Die Olympischen Spiele der Antike: Götterkult und Wettkampf (2)

Die Olympischen Spiele der Antike: Götterkult und Wettkampf (2)

Altgriechische schwarzfigurige Amphore, die vier männliche Athleten bei einem Laufwettbewerb auf rotem Hintergrund zeigt.

 Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über die Olympischen Spiele stammen aus dem Jahr 776 v. Chr. Bis 393 n. Chr. fanden 293 Olympiaden statt. Eine Olympiade entspricht einem Zeitraum von vier Jahren.  Der Name Olympia leitet sich von dem kleinen Ort Olympia ab, der in der Landschaft Elis, im Nordwesten der Insel Peloponnes, liegt. Mit dem über 2900 Meter hohen Gebirgsmassiv Olymp im Nordosten Griechenlands, dem mythologischen Sitz der Götter, haben die Spiele nichts zu tun.

Von Olympia nach Athen sind es gut 280 Kilometer und nach Sparta rund 130 Kilometer.  Zu den Spielen reisten die Zuschauer aus ganz Griechenland in die fruchtbare Ebene rund um den Austragungsort. Sie nahmen die Strapazen der Reise und des Aufenthaltes auf sich, um den Göttern zu opfern, aber auch um sich zu amüsieren und zu vergnügen, um Geschäftsbeziehungen zu knüpfen oder Freunde und Bekannte zu treffen. Olympia war mit seinen altgriechischen Heiligtümern und Kultstätten des Zeus (griech. altis, Hain oder Wäldchen), der bekannteste Austragungsort der Spiele.

Drei andere Kultstätten, die von Delphi für Apollo (Sohn des Zeus und Gott der musischen Künste und des Lichts), Nemea für Zeus (höchster griechischer Gott; des Donners und des Blitzes) und Korinth für Poseidon (Bruder des Zeus und Gott des Meeres), erreichten nicht die Bedeutung von Olympia. Ziel der Wettkämpfe war es, die Götter zu erfreuen, denn „die Götter sind Freunde der Kampfspiele sind“, wie der griechische Philosoph Platon feststellte.

Funde lassen vermuten, dass die ersten Olympischen Spiele bereits um 900 v.Chr. oder sogar noch früher im antiken Hellas stattfanden. Ihr Ursprung wird in Verbindung mit Zeremonien nach der abgeschlossenen Obsternte in Verbindung gebracht.  Sie dienten der Verehrung der Götter und gleichzeitig der militärischen Ertüchtigung der Männer. Frauen waren von der Teilnahme ausgeschlossen.

Die Blütezeit der Olympischen Spiele fiel in die Zeit als Sparta Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr., die führende militärische Rolle unter den griechischen Stadtstaaten spielte. Die spartanische Erziehung, die Förderung der körperlichen Fähigkeiten der männlichen Jugend im Laufen, Ringen, Faustkampf und Schwimmen brachte Sparta zahlreiche Sieger ein. Teilnahmeberechtigt waren nur freie und unbescholtene griechische Bürger:

Nach der Eroberung durch Rom (146 v. Chr.), als Griechenland römische Provinz wurde, stand auch Nichtgriechen die Teilnahme an den Wettkämpfen offen. Zunächst bestand der Wettkampf nur aus einem Stadionlauf. Das Stadion wurde etwa um 600 v. Chr. erbaut, die Laufstrecke betrug 600 Fuß (192,25 Meter). Es war rechteckig um die Laufbahn angelegt und bot Platz für Athleten und Zuschauer. Über Zuschauerzahlen gibt es keine konkreten Angaben, Berechnungen zufolge hätten aber 20.000 Menschen Platz gefunden. Der Eintritt war frei und Ehrenplätze nur für Beamte und hohe Ehrengäste reserviert. Eine schattenspendende Überdachung gab es nicht. Unter der Augusthitze litten nicht nur die Wettkämpfer, sondern auch die Zuschauer.  Unterhalb des Stadions befand sich das Hippodrom, das drei Stadien (576 Meter) lang war. Hier fanden Pferde- und Wagenrennen statt.

Der erste namentlich bekannte Olympiasieger hieß Koroibus. Der berühmteste Olympiasieger war Leonidas von Rhodos. Er gewann die drei Laufwettbewerbe bei vier aufeinander folgenden Spielen von 164 bis 152 v. Chr. Milon von Kroton, ein „Riese“ wurde im Ringen zwischen 540 und 516 v. Chr. nicht besiegt. Es zählten nur die Sieger, es gab auch keine Mannschaftswettbewerbe.  

Im Laufe der Zeit wurde die Anzahl der Wettkämpfe erweitert. Doppellauf, Ringen, Fünfkampf (Stadionlauf, Weitsprung, Diskuswerfen, Speerwerfen, Ringen), Faustkampf, Wagenrennen, Pferderennen und Wettläufe mit Kriegsausrüstung wurden auf drei, später sogar auf sechs Tage ausgedehnt.  Anfangs mussten Athleten, Trainer und Kampfrichter einen Eid ablegen. 

Nach und nach verloren die Spiele ihren religiösen Charakter. Sie wurden zu Festspielen und die Sieger in den einzelnen Disziplinen zu geachteten Bürgern ihres Wohnortes. Ein Sieger durfte sich in Olympia eine Statue errichten lassen. Erhielten sie anfangs den „Siegerlorbeer“ einen Kranz aus Olivenzweigen, so bekamen sie später materielle Zuwendungen. Sie waren keine Amateure, sondern Berufssportler. Sie traten nach dem Olympiasieg bei anderen Wettkämpfen auf, bei denen Siege mit Geldpreisen belohnt wurden. Die Spiele begannen mit einem Gottesdienst mit Opfern an die Götter und Gesang im Heiligen Hain.  Sie endeten mit einem großen Fest. Die Wettkämpfe begannen am Morgen und endeten bei Vollmond. 

Der Marathonlauf geht nicht auf die Olympischen Spiele zurück.  Im Jahre 490 v. Chr. besiegten die Griechen bei dem Ort Marathon die Perser.  Aus Freude über den Sieg soll der griechische Soldat Pheidippes, es werden aber auch andere Namen genannt, vom Ort der Schlacht in das 40 Kilometer entfernte Athen gelaufen sein. Dort angekommen brach der erschöpfte Mann mit den Worten: „Freut euch, wir haben gesiegt!“ tot zusammen.

Der Niedergang der Olympischen Spiele begann mit der Ausbreitung des Christentums in Griechenland. Die alten kultischen Bräuche der Griechen verfielen immer mehr. Den Todesstoß versetzten ihnen die römischen Kaiser. Herrscher und Volk ergötzten sich mehr an brutalen Vergnügungen als am Götterkult. Kämpfe mit Tieren und unter Sklaven amüsierten das Volk.

393 n. Chr.  verbot Kaiser Theodosius I. das Christentum als Staatsreligion, weil es heidnisch sei.  426 n. Chr. ließ Theodosius II., die Tempel niederbrennen. Plünderungen der heiligen Stätten, zwei große Erdbeben, vermutlich 522 n. Chr.  und 551 n. Chr., und Überschwemmungen taten das Übrige, um die Olympischen Spiele in Vergessenheit geraten zu lassen.

1766 wurde das Gebiet um Olympia wiederentdeckt.  Eine vier bis fünf Meter hohe Schwemmschicht bedeckte das Gelände. 1829 legten französische Archäologen Teile des Zeus Tempels frei. Die systematische Freilegung ist dem Deutschen Ernst Curtius und dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm VI., zu verdanken.  Von 1874 bis 1881 waren dann deutsche Archäologen in Olympia tätig. Der Zeus- und Hera-Tempel, das Stadion, die Halle, das antike Hotel, zahlreiche Schatzhäuser und das Rathaus von Olympia (Prytaneion), wurden freigelegt. Im Rathaus befand sich die Feuerstelle der Göttin Hestia, auf der das Feuer nie ausgehen durfte, das olympische Feuer. 

Die zahlreichen Waffenfunde in Olympia verwundern zunächst, denn während der Spiele ruhten die Waffen. Sie erklären sich aus der Verpflichtung ein Zehntel der Kriegsbeute: abzugeben.  Münzen, Edelmetalle, Waffen, Kunstwerke u.a., sie dienten neben anderen Spenden zur Finanzierung der Spiele.

Vieles war für immer zerstört. Was gerettet wurde beeindruckte auch den französischen Baron Pierre de Coubertin. Der Historiker und Pädagoge griff die Idee Olympias auf und wurde zum Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit. Die ersten fanden 1896 in Athen statt.

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