Bundespräsident a.D. Horst Köhler am 1. Februar 2025 verstorben

Bundespräsident a.D. Horst Köhler am 1. Februar 2025 verstorben

Als Horst Köhler am 23. Mai 2004 von der Bundesversammlung im ersten Wahlgang mit 51,1 Prozent der Stimmen zum Bundespräsidenten gewählt wurde, war er den meisten Mitbürgern kaum bekannt. Politik war nicht sein Metier, er arbeitete als Beamter im Hintergrund.
Der Lebensweg von Horst Köhler beginnt am 22. Februar 1943 in Heidenstein (pol. Skierbieszow) im „Generalgouvernement“. Das liegt nördlich der Kreisstadt Samosch (Zamosc) im Distrikt Lublin. Hier wurden im Rahmen der Aktion „Heim ins Reich“ Deutsche aus Bessarabien angesiedelt. Im März 1945 flieht die Mutter mit fünf Kindern vor der herannahenden Front und wird für die nächsten Monate in einem Lager in Litzmannstadt (Lodz) untergebracht. Von dort geht die Flucht weiter und endet in Markkleeberg bei Leipzig. Ostern 1953 flieht die Familie in die Bundesrepublik und lässt sich in Ludwigsburg nieder. Am Mörike-Gymnasium legt Köhler 1963 das Abitur ab, dient zwei Jahre als Zeitsoldat beim Panzergrenadierbataillon 302 in Ellwangen/Jagst und wird Leutnant. Anschließend studiert er Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft in Tübingen. Als Diplom-Volkswirt beginnt er seine berufliche Laufbahn als Assistent am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen. 1969 heiratet Horst Köhler die Lehrerin Eva Luise Bonet.
Von 1976 bis 1981 arbeitet er im Bundesministerium für Wirtschaft, 1977 promoviert er. Von Bonn wechselt er nach Kiel als Referent des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg. Als dieser nach dem Regierungswechsel 1982 Bundesminister der Finanzen wird, folgt er ihm. Nach drei Jahren als Abteilungsleiter wird er 1990 Staatssekretär und erreicht damit die Spitze der Beamtenlaufbahn. 1993 verlässt er das Finanzministerium und wird Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Nach fünf Jahren wechselt er an die Spitze der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London. Diese soll vor allem die Marktwirtschaft in den Ländern des ehemaligen Ostblocks fördern. Von dort wechselt er als Geschäftsführender Direktor zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington.
Am 4. März 2004 nominieren ihn die Christlich Demokratische Union (CDU), die Christlich Soziale Union (CSU) und die Freie Demokratische Partei (FDP) als Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten. Köhler, der 1981 in die CDU eingetreten war, wurde von diesem Vorschlag überrascht. Am Verfassungstag wählte ihn die Bundesversammlung als Nachfolger von Johannes Rau zum neunten Bundespräsidenten. Damit zog erstmals nicht ein Politiker in das Schloss Bellevue ein und übernahm das höchste Staatsamt.
2009 wählte ihn die Bundesversammlung für eine zweite Amtszeit. Diese endete jedoch mit seinem sofortigen Rücktritt nach einem Jahr am 31. Mai 2010. Anlass war ein Radiointerview auf dem Rückflug von Masar-i-Scharif nach dem Besuch des Bundeswehrkontingents, in dem er Auslandseinsätze der Bundeswehr auch mit der Wahrung deutscher Interessen begründete. Kritiker warfen ihm vor, Einsätze zu befürworten, die vom Grundgesetz nicht gedeckt seien. Diese Missachtung seines Amtes könne er nicht hinnehmen. „Die Angriffe gegen mich im Zusammenhang mit meinen Äußerungen zu den sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands waren ungeheuerlich und durch nichts zu rechtfertigen“, sagte er.  
Der frühere Bundespräsident Horst Köhler ist am Samstag, 1. Februar, nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin gestorben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den Verstorbenen in einem Kondolenzschreiben an seine Witwe Köhler als „Glücksfall für unser Land“.

 

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