Sektion Ulm
Künstliche Intelligenz und Polizei BW – zwischen Werkzeug und Wandel
Kooperationsveranstaltung der GSP-Sektion Ulm mit der DWT, DGWMP und dem DBwV
07348 / 948299
von li: Polizeidirektor Schmid (Ltr I-Hub Polizei Stgt), PHK Maier (PolPräs Ulm), OTL a.D. Goetze (SL Ulm)
von links: Erster PHK Müller (PolPräs Ulm), OTL d.R. Allgaier (DBwV), OTL a.D. Goetze (SL Ulm), Polizeidirektor Schmid (Ltr I-Hub Polizei Stgt), PHK Maier (PolPräs Ulm), Dr. Lutz (SL DWT Ulm).
Nachbericht zur Kooperationsveranstaltung der GSP-Sektion Ulm mit DBwV, DWT und DGWMP am 6. Oktober 2025 im Casino der Rommelkaserne in Dornstadt:
„Künstliche Intelligenz und Polizei BW – zwischen Werkzeug und Wandel“
Zu diesem anspruchsvollen Thema sprachen Polizeidirektor Martin Schmid und Polizeihauptkommissar Steffen Maier. Den rund 150 Zuhörern wurde von beiden Referenten ein spannender Abend geboten. Sie trugen sehr detailliert, kompetent und auch für Laien verständlich mit großem Engagement vor. KI ist längst mehr als ein technisches Schlagwort – sie verändert Denk- und Arbeitsweisen in allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung. Welche Potenziale und Risiken birgt sie und wie beeinflusst sie auch die Aufgabenwahrnehmung der Polizei Baden-Württemberg? Welche Herausforderungen ergeben sich dadurch? KI ist ein mächtiges Werkzeug, aber nur im Zusammenspiel mit klaren Prozessen, Standards und einer modernen Verwaltungsarchitektur kann dieses Werkzeug seine volle Wirkung entfalten. Die Diskussion um KI ist keine Technologiedebatte, sondern eine Frage der Organisationskultur. Wenn wir KI sinnvoll einsetzen wollen, müssen wir Digitalisierung, Standardisierung und vor allem auch Mindset-Entwicklung zusammendenken.
KI kommt nicht, sie ist schon lange da – ob wir wollen oder nicht. Die Ausgaben für Generative KI ist von 2024 auf 2025 weltweit um 76%gestiegen. 83% der Mitarbeiter in deutschen Sicherheitsbehörden befürworten KI. Aber nur 30% sehen Fortschritte in der Umsetzung. 65% sehen Widerstand gegen Veränderungen als größtes Hindernis. Ist KI eher eine Chance oder Risiko? Antwort: Sie ist das, was wir daraus machen. Sie verändert die Gesellschaft und damit auch die Polizeiarbeit und wirkt nur dort, wo Ordnung herrscht. Mindset: Wer analog denkt, wird digital abgehängt.
Bei den sehr lebhaften Mindset-Umfrage, bei der die Zuhörer per Mobiltelefon die Antworten zu den jeweiligen Fragen geben konnten, gab es interessante Ergebnisse. So u.a. die Frage wer schon mit KI gearbeitet hat, wurde mehrheitlich mit ja beantwortet.
„Was verbinden Sie spontan mit KI?“ wurde zwar überwiegend positiv beantwortet, aber eben auch kritisch: riesige Datenmengen, die kaum zu bewältigen sind; Intelligente Maschinen, die stets vom Menschen gesteuert werden sollten usw.
„Ist KI eher Chance oder eher Risiko?“ Einfache Antwort: „KI ist, was wir daraus machen – manchmal auch kompliziert.“ Mittlerweile lassen sich, relativ einfach, realistisch wirkende digitale Inhalte erzeugen, wie zum Beispiel Videos oder Texte. Derartige Inhalte können unter anderem verwendet werden, um die öffentliche Meinung zu manipulieren. Dabei ermöglichen es KI-Verfahren, Falschinformationen in zunehmendem Umfang und wachsender Geschwindigkeit zu erzeugen, deren Inhalte für Menschen zunehmend schwieriger als KI-generiert zu erkennen sind. Die Automatisierung einer Erkennung dieser Inhalte wäre deshalb von großer Bedeutung. KI verändert die Gesellschaft und damit auch die Polizeiarbeit. In BW findet der Einsatz von KI partiell im Bereich der Strafverfolgung und der Gefahrenabwehr statt. Das Bundesverfassungsgericht schränkte jedoch unlängst die automatisierte Datenauswertung (Data-Mining) zur Vorbeugung von Straftaten (Predictive Policing) ein. Ausnahmen sind aber, wenn eine Gefahr für Leib und Leben oder die Freiheit von Personen besteht. Durch den weiteren Anstieg an Sensoren, mobilen Endgeräten (Smartphones, Tablets, etc.) sowie den Kapazitäten auf Speichermedien, wird diese Herausforderung weiter steigen. Hinzu kommt, dass sich Kriminalitätsphänomene immer weiter in den digitalen Raum verlagern und Sicherheitsbehörden stärker mit Daten in digitaler Form konfrontiert sind. Dies erfordert den Aufbau von weiteren Behördenkompetenzen, z.B. Open Source Intelligence (OSINT). Es stellen sich technische Fragen nach Speicherkapazitäten, Rechenkapazitäten sowie geeigneter Software zur Auswertung dieser Daten. Aber es gibt auch rechtliche (z.B. Datenschutz), ethische und soziale Einschränkungen, die beachtet werden müssen. KI sollte eine Technologie sein, die menschliche Fähigkeiten unterstützt, erweitert, verbessert und dem Gemeinwohl dient.
„Verwaltungsmodernisierung beginnt heute - mit uns“.
Autor: Wolfgang Goetze, GSP-SL Ulm, auch mit Text aus der PPP der Referenten
Fotos: Frau Gramlich-Goetze, Beisitzerein GSP Sektion Ulm