Militärparade auf dem Tiananmen-Platz - 75 Jahre Volksrepublik China (3)

Militärparade auf dem Tiananmen-Platz - 75 Jahre Volksrepublik China (3)

Die Taiwanstraße ist zu einer der bekanntesten Wasserstraßen im Pazifischen Ozean geworden. Sie verbindet das Ostchinesische Meer im Norden mit dem Südchinesischen Meer im Süden und ist eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Sie ist von geostrategischer Bedeutung, da sie die Republik China auf der Insel Taiwan von der Volksrepublik China auf dem Festland trennt. China beansprucht die Meerenge als eigenes Territorium.

Mitte September passierten auch zwei Marineschiffe, die Fregatte Baden-Württemberg und der Einsatzgruppenversorger Frankfurt am Main, die rund 180 Kilometer breite Meerenge. Sie waren auf dem Weg von Südkorea nach Indonesien. Auch andere Nationen wie die USA, Großbritannien, Frankreich oder die Niederlande befahren das internationale Gewässer unangemeldet mit Kriegsschiffen. Das Interesse der sogenannten Quad-Gruppe, der die USA, Indien, Japan und Australien angehören, an der Nutzung des Ost- und Südchinesischen Meeres durch ihre Flotten ist angesichts des aggressiven Verhaltens der chinesischen, russischen oder nordkoreanischen Marine gewachsen.

Bereits 2021 hatte die Bundesregierung die Fregatte Bayern als erstes Marineschiff in den Indopazifik entsandt. Sie sollte zu einem Freundschaftsbesuch in Shanghai anlegen, was China ablehnte. Daraufhin mied die Bayern die Meerenge. Aus dieser Zeit stammen die Indo-Pazifik-Leitlinien" des damaligen Außenministers Heiko Maas. In diesem Grundsatzpapier wurde Taiwan auf über 80 Seiten mit keinem Wort erwähnt. Die Leitlinien beschreiben eine Neuausrichtung der deutschen China-Außenpolitik. Deutschland will enger mit asiatischen Staaten wie Japan, Indien, Indonesien, aber auch China zusammenarbeiten. Im Juli nahm die Luftwaffe mit anderen Nationen an der Großübung „Pacific Skies“ in Japan teil. „Gemeinsam wollen wir den freien Indopazifik erhalten und stärken“, sagte der Kommandeur der japanischen Luftwaffe zur Begrüßung der Deutschen.“  

Bereits Jahre zuvor, Anfang 2018, hatte das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) den Bericht "China - Perspektiven und Herausforderungen" veröffentlicht. Darin werden die geopolitischen Ambitionen Chinas, die maritime Dimension und das Sozialkreditsystem mit seinen Auswirkungen beleuchtet. Das Thema Handel kommt nicht vor, obwohl die Volks-republik Deutschlands wichtigster Handelspartner ist. Von den zwölf größten Containerhäfen der Welt liegen acht in China. Doch nicht nur auf dem Seeweg, sondern auch auf dem Landweg gelangen chinesische Waren in die Europäische Union. Seit 2013 setzt China auf die Schiene und lässt Güterzüge rollen. Die Züge nutzen die eurasische Landbrücke, über die Güter schneller und kostengünstiger transportiert werden können. Die in Deutschland bekannteste Verbindung von Chongqing nach Duisburg ist knapp 11.000 Kilometer lang, ein Zug braucht dafür 16 Tage. Die fünf wichtigsten Importgruppen sind: Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse, Bekleidung, elektrische Ausrüstungen, Maschinen und Metallerzeugnisse. Im Jahr 2023 betrug der Warenwert rund 157 Milliarden Euro. Die deutschen Ausfuhren nach China beliefen sich auf rund 97 Milliarden Euro. Dabei handelte es sich um Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen, Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse, elektrische Ausrüstungen sowie chemische Erzeugnisse. Die deutschen Exporte in Länder außerhalb der EU waren in den letzten Monaten rückläufig.

Abschließend ein Blick auf die chinesische Armee, das bewaffnete Organ der Kommunistischen Partei Chinas. Als Gründungsdatum gilt der 1. August 1927, als der „Rote Kaiser“ Mao Zedong die damals rund 3.000 Partisanen der „Roten Arbeiter- und Bauernarmee“ in zwei Armeen zusammenfasste und weiter ausbaute. Nach achtjährigem Kampf vertrieben die inzwischen vier Millionen Rotarmisten 1945 die japanischen Aggressionstruppen und am Ende des Bürgerkriegs 1949 schließlich die US-orientierte Kuomintang-Regierung unter Chiang Kaishek nach Taiwan. Am 1. Oktober 1949 wurde die Rote Armee in Volksbefreiungs-armee (VBA) umbenannt und in diesem Jahr wurden auch die ersten Einheiten der See- und Luftstreitkräfte aufgestellt. Dabei wurde auf Personal und Material der Kuomintag sowie auf Beuteflugzeuge der Japaner zurückgegriffen. Der Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion von 1950 half beim Aufbau der beiden Teilstreitkräfte.

Im Koreakrieg (1950-1953) hatte die VBA etwa eine Million Tote zu beklagen. Nach dem Koreakrieg baute die Kommunistische Partei die VBA massiv auf und rüstete sie aus. An ihrer Spitze steht der Vorsitzende der Zentralen Militärkommission (ZMK), Xi Jinping. 1955 wurde ein Verteidigungsministerium mit dem Generalstabschef als oberstem Militär geschaffen. Seit 1981 werden Wehrpflichtige, Männer und Frauen, auf die Kommunistische Partei vereidigt, was bedeutet, dass „die Partei die Waffe führt“. Das Weißbuch 2019 beschreibt Chinas Sicherheitspolitik. Bedrohungen gehen demnach von den USA, der NATO, Russland, Japan, der EU, aber auch von Extremismus und Terrorismus aus.

Als größte Gefahr für den Frieden in der Region wird die „Unabhängigkeit Taiwans“ gesehen. Aber auch der Blick auf Nordkorea mit seinen nuklearen Aufrüstungsbestrebungen und die verstärkten Bemühungen Japans, seine Streitkräfte zu modernisieren, veranlassen China seine Streitkräfte technisch aufzurüsten. Die Entwicklung der nuklearen Fähigkeiten stand mit im Vordergrund.

China hat mit mehreren Nachbarn Grenzkonflikte, z.B. mit Indien im Himalaya. Hier kam es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit Toten und Verletzten. Im Südchinesischen Meer gibt es Streitigkeiten mit Vietnam um Gebiete mit Rohstoffvorkommen. Auf das Jahr 1969 geht der monatelange Konflikt mit der Sowjetunion am Grenzfluss Ussuri zurück, der erst 1995 mit einem Grenzvertrag zugunsten Chinas beigelegt wurde.

Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten am 1. Oktober wird China seine Streitkräfte wieder demonstrativ der Öffentlichkeit präsentieren. Doch selbst für Militärexperten bleiben sie wenig durchschaubar. „China bleibt ein Rätsel - es hat sowohl Merkmale einer starken als auch einer schwachen Macht“, sagt Zeno Leoni vom King`s College in London. Eine der militärischen Stärken Chinas ist seine Marine. Mit mehr als 350 Kriegsschiffen und U-Booten ist sie laut Pentagon die größte der Welt. Das Heer zählt rund eine Million Soldaten und die Luftwaffe ist mit 2250 Kampfflugzeugen die drittgrößte. China hat in den letzten Jahrzehnten gegenüber den US-Streitkräften stark aufgeholt und liegt bei den Militärausgaben weltweit an zweiter Stelle. Ziel von Staats- und Parteichef Xi Jinping ist es, die Modernisierung der Streitkräfte bis 2035 abzuschließen.    

Letzte News

Letzte News

  • 23Jan
    Die HAMAS und die Finanzierung des Terrorismus im Nahen Osten

    Ein Gespräch mit dem Autor Dirk Peddinghaus über sein Buch: 
    Die HAMAS und die Finanzierung des Terrorismus im Nahen Osten. Eine Analyse anhand offener Quellen.

    Am 7. Oktober 2023 griff die Terrororganisation Hamas Israel an. Unmittelbare Folgen des Überfalls waren rund 1.200 Todesopfer und mehr als 240 Geiseln, die in den Gazastreifen verschleppt wurden, die überfallenen Grenzorte zerstört. Der Vorstoß auf israelisches Gebiet gilt als der schwerste Anschlag seit seiner Staatsgründung im Mai…

  • 07Jan
    Ehrenpräsident der GSP Dr. Klaus-Dieter Uelhoff wird 90 Jahre alt

    Die Gesellschaft der Sicherheitspolitik (GSP) wurde am 5. Januar 1952 in München als Gesellschaft für Wehrkunde (GfW) gegründet. Seither repräsentieren Vorsitzende unterschiedlicher Berufsgruppen die GSP.  

    In den ersten Jahren waren es Militärs, die das Ehrenamt des Präsidenten ausübten, dann folgten mehr politisch engagierte Personen.

    Der Bundestagsordnete Dr. Klaus-Dieter Uehlhoff, der im April 1992 von der Bundesversammlung an die Spitze der Gesellschaft gewählt wurde, führte diese sieben…

  • 23Dec
    5. Januar 2026: 150. Geburtstag von Konrad Adenauer - Der Kanzler und die Politik der Wiederbewaffnung

    In den Medien wird in den nächsten Tagen öfter der Begriff „Adenauer-Jahr” verwendet werden. Der Grund dafür ist einfach. Am 5. Januar 2026 jährt sich der 150. Geburtstag von Konrad Adenauer, der 1876 in Köln geboren wurde. Mit Ausstellungen, Führungen, Vorträgen, Diskussionen und Theaterstücken wird an den Kölner Oberbürgermeister (1917–1933), den Präsidenten des Preußischen Staatsrats und den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland (1949–1963) erinnert. 

    Den Auftakt macht die…

  • 26Nov
    „Die Welt ist aus den Fugen. Die Risse werden tiefer“

    Ein Parlamentarischer Abend von GSP und DWT, der in Erinnerung bleibt

    Am 24. November 2025, als russische Truppen die ukrainische Stadt Pokrowsk im brutal umkämpften Oblast Donezk eingekesselt hatten, hielten ukrainische Soldaten in Widerstandsnestern gegen die Übermacht aus dem Osten stand. Inzwischen haben russische Einheiten ihre Fahne gehisst. Man kann sagen, dass die ukrainische Hauptstadt des Bergbaus verloren ist.

    Von Pokrowsk nach Berlin sind es 1786 Kilometer. Man kann auch sagen,…

  • 23Nov
    Vortrag General a.D. Klaus Naumann in Ellwangen

    General a.D. Dr. h.c. Klaus Naumann:                                                 Vortrag als pdf zum download

    70 Jahre Bundeswehr, eine Erfolgsgeschichte der deutschen Demokratie

     Vortrag vor der Gesellschaft für Sicherheitspolitik am 19.11.2025 in Ellwangen

     Einleitung

    Ich danke für die Einladung und freue mich anlässlich eines besonderen Jubiläums, nämlich 70 Jahre Bundeswehr, erneut in Ellwangen sprechen zu können, der ältesten Garnison der Bundeswehr in Baden-Württemberg. 

    Am 23.…

  • 18Oct
    Der Tag, an dem China den Yalu-Fluss überquerte - Wie der 19. Oktober 1950 den Kalten Krieg veränderte

    An den Ufern des Yalu-Flusses, er bildet die Grenze zwischen China und Nordkorea, setzten in der Nacht des 19. Oktober die ersten Soldaten der „Chinese People’s Volunteer Army“ in Schlauchbooten, mit Fähren oder anderen Hilfsmitteln über das eiskalte Wasser. Niemand im der westlichen Welt ahnte an diesem Tag, dass diese unbeachtete Truppenbewegung eine der folgenschwersten militärischen Entscheidungen des 20. Jahrhunderts werden würde. war. Mit dem Überqueren des Yalu trat China faktisch in den…

  • 17Oct
    Deutschland muss im Weltraum Abschreckung leisten

    Eine Forderung des Generalinspekteurs

    An der Verleihung von Trainingszertifikaten an vier Astronauten der European Space Agency (ESA) durch das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum der Bundeswehr (IHTC) am 17. Oktober in Bückeburg nahmen neben dem Kommandeur des Weltraumkommandos, Generalmajor Michael Traut, und dem Director for Human and Robotic Exploration der Europäischen Weltraum-Agentur ESA, Daniel Neuenschwander, auch der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer…

  • 11Oct
    Soldatinnen bei der Bundeswehr – mit fünf Stabsärztinnen fing es 1975 an

    Im siebzigsten Jahr des Bestehens der Bundeswehr trägt erstmals eine Kaserne den Namen einer Soldatin. Die Hindenburg-Kaserne in Munster wurde in „Unteroffizier-Friederike-Krüger-Kaserne” umbenannt. Krüger kämpfte in den Befreiungskriegen 1813-1815 gegen das napoleonische Frankreich. Verkleidet als Mann war sie bei einem Mobilmachungsaufruf unter dem Namen August Lübeck in die Truppe eingetreten. Sie erhielt mehrere Auszeichnungen, unter anderem das Eiserne Kreuz 2. Klasse. 

    Diese Namensgebung…

  • 04Oct
    Die Münchner Sicherheitskonferenz „on tour“ – ein neuer deutscher Dialog- und Diplomatie Ansatz

    Das am vergangenen Mittwoch in AlUla, einer Stadt im Nordosten Saudi-Arabiens, etwa 350 Kilometer von Medina entfernt, eröffnete Munich Leaders Meeting (MLM), Teil der Münchener Sicherheitskonferenz MSC, gab Saudi-Arabien als erstmaligem Gastgeber einer internationalen Sicherheitskonferenz die Gelegenheit, seine Rolle als Förderer von Dialog und Diplomatie in der Region herauszustellen. So diskutierten etwa 100 hochrangige Regierungsvertreter in Panels mit dem Fokus auf multilaterale…

  • 18Sep
    Europe is in the fight – die Rede von der Leyen zur Lage der EU

    Europe is in the fight – die Rede der Kommissionspräsidentin von der Leyen zur Lage der EU

    Ihre Rede zur aktuellen Lage der Europäischen Union - kurz: SOTEU, State of the European Union - in Straßburg am 10. September eröffnete Dr. Ursula von der Leyen mit der Feststellung "Europa befindet sich im Kampf". Im folgenden vermied sie den Begriff Krieg sowie die Nennung von konkreten Gegnern - O-Ton "im Wesen ist unsere Union ja ein Friedensprojekt" - doch benannte sie detailliert, wofür Europa…

GESELLSCHAFT FÜR SICHERHEITSPOLITIK E.V.

Vereinsregister-Nr. 5684
beim Amtsgericht Bonn

KONTAKT

Hauptstadtbüro:   
Ulrich-von-Hassell-Haus, Lennéstraße 11, 10785 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 20648549
praesident©gsp-sipo.de

Geschäftsstelle Bonn:  
Wenzelgasse 42, 53111 Bonn
Tel.: +49 (0) 228 - 652556
Fax: +49 (0) 228 - 658093
geschaeftsstelle©gsp-sipo.de

GEMEINNÜTZIGKEIT

Die GSP e.V. ist  als gemeinnützig und spendenfähig anerkannt worden.
Finanzamt Bonn-Innenstadt
Steuer-Nr.:205/5764/0498, 17.10.2024

 

©  Gesellschaft für Sicherheitpolitik e.V.