Sektion Köln/Rhein-Erft-Kreis/Euskirchen

Sektion Köln/Rhein-Erft-Kreis/Euskirchen

Donnerstag, 16.04.2026 - 19:15

Der Iran-Krieg, seine regionalen und internationalen Dimensionen und Perspektiven: Wohin entwickelt sich der Konflikt?

Präsenzveranstaltung der GSP-Sektion Köln/Rhein-Erft-Kreis/Euskirchen in Kooperation mit dem KFIBS e.V.

US-Präsident Donald J. Trump hat seine zweite Amtszeit (2025-2029) eigentlich mit dem Versprechen angetreten, keine neuen Kriege zu beginnen. Doch in letzter Zeit scheint dieses Wahlversprechen nicht mehr länger gültig zu sein. Der Glaube an das „Recht des Stärkeren“ (eigentlich das „Unrecht des Stärkeren“) und ein ungezügeltes Machtstreben im Weißen Haus – nach öffentlich erklärten Besitzansprüchen auf Grönland und seit Neuestem auch auf Kuba sowie nach dem US-Angriff auf Venezuela und der damit einhergehenden Gefangennahme von Präsident Maduro – haben offenkundig dazu geführt, ein neues Denken an den Tag zu legen. Fakt ist: Der zwischenzeitlich ausgebrochene Iran-Krieg hat die ohnehin schon sehr angespannte Lage im Nahen und Mittleren Osten noch weiter verschlechtert – ein Flächenbrand droht. Israels Regierung hofft auf einen Regimewechsel in Teheran und beteiligt sich daher auch aktiv an der Seite der USA an entsprechenden Militärschlägen gegen die Islamische Republik Iran, die von gezielten Tötungen der Mitglieder der iranischen Führungsspitze begleitet werden. Das Regime in Teheran weiß um seine existenzielle Bedrohung und geht deshalb auch aufs Ganze. Die Gefahr einer völligen Blockade der Straße von Hormus durch das Mullah-Regime könnte zu einem massiven Problem für Staaten mit Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten in „EU-Europa“ und weltweit werden. Kleine Randnotiz: Putins Russland könnte nun von dieser überraschenden Wende profitieren und sich als mögliche Alternative in Stellung bringen. Die Türkei als Frontstaat ist ebenfalls in einer schwierigen Lage, zumal Ankara schon jetzt die Kosten des Konflikts in seiner Nachbarschaft trägt. So oder so gerät die Welt einmal mehr ins Wanken, sodass der Bedarf an Analyse zwecks Einordnung nottut. Mit Konzentration auf die Akteure Iran, Türkei und Amerika wollen wir, sprich die Denkfabrik KFIBS und die GSP-Sektion Köln/Rhein-Erft-Kreis/Euskirchen, diesmal im Rahmen einer Podiumsdiskussion, den Iran-Krieg in den Blick nehmen und uns den regionalen und internationalen Dimensionen und Perspektiven sowie der weiteren denkbaren Konfliktentwicklung widmen.
Podiumsdiskussion
Ort: Bürgerhaus Stollwerck - Seminarraum 310 (3. Etage) - Dreikönigenstraße 23 , 50678 Köln
Organisator: Herr Dr. Sascha Arnautović , Sektionsleiter sascha.arnautovic@gsp-sipo.de


Veranstaltungsbericht vom 16. April 2026

Am 16. April 2026 (Do.) fand die Podiumsdiskussion zum Thema „Der Iran-Krieg, seine regionalen und internationalen Dimensionen und Perspektiven: Wohin entwickelt sich der Konflikt?“ im Bürgerhaus Stollwerck in Köln statt. Die Veranstaltung wurde erneut in Kooperation zwischen dem Kölner Forum für Internationale Beziehungen und Sicherheitspolitik e. V. (KFIBS) und der Sektion Köln/Rhein-Erft-Kreis/Euskirchen der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e. V. (GSP) durchgeführt. Wir freuen uns im Nachgang dieser Präsenzveranstaltung insbesondere über den angeregten Austausch mit den anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Referenten und Diskussionsteilnehmer:

Elias Borchert – Iran-Kenner
Dr. rer. pol. Yaşar Aydın – Türkei-Experte der SWP und des KFIBS
Dr. phil. Sascha Arnautović – USA-Experte des KFIBS

Moderation:

Carina C. Yıldırım-Schlüsing – 2. Stv. Vorsitzende des KFIBS e. V. sowie Mitglied und Autorin der KFIBS-Forschungsgruppe „Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika“

Durch die Abendveranstaltung führte Carina C. Yıldırım-Schlüsing. Vortragende und Diskussionsteilnehmer der Veranstaltung waren der Historiker Elias Borchert, der Sozialwissenschaftler Dr. Yaşar Aydın und der Politikwissenschaftler Dr. Sascha Arnautović. Nach einer kurzen Begrüßung der Gäste durch Jürgen Görlich, Vorstandsbeauftragter (kommissarisch) der GSP-Sektion Köln/Rhein-Erft-Kreis/Euskirchen für den Standort Euskirchen, stellten die drei Referenten in kompakten Impulsvorträgen die Motivationen und Sichtweisen von drei ausgewählten Akteuren des Iran-Kriegs 2026 vor, um auf diese Weise den Anstoß für die nachfolgende Diskussion mit den Teilnehmenden zu geben.

Zu Beginn des Events erläuterte Elias Borchert die Bedeutung des Krieges für das iranische Regime. Dabei stellte er die These auf, dass die aktuelle Situation Parallelen zum Ersten Golfkrieg (1980-1988) aufweise, der eine Festigung des Systems zur Folge hatte. Die Führung des Irans hoffe offenbar darauf, das marode System durch einen Sieg im Krieg wieder zu alter Blüte führen zu können. Des Weiteren stellte der Referent eine Machtverschiebung innerhalb der politischen Elite im Iran in Richtung der Revolutionsgarde fest. Diese könnte bei den Friedensverhandlungen zum Problem werden, da nicht klar sei, wie die Position der Revolutionsgarde vertreten werden könne.

Sodann stellte Referent Dr. Yaşar Aydın die ambivalente Position der Republik Türkei im Iran-Konflikt vor. Dabei erläuterte er u. a. die strukturelle Abhängigkeit der Türkei von den USA, vor allem im Verteidigungssektor. Die Türkei balanciere ihre Position zwischen Israel und dem Iran, die beide als Konkurrenten betrachtet werden, um nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden. Dabei übten verschiedene Vertreter der Türkei sowohl Kritik am iranischen Regime als auch am israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Vermittlungsversuche zwischen den Kriegsparteien durch die Türkei seien bislang fehlgeschlagen, worin Dr. Yaşar Aydın die Grenzen der Türkei als regionaler Machtfaktor zu erkennen glaubt.

Dr. Sascha Arnautović als letzter Referent legte schließlich den Fokus seines Impulsreferats auf die Position der USA unter Trump II im Krieg mit dem Iran. Dabei stellte er die Handlungen der USA in den Kontext der innenpolitischen Herausforderungen für die zweite Trump-Regierung. Diese handele durch die konsequente Umsetzung des „Project 2025“ deutlich entschlossener und außenpolitisch noch radikaler als unter Trump I, was sich u. a. in einer völligen Missachtung des Völkerrechts zeigen würde. An dessen Stelle trete nun das „Recht des Stärkeren“. Generell liege dem Handeln der USA in diesem Kontext der Irrglaube über die Ermöglichung eines schnellen „Regimewechsels“ (Regime Change) in Teheran zugrunde. Tatsächlich aber habe der Angriff auf die Islamische Republik Iran die Stärkung der Revolutionsgarde zur Folge.

Die anschließende Diskussion war besonders von dem regen Austausch mit den weiteren Teilnehmenden der Podiumsveranstaltung geprägt. Dabei wurden u. a. die atomaren Kapazitäten des Irans, die Rolle der iranischen Opposition im Ausland und der Status der Verhandlungen mit dem Iran debattiert.

Das KFIBS dankt den Referenten für ihre gehaltvollen Vorträge und den anschließenden konstruktiven Austausch. Ein besonderer Dank gilt auch den Teilnehmenden für ihre Fragen und das Mitwirken an der lebhaften Diskussion. Außerdem gilt unser Dank der GSP-Sektion Köln/Rhein-Erft-Kreis/Euskirchen für die – wie immer – gute organisatorische Zusammenarbeit. Wir freuen uns darauf, Sie bei einer unserer nächsten Veranstaltungen wieder begrüßen zu dürfen.

(Veranstaltungsbericht verfasst von: Felix Thiel, KFIBS-Praktikant; Schlusslektorat: Dr. Sascha Arnautović, KFIBS-Redaktionsleiter)