Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler

Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler

Montag, 20.04.2026 - 19:30

Zwischen Delhi und Peking

Indiens Kampf um Macht, Sicherheit und Einfluss

Indien drängt nach vorn. Mit wirtschaftlicher Dynamik, militärischer Aufrüstung und wachsendem geopolitischem Selbstbewusstsein will Neu-Delhi im 21. Jahrhundert mehr sein als nur die größte Demokratie der Welt. Es will Macht, Einfluss und strategische Handlungsfreiheit. Doch der Weg dorthin ist steinig.

Im Norden verschärft sich die Rivalität mit China, im Westen bleibt Pakistan ein dauerhafter Unsicherheitsfaktor, zur See wächst der Wettstreit um den Indischen Ozean. Gleichzeitig ringt Indien im Innern mit sozialen Gegensätzen, regionalen Spannungen und den Lasten eines Landes, das zugleich Hightech-Nation und Entwicklungsland ist. Kann ein Staat mit solchen Widersprüchen zur bestimmenden Ordnungsmacht Asiens werden? Oder stößt Indiens Aufstieg früher an Grenzen als viele im Westen erwarten?

Der Vortrag zeichnet das Bild einer Macht im Aufbruch, die ihre Interessen entschlossener verteidigt und ihren Platz in der neuen Weltordnung sucht. Er beleuchtet die strategische Konkurrenz mit China, Indiens sicherheitspolitische Ambitionen, seine militärischen Fähigkeiten und die Folgen dieses Aufstiegs für Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen.

Ein Abend über Machtpolitik, Rivalität und die Frage, welche Rolle Indien in der Welt von morgen spielen kann und wird.

Roger Näbig (1961) ist Völkerrechtler, selbständiger Rechtsanwalt, Fachjournalist für Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie Social-Media-Beauftragter für die GSP. Er studierte Rechtswissenschaften in Berlin mit dem Hauptfach Völker- und Europarecht und ist seit 1993 niedergelassener Anwalt. Für die Europäische Sicherheit und Technik (ESUT) verfasst er regelmäßig Beiträge zu sicherheits- und verteidigungspolitischen Themen, daneben betreibt er einen Blog (Konflikte & Sicherheit - Kriege, Krisen und Konflikte im 21. Jahrhundert) und veröffentlicht weiterhin auf X (ehemals Twitter), LinkedIn und Bluesky regelmäßig Beiträge für seine rund 38.000 Follower. Er hält seit 2018 Vorträge u.a. für die GSP und die DGAP zu Themen in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung.

Wir laden Sie und Ihre Angehörigen, Freunde und Bekannten zu dieser Veranstaltung mit Diskussion ganz herzlich ein. Die Vorträge der GSP sind immer öffentlich und für die Zuhörer kostenfrei. Hierzu ist keine Anmeldung erforderlich! Sollten Sie nicht zur Veranstaltung kommen können, finden Sie unten beigefügt einen Link zur Anmeldung für die Live-Übertragung im Internet.

us02web.zoom.us/webinar/register/3217733088969/WN_ZjIHdBPtQQetVzNZ1K25zA

Referent: Roger Näbig

Roger Näbig (1961) ist Völkerrechtler, selbständiger Rechtsanwalt, Fachjournalist für Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie Social-Media-Beauftragter für die GSP. 

Ort: Hotel zum Weinberg - Hauptstraße 62 , 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Organisator: Dipl.-Ing. Josef Schmidhofer sektionsleiter-neuenahr@gsp-sipo.de
0177 / 5629488
Zwei lächelnde Männer, einer im grauen, einer im dunklen Sakko, stehen vor einem GSP-Banner.

(von links): Josef Schmidhofer, Roger Näbig, Foto: Brigitte Schmidhofer

Zwischen Delhi und Peking: Indiens Kampf um Macht, Sicherheit und Einfluss

Text: Klaus Kretzschmar

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das war das Thema einer etwas anderen Veranstaltung der Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) am 24.04.2026, 19.30 Uhr im Hotel zum Weinberg in Bad Neuenahr. Referent war Herr  Roger Näbig. Er ist Völkerrrechtler, selbständiger Rechtsanwalt, Fachjournalist für Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie Social-Media-Beauftragter für die GSP. 

Näbig machte dann auch gleich zu Beginn seiner Ausführungen deutlich, dass das Thema Indien völlig zu Unrecht in der Tagespolitik vernachlässigt wird. In den Medien hört und liest man viel von Washington, Moskau und Peking, Neu-Delhi findet dort höchstens am Rande Erwähnung.  Dabei ist Indien eine Macht im Übergang und mit seinen 1,47 Milliarden Bewohnern sowohl politisch aber auch ökonomisch eine immer bedeutender werdende Größe in der Welt. Indien ist weder bereits eine Supermacht noch bloß ein Entwicklungsland. Es bemüht sich, seine Unabhängigkeit zu bewahren, drängt aber andererseits durch wirtschaftliche Dynamik, militärische Aufrüstung und klare Kommunikation seiner geopolitischen Interessen im asiatischen Raum in Richtung einer künftig größeren Rolle in der Welt von morgen. Dieses Verhalten stößt natürlich bei den Nachbarländern China und Pakistan auf wenig Gegenliebe, noch dazu wo alle drei Staaten Atommächte sind. Die Konflikte werden dabei niederschwellig ausgetragen und finden deshalb auch in Europa nur wenig Beachtung. Dass das mehr als leichtfertig ist, machte der Referent an einigen Beispielen deutlich. So fanden im Mai 2025 viertägige heftige Kämpfe zwischen Indien und Pakistan statt, deren Höhepunkt intensive Luftgefechte waren, Bodentruppen kamen nicht zum Einsatz. Die Amerikaner mussten dabei die bittere Erkenntnis gewinnen, dass die chinesischen Kampfflugzeuge inzwischen den amerikanischen nahezu ebenbürtig sind. Eine weitere wichtige Aussage Roger Näbigs war, dass die Grenzkonflikte Indiens mit China und Pakistan keineswegs nur Randprobleme für Europa sind, sondern Teil der Rivalität im Kampf um Einfluss auch auf See- und Handelswege in der Region. So kauft Indien beispielsweise billiges Gas und Öl in Russland ein und verkauft es mit Gewinn an Europa. Das ist auch ein Beweis dafür, wie die Sanktionen der EU gegenüber Russland umgangen werden. 

Wo liegen nun die inneren Grenzen für den Aufstieg Indiens? Der demografischen Größe und dem anhaltend hohen Wachstum stehen ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen, soziale und regionale Ungleichheiten, Infrastruktur- und Staatskapazitätsdefizite und Rüstungs- und Technologieabhängigkeiten gegenüber. Indien ist die strategische Autonomie wichtig, es sucht dabei auch wechselnde Partnerschaften, vermeidet aber eine feste Blockbindung. Dieses Verhalten ist in der europäischen Denkweise unüblich und bereitet somit in der Zusammenarbeit, insbesondere bei der strategischen Ausrichtung,  Probleme.

Welche Schlussfolgerungen für die europäische Sicherheitspolitik ergeben sich aus den Ausführungen des Referenten.  Indien muss strategisch eingebunden  und als eigenständiger Pol behandelt werden. Wir müssen es ernst nehmen und nicht als bloßen Absatzmarkt sehen. Und wörtlich: „Die eigentliche Musik spielt heute im Indischen Ozean, nicht im Atlantik oder Pazifik. Vergessen Sie unseren Konflikt mit Russland, unser Verhältnis zu China und Indien ist viel wichtiger.“ Die Frage für Europa ist, ob Indien zur entscheidenden Ordnungsmacht Asiens werden kann. Wir können diesen Weg zumindest aufmerksam begleiten.

Zu dem Thema. Zwischen "Delhi und Peking" erreichte die Sektion Ende April 2026 eine Mail des stellvertretenden Verteidigungsattaches an der Deutschen Botschaft in Neu-Delhi. Er drückte darin seine Anerkennung für die sachliche und positive Darstellung der Beziehungen zwischen Deutschland und Indien aus und machte deutlich, dass das in den Medien nicht immer so ist. Das zeigt, dass die Ausstrahlung der Sektion und damit der GSP insgesamt weit über den direkten Umkreis hinaus reicht.

 

 

 

 


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