Sektion Ulm
NATO-Ostflanke, meine Erfahrungen als Kdr der EFP-Battlegroup LITAUEN
07348 / 948299
von li nach re: OTL a.D. Goetze (SL GSP Ulm), Dr. Trelle (SL DWT Ulm), OTL Kirchner (Kdr PzBtl 363), OStFw a.D. Lott (DBwV), Hr. Salzer u. Hr. Lutz (KAS Stuttgart) (Fotos: Frau Gramlich-Goetze)
Nachbericht zur Veranstaltung am 17. September 2024 "Einsatz an der NATO-Ostflanke - meine Erfahrung als Kommandeur im Rahmen der eFP in Litauen"
Referent: Oberstleutnant Andreas Kirchner, Kommandeur Panzerbataillon 363 in Hardheim
Seit 2016 hat die NATO im Zuge der von ihr beschlossenen Enhanced Forward Presence (eFP) zum Schutz der NATO-Ostflanke in den von einem möglichen Angriff besonders bedrohten Ländern und zur Verstärkung der Abschreckung in vier Staaten (Estland, Lettland, Litauen und Polen) multinationale Battle Groups stationiert. Die litauische Battle Group steht unter deutscher Führung; sie ist der litauischen IRON WOLF-Brigade unterstellt, die das Kernstück der dortigen Landstreitkräfte bildet und deren Name ihren Ursprung in einer Sagengestalt aus der Gründungszeit der Hauptstadt Vilnius hat. Von August 2023 bis Februar 2024 war Oberstleutnant Kirchner mit dem von ihm kommandierten Panzerbataillon 363 im Zuge der 14. Rotation in Litauen. Das deutsche Kontingent stellte mehr als die Hälfte der rd. 1.600 Soldaten umfassenden Battle Group; weitere wesentliche Anteile entfielen auf niederlän-dische, belgische und norwegische Truppen.
Wie Oberstleutnant Kirchner erläuterte, war es das Ziel des Aufenthalts, multinationale Führerausbildungen durchzuführen, das mechanisierte Gefecht auf Ebene Einzelschütze bis Gefechtsverband zu üben und die Zusammenarbeit mit der IRON WOLF-Brigade auf Kompanie- und Bataillonsebene zu intensivieren und zu vertiefen. All dies sollte die Bereitschaft zur Verteidigung von Litauen gegen jegliche Angriffe demonstrieren und so einen Beitrag zu einer glaubwürdigen Abschreckung leisten.
Vor einem bis zur Kapazitätsgrenze gefüllten Saal schilderte Oberstleutnant Kirchner seine Erfahrungen aus diesem Aufenthalt lebhaft und anschaulich, auch unterlegt mit zwei Videos (darunter ein Kurzbericht der Tagesthemen zu einer Gefechtsübung). Bei Temperaturen von + 30 bis - 20 Grad folgte in unterschiedlichen Formaten eine Übung an die andere, so daß die Zeit intensiv genutzt werden konnte. Die litauischen Streitkräfte sind stark infanterielastig; Luftwaffe und Marine spielen praktisch keine Rolle, und auch das Heer verfügt nur über wenige gepanzerte Einheiten. Vor diesem Hintergrund schaffte die Präsenz eines Bataillons mit Leopard-Kampfpanzern auch in der Wahrnehmung der litauischen Bevölkerung zusätzliches Vertrauen in die Verteidigungsbereitschaft und -fähigkeit ihres Landes. Dies ist besonders wichtig in einer Situation, in der Russland alle möglichen Medien zu verstärkter Desinformation einsetzt. Die angeregte Diskussion unterstrich den Stellenwert, den das Publikum diesem Erfahrungsbericht zumaß.
Vorgesehen ist, die Battle Group in die neu aufzustellende Panzerbrigade 45 zu integrieren, die ab 2025 dauerhaft in Litauen stationiert und nach den Planungen bis Ende 2027 voll einsatzbereit sein soll.
Autor: Prof. Peter Heseler, Mitglied der GSP Sektion Ulm