Sektion Ulm

Sektion Ulm

Dienstag, 28.01.2025 - 19:00

Die ungarische Armee

Vortrag und Diskussion
Referent: Generalmajor Sandor Fucsku , Verteidigungs-, Heeres- und Luftwaffenattaché, Botschaft von Ungarn in Berlin
Ort: Casino Rommelkaserne - Auf dem Lerchenfeld 1 , 89160 Dornstadt
Organisator: Oberstleutnant a.D. Wolfgang Goetze goetze.w@gmail.com
07348 / 948299
Fünf Personen, darunter ein Militäroffizier und eine Frau in Lila, lächeln vor Veranstaltungsbannern.

von li nach re: Dr. Lutz (DWT), GM Fucsku, Frau Malischewski, OTL a.D. Goetze (GSP), OSF a.D. Lott (DBwV) .

Eine Gruppe von Menschen, viele in Militäruniformen, sitzt in einem großen Raum während einer Veranstaltung oder Präsentation.
Zwei Männer, einer in Militäruniform und einer in Zivilkleidung, schütteln sich die Hände. Ein Panzer wird im Hintergrund projiziert.


Nachbericht: Hungarian Defence Forces – Die Ungarische Armee

Autor: OTL d.R. Johannes Allgaier, Mitglied der GSP-Sektion Ulm

Mit Generalmajor Sandor Fucsku konnte Oberstleutnant a.D. Wolfgang Goetze für die Kooperationspartner Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) Sektion Ulm, Deutscher BundeswehrVerband (DBwV) und der Gesellschaft für Deutsche Wehrtechnik (DWT) Sektion Ulm einen in der Region Ulm „alten Bekannten“ als Referenten des Abends begrüßen. Generalmajor Fucsku, der vor seiner Verwendung als Attaché der Botschaft von Ungarn in Berlin mehrere Jahre stellvertretender Befehlshaber im „Ulmer Kommando“ war, stellte den rund 110 Teilnehmern an diesem Abend die Ungarische Armee vor, die seit nun 26 Jahren integrierter Bestandteil der Nato ist. Grund hierfür war laut General Fucsku der Wunsch und das Bedürfnis, der westlichen Wertegemeinschaft anzugehören.
Der Angriffskrieg Rußlands auf die Ukraine hatte auch Auswirkungen auf die Ungarischen Streitkräfte und führte zu einer Umstrukturierung der bisherigen Verbände. Dabei wird auf die Nato „Infrastruktur“ zurückgegriffen, ergänzt durch ein eigenes Cyber Command. Wesentliches Ziel ist hier laut Generalmajor Fucsku, „Vorbereitungen zu treffen um Krieg führen zu können, um nicht Krieg führen zu müssen“.
 
Beim Umbau der Landstreitkräfte stützt sich die Ungarische Armee auf den deutschen Leopard 2A7HU Kampfpanzer ab. Das Großgerät wurde schon 2018 bis 2020 bestellt mit Spezifikationen, aber es wurden noch nicht alle Bestellungen geliefert.
Bei der Artillerie bekam die deutsche Panzerhaubitze 2000 den Zuschlag bei der Beschaffung. Auch hier stehen noch Lieferungen aus, ebenso wie bei dem in Deutschland bestellten Schützenpanzer von Rheinmetall, der aber in Ungarn als Schützenpanzer LYNXK741 produziert wird.
Ein großes Problem insgesamt zeigt sich darin, dass die Industrie erst mit der Produktion von Systemen beginnen kann, wenn ein entsprechender Auftrag erteilt ist. Die Langwierigkeit der Ausschreibungs-, Antrags- und Bearbeitungsprozesse wirkt sich hier erschwerend und als Hemmnis aus um das Ziel „Kriegstüchtigkeit“ zu erreichen. Eine Beschleunigung der Prozesse und Verfahren ist daher dringend geboten!
Bei der Luftwaffe hat sich Ungarn bei den Hubschraubern für ein Airbus Modell entschieden. Die Flugabwehr – NASAMS – stammt nicht aus Deutschland sondern aus Norwegen, ebenso wenig wie die Strahlflugzeuge, wo die Wahl auf die Saab Gripen aus Schweden fiel. Die Saab ist laut Generalmajor Fucsku das geeignete Flugzeug für die Aufgaben der Ungarischen Luftstreitkräfte. Auch diese Kräfte sind Teil der Nato-Gesamtstruktur.
Generalmajor Fucsku zeigte auf, dass Ungarn schon länger 2% des Bruttoinlandsproduktes in die Verteidigung investiert, trotz der eigentlich guten geopolitischen Lage und umgeben von Freunden. Ein wichtiger, zu beachtender Faktor, bilden für ihn die Baltischen Staaten. Daher bestehe auch das klare Ziel, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen und die Nato-Ostflanke zu stärken.
Aber es gibt auch so manche Herausforderung. Wie andere Länder hat auch die Ungarische Armee Probleme bei der Nachwuchsgewinnung. Die Wehrpflicht wurde 2004 abgeschafft und nicht etwa wie in Deutschland nur ausgesetzt. Dies führt auch dazu, dass es schwierig ist Soldaten und Reservisten zu gewinnen, obwohl hier Werbemaßnahmen laufen, dies zu ändern. So bekommen etwa Personen, die sich verpflichten, Bonuspunkte für das Studium. Wer sich auf modernes Militärgerät spezialisiert, bekommt mehr Gehalt als diejenigen, die nur ältere Geräte, teilweise noch aus russischer Produktion, bedienen können. Auch der Faktor Fremdsprachen spiele eine Rolle. Die Offiziere und Unteroffiziere sprechen fast alle Englisch, auch Deutsch gewinne stärker an Bedeutung wegen dem deutschen Großgerät und der Ausbildung daran an deutschen Truppenschulen.
Generalmajor Fucsku sieht bei der Nachwuchsgewinnung und der Verteidigungsbereitschaft Ungarns Parallelen zu Deutschland, „erst einmal müssten es wohl die „Alten“ richten, bis es gelingt die Jungen „mitzunehmen und aufzubauen“.
Wie in anderen Ländern stellt sich auch in Ungarn die Frage: was passiert, wenn Ehepaare, beide Soldaten mit Kindern, beide in den Einsatz müssen? Auch der Anteil von 20% an Frauen im Militär wirft laut Generalmajor Fucsku Fragen bei der Landes- und Bündnisverteidigung auf.
Trotz der nicht geringen Herausforderungen will Ungarn seine Investitionen in die Verteidigung nicht zuletzt wegen der schlechten Erfahrungen mit Rußland erhöhen und auch weiterhin an Auslandseinsätzen auf Nato- und UN-Ebene teilnehmen.
In der Diskussionsrunde nach seinem Vortrag gab es auch kritische Fragen aus dem Kreis der Zuhörer, nicht zuletzt wegen Aussagen einiger ungarischer Politiker zu Nato und EU. Generalmajor Fucsku machte noch einmal deutlich, dass Ungarn zu den Zielen der westlichen Wertegemeinschaft stehe und weder aus der Nato noch aus der EU austreten werde. Ungarns Armee habe den Eid nicht auf Politiker, sondern auf Ungarn geleistet. Die ungarischen Soldaten hätten in den letzten Jahren ein höheres Ansehen bei der Bevölkerung im Land erfahren und die Armee werde die Heimat bis zum Schluß verteidigen! Sämtliche Parteien seien für das Militär und würden es unterstützen und die Ungarischen Streitkräfte wären ein verlässlicher Partner für Nato und EU.
Mit Dank an den Referenten für den spannenden und offenen Einblick in die Ungarische Armee und einem Ausblick auf weitere Veranstaltungen auch mit weiteren, neuen Kooperationspartnern beendete Oberstleutnant a.D. Goetze als Moderator den Vortragsabend.

 

 


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