Sektion Bad Kissingen

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Dienstag, 24.09.2024 - 19:00

Die Arktis, der Klimawandel und die Rivalität der Großmächte

Kooperationsveranstaltung der GSP-Seltion mit der SWP

Nachdem wir uns beim letzten Vortrag mit der aktuellen Entwicklung der Lage im Nahen Osten beschäftigt haben, wollen wir im kommenden Vortrag den Blick auf eine Region werfen, die bald zu einem heissen geopolitischen hotspot werden könnte: der Arktis.
Das ewige Eis schmilzt rasant und arktische Räume werden immer leichter und länger zugänglich. Auf dem Land können die Bodenschätze leichter abgebaut werden - und der Schiffsverkehr nimmt zu. Das schmelzende Eis – die Region der nördlichen Barentsee erwärmt sich 5-6x schneller als der globale Durchschnitt- macht den Weg frei für Öl-und Gassucher, Reedereien und Fischer. In der Arktis lagern vermutlich 90 Mrd Barrel Erdöl, die noch nicht entdeckt sind aber gefördert werden könnten.
Der Klimawandel birgt viele Gefahren und macht die Region zum Objekt widerstreitender Interessen und Machtkonflikte. Es ist dünnes Eis, auf dem sich die Großmächte USA, China und Russland bewegen und um die Vorherrschaft in der Arktis streiten. Da verdient eine vordergründig unscheinbare Notiz nähere Betrachtung: am 19.12.23 gab das US-Aussenministerium eine Ausdehnung des von den USA beanspruchten erweiterten Festlandssockels bekannt. Nach Art. 76 des UN-Seerechtsübereinkommens hätten die USA damit das Recht zur Ausbeutung der im Boden befindlichen Ressourcen. Auf der anderen Seite versucht Russland seit 2001, eine Erweiterung seines Festlandssockels ( des sog. Lomonosov-Rückens ) , der sich über den Nordpol erstreckt und ca. 1,2 Mill. Quadratkilometer umfasst, bei der Festlandsockelkommission der VN durchzusetzen. Grund: im arktischen Raum liegen 60% der russischen Gas-und Öl-Reserven. Darüber wurde jedoch wegen konkurrierender Ansprüche der Anrainerstaaten Dänemark und Kanada noch nicht entschieden. Geleichzeitig hat Russland unbenommen einer Entscheidung bereits seit 20 Jahren begonnen, grosse wirtschaftliche und militärische Kapazitäten entlang der Nordostpassage aufzubauen und seine arktischen Ambitionen auch mit Rüstungsprogrammen zu unterlegen. In
Sabetta, 600 km nördlich des Polarkreises auf einer 700 km langen Landzunge an der Mündung des Ob in die Karasee ist der grösste Energiestandort Russlands für LNG ( Flüssiggas) entstanden. Atomgetriebene Eisbrecher-Tanker können den Hafen auch anfahren, wenn das Meereis noch nicht geschmolzen ist.So wurden in den letzten zehn Jahren sieben Militärbasen zwischen der norwegisch-russischen Grenze und der Beringsee neu errichtet und mit S-400-Boden-Luft-Batterien ausgestattet. Die 2007 von der russischen Flotte unter dem Nordpol platzierte russische Flagge symbolisiert nicht von ungefähr den russischen Anspruch. Bezeichnend ist auch die Behauptung von Aussenminister Lawrow bei der Sitzung des Arktischen Rats 2021, die gesamte Arktis sei russisches Territorium.
Aber auch China engagiert sich zunehmend im Eismeer, indem es sich zu 1/3 an Russlands Yamal-Flüssiggas-Projekt beteiligt hat und den Ausbau der russischen Flüssigkeitskapazitäten finanziell unterstützt. Chinas Staatsreederei Cosco hat ausserdem angekündigt, die „polare Seidenstrasse“ verstärkt zu nutzen, da dies die Strecke zwischen Shanghai und Hamburg um 4000 km verkürzt.
Sind wir schon in einem neuen kalten Krieg? Welche Bedeutung hat der arktisch-nordatlantische Raum für Deutschland? Diese und viele andere Fragen wird unser Spezialist für die Arktisregion, Dr. phil. Michael Paul behandeln und beantworten.
Vortrag und Diskussion
Referent: Dr. Michael Paul , Senior Fellow SWP- -Forschungsgruppe Sicherheitspolitik

Dr. Michael Paul, geb. 1959 in Nördlingen, studierte Politikwissenschaften,
Kommunikationswissenschaft und Völkerrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität in
München. 1989 promovierte er an der Freien Universität Berlin. Er war unter anderem
als Research Fellow am Center for Science and International Affairs (CSIA) der Harvard
Universität, Cambridge, sowie der University of Maryland tätig. Seit 2007 ist er
wissenschaftlicher Mitarbeiter (Senior Fellow) der Stiftung Wissenschaft und Politik
(SWP) in Berlin. Zudem ist er Mitglied des Arktisdialogs des Alfred-Wegener-Instituts
und Leiter des Gesprächskreises Maritime Sicherheit der SWP. Er war 2018 bis 2019
Mitglied des Expertenteams im Themenzyklus „Meere und Ozeane“ des Runden
Tisches der Bundesregierung. Im Fachgebiet Sicherheitspolitik beschäftigt er sich als
Senior Fellow mit den Forschungsgebieten Asien, Russland, Osteuropa, Zentralasien,
USA, Kanada, Wirtschaft, Handel, Ressourcen.

Ort: Großer Saal der Seniorenresidenz Parkwohnstift - Heinrich-von-Kleist-Straße 2 , 97688 Bad Kissingen
Organisator: Oberstleutnant a.D. Ulrich Feldmann fieldman.ltc@freenet.de
0157 89176613


Hier finden Sie einen Presseartikel der Saaler Zeitung vom 19./20.10.2024 zu unserer Veranstaltung.