Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur widmet ihre neueste Ausstellung der einstmals alles beherrschenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED). Sie wird am 28. März beim 21. Petersberg zur Sicherheit präsentiert und kann anschließend besichtigt werden.
Der einprägsame Titel „Die Partei hat immer recht“ wurde in Anlehnung an das Lied „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ gewählt. Verfasser von Text und Musik der Parteihymne der SED war der deutschsprachige, jüdische Schriftsteller Louis Fürnberg.
Vor 80 Jahren, im April 1946, schlossen sich in der sowjetischen Besatzungszone die Ost-SPD (Sozialdemokratische Partei) und die KPD (Kommunistische Partei) zur SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) zusammen. Diese Zwangsvereinigung geschah auf massiven Druck der sowjetischen Besatzungsmacht. Die Rolle, die die neu geschaffene „Einheitspartei“ in der Gesellschaft der zukünftigen DDR spielen würde, war klar. Wie in der Sowjetunion hatte sie den totalen Führungsanspruch über Staat und Volk. „Die SED war das Knochengerüst der Gesellschaft“, sagt der Historiker Stefan Wolle bei der Ausstellungspräsentation. Er war fast 20 Jahre lang der Leiter des DDR-Museums in Berlin. Nun hat er im Auftrag der Bundesstiftung Aufarbeitung diese Ausstellung entwickelt.
20 Schautafeln im Format DIN A1 dokumentieren das gesamte Alltagsleben im Arbeiter- und Bauernstaat. Die SED prägte ihn nachhaltig, um die oberste Führung zu unterstützen. Mechanismen der Herrschaft wie ideologische Schulung vom an Kindergarten über die Kontrolle in allen Arbeitsbereichen bis hin zu Repressionen waren alltäglich. In der Ausstellung wird sichtbar, wie die Partei ihr absolutes Machtmonopol mithilfe von Polizei, Justiz, Staatssicherheit und Volksarmee (NVA) im Alltag durchsetzt. Die SED verstand die NVA als „bewaffnetes Organ der Arbeiterklasse“. Die meisten Offiziere waren auch Mitglied der SED; bei den Generälen soll es keine Ausnahme gegeben haben. Eine der zentralen Losungen der SED war: „Wo ein Genosse ist, ist die Partei.“ Damit wurde auch ständige Loyalität gegenüber der SED gefordert.
Stiftungsdirektorin Anna Kaminsky sagte: „Das Thema trifft einen Nerv.“ Der Historiker Stefan Wolle sprach bei der Präsentation der Ausstellung von einer „großen Nostalgiewelle“, die im Hinblick auf die DDR-Zeit festzustellen ist. Der Autor meinte, dass vieles aus dem Alltagsleben inzwischen verklärt oder beschönigt werde. Dem hält die Ausstellung entgegen: Es gab keine heile Welt jenseits der Diktatur. Die Partei war allgegenwärtig, sei es in der Schule, im Betrieb, in der Freizeit oder bei Urlaubsreisen. Personalentscheidungen oder Auszeichnungen fielen nicht ohne ihre Mitwirkung. Mit ihren 2,3 Millionen Mitgliedern, was etwa 15 Prozent der DDR-Bevölkerung entsprach, war sie letztlich immer und überall präsent. Parteimitglied konnte aber nicht jeder werden. „Die Partei sollte die Avantgarde sein und hatte nie das Bestreben, alle zu erfassen“, sagt Wolle. Zeitweise habe sogar ein Aufnahmestopp für Nicht-Arbeiter bestanden.
Mit der Ausstellung will die Stiftung nach Kaminskys Aussagen einen Beitrag dazu leisten, über das Leben und den Alltag in einer Diktatur zu informieren. Dabei soll auch aufgezeigt werden, welche Lehren sich daraus für die Gegenwart ziehen lassen. Kaminsky konstatiert eine „Ermüdung“, sich mit der DDR auseinanderzusetzen. Sie beklagt Versuche der Desinformation und dass seriöse Quellen zur DDR-Zeit infrage gestellt würden.
Zu den Tafeln gehört ein zweisprachiger (deutsch/englisch) Begleitband.
Anmerkung:
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wurde am 5. Juni 1998 mit dem Ziel gegründet, die Geschichte der DDR und die Folgen der SED-Diktatur aufzuarbeiten. Sie hat ihren Sitz in Berlin und ist eine bundesunmittelbare Stiftung des öffentlichen Rechts. Vorstandsvorsitzender ist seit Beginn Rainer Eppelmann. In der letzten Regierung der DDR unter Lothar de Maizière war er ab April 1990 Minister für Abrüstung und Verteidigung. In dieser Funktion erließ er den Tagesbefehl Nr. 0979 vom 2. Oktober 1990, durch den die Nationale Volksarmee aufgelöst wurde.
