Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler
Grönland im Fokus US-amerikanischer Sicherheitsinteressen
Spätestens seit Donald Trumps Ankündigung, Grönland den USA einverleiben zu wollen, ist die strategische Bedeutung dieses weitgehend unbekannten Landes im Nordatlantik bzw. im arktischen Ozean auch der breiten Öffentlichkeit bewusst. Grönland stellt die größte Insel der Welt dar, die nicht gleichzeitig einen Kontinent bildet, und ist politisch ein selbstverwalteter Teil des Königreichs Dänemark. Ab 1941 – während der deutschen Besatzung Dänemarks – errichteten die USA erste Militärbasen auf Grönland. Bereits 1946 schlug US-Präsident Harry Truman der dänischen Regierung vor, Grönland zu kaufen, was Dänemark ablehnte. Im Kalten Krieg hatten insbesondere die Luftwaffenstützpunkte der USA eine große sicherheitspolitische Bedeutung für die NATO.
Wir laden Sie und Ihre Angehörigen, Freunde und Bekannten zu dieser Veranstaltung mit Diskussion ganz herzlich ein. Die Vorträge der GSP sind immer öffentlich und für die Zuhörer kostenfrei. Hierzu ist keine Anmeldung erforderlich! Sollten Sie nicht zur Veranstaltung kommen können, dann können sich über u.a. Link zur Live-Übertragung im Internet via Zoom-Webinar anmelden.
us02web.zoom.us/webinar/register/7617605535664/WN_OaI_FfzVQfegP_2RBL3CZQ
0177 / 5629488
Referent Ingmar Niemann, Foto: Brigitte Schmidhofer
links Josef Schmidhofer, rechts Ingmar Niemann, Foto: Elmar Gafinen
Zuhörer im Saal, Foto: Brigitte Schmidhofer
links Josef Schmidhofer, rechts Ingmar Niemann, Foto: Jochen Tarrach
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Diesem Thema widmete sich die Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) bei ihrer letzten Vortragsveranstaltung im Jahr 2025. Veranstaltungsort war am 19. November 2025 um 19.30 Uhr das Hotel zum Weinberg im Stadtteil Bad Neuenahr. Der Abend fand in Präsenz statt, wurde aber auch als Zoom-Webinar übertragen. Referent war Herr Ingmar Niemann, der als Politik- und Unternehmensberater sowie als Dozent an der Universität München und an der Hochschule Kempten tätig ist. Darüber hinaus war er 14 Jahre lang Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Außenpolitik e.V. in München.
Den meisten Zuhörern ist Grönland nur als riesige eisbedeckte Insel im hohen Norden bekannt und spielte mit seinen rund 57.000 Einwohnern im globalen Maßstab bisher keine herausragende Rolle. Das hat sich mit dem erneuten Amtsantritt Trumps als amerikanischer Präsident jedoch grundlegend geändert.
Niemann ging in seinem Vortrag auch auf einige historische Aspekte ein, die zeigen, dass Grönland zwar völkerrechtlich zu Dänemark gehört, aber schon bei anderen amerikanischen Präsidenten Begehrlichkeiten weckte. So bot Harry S. Truman 1946 den Dänen an, Grönland für 100 Millionen Dollar zu kaufen, was die dänische Regierung aber ablehnte. Trump hat das Angebot jetzt auf 570 Millionen Dollar erhöht, was für jeden Grönländer 10.000 Dollar bedeuten würde, aber auch das überzeugte die Bürger nicht. Sie wollen ihre seit 1979 bestehende Eigenständigkeit als autonomer Teil des Königreiches Dänemark behalten.
Was macht nun Grönland für die Amerikaner so interessant? Der Referent nannte dafür verschiedene Gründe. Dazu zählt zum einen die strategisch günstige Lage zum frühzeitigen Erkennen und Abwehren russischer Angriffspläne, aber auch die Kontrolle der Nord-Ost-Passage als direkter Seeweg nach China. Durch den Rückgang des Polareises verkürzt sich damit die Schifffahrtsroute um tausende Kilometer gegenüber dem bisherigen Weg um Afrika. Die Amerikaner haben das rechtzeitig erkannt und bereits durch strategisch gut gewählte Luftwaffenstützpunkte wie Thule in ihre Planungen einbezogen. Neben diesen militärischen Aspekten gewinnt Grönland aber auch durch das Vorhandensein wichtiger Rohstoffe wie Seltene Erden zunehmend an Bedeutung. Bisher spielten diese schwer und teuer abzubauenden Vorkommen eine untergeordnete Rolle auf dem Weltmarkt. Mit dem rasant wachsenden Bedarf gewinnen aber auch solche Fördergebiete große Bedeutung. Hinzu kommt, dass China als rohstoffreiches Land immer stärker diesen Faktor in seinen globalen Interessen einsetzen wird.
An dieser Stelle machte Ingmar Niemann auch sehr deutlich, dass sich Europa zu lange diesem Problem verweigert hat und jetzt in einer fatalen Abhängigkeit feststeckt. Eine zufrieden stellende Lösung ist nicht in Sicht. Hinzu kommt, dass sich die amerikanischen Sicherheitsinteressen zunehmend als Konflikt zwischen den NATO-Staaten USA und Dänemark herauskristallisieren. Dem steht Europa hilflos gegenüber. Man muss leider davon ausgehen, dass Trump seine Interessen über alle anderen stellen wird, wie das derzeit global bei Konflikten sichtbar wird. Wie lange sich Dänemark den amerikanischen Forderungen noch widersetzen kann und will bleibt abzuwarten.
Der Vortrag war sehr interessant und von tiefgreifender Sachkenntnis geprägt. Wir müssen davon ausgehen, dass Grönland uns in den nächsten Jahren weiter beschäftigen wird, auch wenn es räumlich ziemlich weit entfernt ist.
Die abschließende lebhafte Diskussion zeigte, dass die Sektion mit diesem Thema wieder einen interessanten Denkanstoß gegeben hat.
Text: Klaus Kretzschmar
Bericht von der Veranstaltung von Jochen Tarrach (Mitglied der Sektion)
Bad Neuenahr. Grönland als Spielball zwischen Dänemark, Amerika und Russland. Mit rund 57.000 Einwohnern ist das zu Dänemark gehörende Land nicht besonders einwohnerstark, aber durch seine strategische Lage und die vielen vorhandenen Rohstoffe wird es im Spiel der Mächte immer interessanter. Es ist mit 2,1 Mio. Quadratkilometern der 12. größte Staat und die größte Insel der Erde. Sie ist erst wieder zu Beginn der 2. Präsidentschaft von Donald Trump vermehrt ins Weltinteresse gerückt. Damit natürlich auch in das aktuelle Blickfeld der Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, die sich bei ihrem jüngsten Treffen im Hotel zum Weinberg in Bad Neuenahr damit beschäftigte, warum das zu 80 Prozent seines Gebietes von einem Eisschild bedeckte Land plötzlich so wichtig ist.
Fachkundiger Referent zum Thema war der Politikwissenschaftler sowie Politik- und Unternehmensberater Ingmar Niemann aus München, der unter anderem auch an der Technischen Universität München sowie an der Hochschule Kempten als Dozent tätig ist. In seinem Vortrag mit anschließender Diskussionsrunde ging er auf die Bedeutung Grönlands im Rahmen der US-Sicherheitsstrategie ein und beleuchtete das Verhältnis der USA zu Dänemark und welche Lösungsansätze es für das Problem gibt.
Der große Dealmaker Donald Trump hatte sich das wohl alles viel einfacher vorgestellt, aber niemand in Grönland hat angesichts seiner Pläne gejubelt, sich die riesige Insel im hohen Norden so einfach einzuverleiben. Selbst das Angebot, die Insel für 570 Mio. Dollar zu kaufen, das wären 10.000 Dollar für jeden Grönländer, zündete nicht so recht. Bereits vor 1000 Jahren haben sich die Dänen mit den Wikingern dort niedergelassen. Eric der Rote ist noch heute eine Persönlichkeit der Weltgeschichte. Seit 1979 darf sich Grönland als Teil Dänemarks mit eigenem Parlament und eigener Regierung selbst verwalten. Der bisher zu teure Abbau der vorhandenen Rohstoffe, besonders die begehrten Seltenen Erden, wird durch die steigenden Preise auf dem Weltmarkt immer interessanter und auch lohnender. Hinzu kommt ein deutliches militärisches Interesse, da durch den Rückgang des Polareises die direkt an Grönland vorbei führende Nord-Ost-Passage als direkter Seeweg nach China jetzt eisfrei tausende Kilometer kürzer ist als alle südlichen Seewege um Afrika herum. Wenn es um Seewege und Rohstoffe geht, dazu noch um militärische Angelegenheiten, sind natürlich alle Großmächte mit im Spiel. Und die USA mit ihrem imperialistischen Präsidenten an erster Stelle.
Dabei zeigen die USA mit ihren Luftwaffenstützpunkten in Narsarsuaq und vor allem Thule ganz im Norden der Insel bereits erhebliche militärische Präsenz. Vom strategisch gut gewähltem Thule aus kann die Nord-Ost-Passage unter Kontrolle gehalten werden und ein über das Polargebiet von Russland aus gegen die USA gerichteter Angriff rechtzeitig erkannt und abgewehrt werden. Von Spionagemöglichkeiten auf der ganzen nördlichen Halbkugel soll hier nicht weiter gesprochen werden. Fakt aber ist, dass Grönland mit Dänemark ein politisch eigenständiges Land ist und nicht amerikanisch. Davon, das Land einfach zu kaufen, war bereits 1946 die Rede und ist kein neuer Gedanke. US-Präsident Harry S. Truman bot Dänemark 100 Mio. Dollar in Gold. Finanziell Peanuts für die USA. Doch das Geschäft kam schon damals nicht zustande.
Nun die Neuauflage von Donald Trump. Wörtliches Zitat: „Im Interesse der nationalen Sicherheit und der Freiheit in der Welt sind die USA der Ansicht, dass der Besitz und die Kontrolle von Grönland eine absolute Notwendigkeit sind.“ Die kühle Antwort des dänischen Ministerpräsidenten Mette Frederiksen: „Grönland steht nicht zum Verkauf (…) Ich hoffe sehr, dass das nicht ernst gemeint war.“ Das Ende ist offen. Das Ergebnis des Abends: Frage: „Wer von den Anwesenden glaubt sicher, dass Grönland in zehn Jahren noch zu Dänemark gehört?“ Niemand, auch der Referent nicht.