann, bedürfen Erkundung, Überwachung und Absicherung maritimer Räume sowie kritischer Infrastrukturen unter Wasser der Forschung, der Entwicklung und besonders dringlich der Marktverfügbarkeit von technischen Systemen. Die damit verbundenen Herausforderungen sind interdisziplinär und lassen sich nur in strategischer Kooperation von Forschung und Industrie lösen. Bei der Erlangung von Resilienz muss es zudem nicht nur darum gehen, Störungen und Ausfälle zu verhindern, sondern zunehmend darum, Störungen zu überstehen, den Betrieb aufrechtzuerhalten oder nach einem Ausfall möglichst schnell wieder einen funktionsfähigen Zustand zu erreichen.
Im Vortrag soll ausgeführt werden, was maritime Infrastruktur einschließlich militärischer maritimer Infrastrukturen umfasst und wie welche maritime Infrastrukturen bzw. deren Funktionalitäten geschützt werden können. Die Frage der Kompetenzregelungen soll dabei nicht ausgeklammert werden, steht aber nicht im Vordergrund.
Das Thema ist sensibel. Der Vortragsinhalt wird nicht klassifiziert sein, d. h., er darf keine Verschlusssachen umfassen.
Vortrag und Diskussion

Referent: Prof. Dr.-Ing. Frank Sill Torres , Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Institut für den Schutz maritimer Infrastrukturen, Bremerhaven

Zum Referenten: Frank Sill Torres studierte von 1997 bis 2002 Elektrotechnik an der Universität Rostock und schloss sein Studium mit dem akademischen Grad Diplom-Ingenieur ab. Im Dezember 2007 promovierte Frank Sill Torres an der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik der Universität Rostock zum Dr.-Ing. 

Nach der Promotion wechselte Dr. Sill Torres nach Brasilien an die Bundesuniversität von Minas Gerais in Belo Horizonte. Er arbeitete dort bis 2010 am „Laboratory for Optronics and Microtechnologies“ im Bereich Mikroelektronik. Zwischenzeitlich wirkte Dr. Sill Torres als „Senior Engineer“ bei der brasilianischen Stiftung für die Entwicklung der Forschung auf dem Campus der Bundesuniversität von Minas Gerais.

2010 wurde Dr. Sill Torres zum Professor im Bereich „Embedded Systems / Electronic Engineering“ an der Bundesuniversität von Minas Gerais berufen. Diese Professur hatte er bis 2018 inne. Während dieser Zeit, in 2017, arbeitete Prof. Dr. Sill Torres in der „Group for Computer Architecture“ des Instituts für Informatik der Universität Bremen. Zudem war er von 2014 bis 2020 assoziierter Forscher des Nationalen Rats für Wissenschaftliche und Technologische Entwicklung, dem brasilianischen Forschungsrat.

Von 2018 bis Juni 2019 arbeitete Dr. Sill Torres als „Senior Researcher“ am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen. 2019 wechselte er zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nach Bremerhaven. Dort wurde er Leiter der Abteilung „Resilienz maritimer sozio-technischer Systeme“ am Institut für den Schutz maritimer Infrastrukturen. Ab 2021 übernahm Dr. Sill Torres zusätzlich die kommissarische Leitung des Instituts. In 2023 habilitierte Dr. Sill Torres an der Universität Bremen im Fach Informatik.

Seit 01. April 2026 ist Dr.-Ing. habil. Sill Torres Direktor des DLR-Instituts für den Schutz maritimer Infrastrukturen. Seit demselben Datum ist er auch Professor für Resilienz maritimer Systeme im Fachbereich Mathematik und Informatik an der Universität Bremen.

Prof. Dr. Sill Torres hat umfangreich wissenschaftlich publiziert. Er ist Mitautor von Fachbüchern. Prof. Dr. Sill Torres war bzw. ist in verschiedenen internationalen wissenschaftlichen Gremien und Konferenzorganisationen aktiv.

Neben seiner Muttersprache Deutsch beherrscht Prof. Dr. Sill Torres das Englische und das Portugiesische. Im Russischen verfügt er über Grundkenntnisse.

Ort: Gorch-Fock-Haus - „Johann Kinau Saal“ - Viktoriastr. 15 , 26382 Wilhelmshaven

Die Veranstaltung findet im „Johann Kinau Saal“ statt. Der Zugang zum Haupteingang des Gorch-Fock-Hauses erfolgt von der Viktoriastraße und der Virchowstraße aus. Parkplätze des Gorch-Fock-Hauses befinden sich auf dessen Gelände an der Ostseite der Virchowstraße sowie hinter einer beschrankten Zufahrt an der Südseite der Bremer Straße (Code für die Ausfahrt im Gorch-Fock-Haus erhältlich). Öffentliche Parkmöglichkeiten befinden sich in den umliegenden Straßen.

Der Veranstaltungsort kann auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Das Gorch-Fock-Haus ist nur ca. zwölf Gehminuten vom Bahnhof Wilhelmshaven entfernt gelegen. Am Bahnhof Wilhelmshaven befindet sich auch der Zentrale Omnibusbahnhof, der z. B. mit den Buslinien 121, 219 oder 251 erreicht werden kann. Die Buslinie 111 wiederum führt zur Haltestelle Bülowstraße, die nur sieben Gehminuten vom Gorch-Fock-Haus entfernt ist.

Organisator: Herr Kapitän zur See a. D. Berend Burwitz , Sektionsleiter Wilhelmshaven/Friesland Berend.Burwitz@gsp-sipo.de
0171-4727146


Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Mitglieder und Freunde der Sektion,

als in 2026 sechste Veranstaltung bietet die Sektion Wilhelmshaven/Friesland einen Vortrag zum Kernthema „Konzepte und Globale Entwicklungen“ mit dem Fokus auf maritime Infrastrukturen und neuen Technologien zu deren Schutz. Es handelt sich wie immer um eine Präsenzveranstaltung.

Mit Prof. Dr. Frank Sill Torres konnte ein überaus versierter Wissenschaftler mit außerordentlich hohem Renommee als Vortragender gewonnen werden. Prof. Dr. Sill Torres verbindet jahrelange internationale Erfahrung mit herausragender technischer Expertise. Die Sektion Wilhelmshaven/Friesland würde sich freuen, Sie als Teilnehmer bzw. Teilnehmerin an dieser Veranstaltung begrüßen zu dürfen. Bitte weisen Sie auch Freunde und Bekannte auf diesen Termin hin und empfehlen ihnen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Die Anmeldung kann über diese Internetseite der GSP erfolgen (https://www.gsp-sipo.de/organisation/landesbereich-ii/wilhelmshaven). Bitte klicken Sie auf das unten befindliche Feld „Anmeldung“. Beachten Sie, dass Sie nach erfolgter Anmeldung eine E-Mail mit der Bitte um Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten. Diese Bestätigung muss innerhalb einer Stunde erfolgen; ansonsten müsste die Anmeldung verfallen. Mit diesem Verfahren sollen vorsätzliche Falschanmeldungen unterbunden werden.

Die Sektion nimmt Ihre Anmeldung auch per E-Mail an Berend.Burwitz@gsp-sipo.de oder per SMS, WhatsApp oder telefonisch (0171-4727146) an den Sektionsleiter entgegen. Bitte haben Sie Verständnis, dass Anmeldungen, die auf diesen Wegen erfolgen, grundsätzlich nicht quittiert werden können. Wegen der erforderlichen organisatorischen Vorbereitung im Gorch-Fock-Haus wird um Anmeldung bis zum Montag, 13. September 2026, einschließlich gebeten.

Mit freundlichem Gruß

Berend Burwitz
Sektionsleiter
 

Hinweise zum Datenschutz: Die aktuellen Fassungen von Datenschutz-Grundverordnung der EU (DSGVO) und Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) werden mit der Datenschutzerklärung der GSP umgesetzt. Die Datenschutzschutzerklärung der GSP finden Sie unter https://www.gsp-sipo.de/service/datenschutzerklaerung.

Bei der Anmeldung wird um Übermittlung mindestens folgender Daten gebeten: Name, Vorname und eine E-Mailadresse. Zusätzlich bittet die Sektion um Nennung der beruflichen Tätigkeit. Die Daten werden in einer lokalen Datenbank der Sektion 220 gespeichert und zur Organisation der Veranstaltung genutzt. Im Weiteren werden die Daten (Name, Vorname, E-Mailadresse) genutzt, um zukünftige Veranstaltungshinweise und -einladungen der GSP zu versenden. Nichtmitglieder der GSP haben die Möglichkeit, der Nutzung Ihrer Daten zu diesen Zwecken jederzeit schriftlich oder mündlich zu widersprechen. In diesem Fall wird die Zusendung weiterer Informationen nach Abschluss der Veranstaltung, für die Sie sich angemeldet haben, beendet und alle Ihre Daten auf der Datenbank der Sektion 220 gelöscht.

Die Veranstaltung wird fotografisch begleitet. Mit der Anmeldung erklären die Teilnehmenden ihr Einverständnis, dass die GSP vor, während oder nach der Veranstaltung entstandenes Fotomaterial für Zwecke der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nutzt.