Sicherheitspolitische Aussagen in den Wahlprogrammen von AfD und BSW

Sicherheitspolitische Aussagen in den Wahlprogrammen von AfD und BSW

Bundestagswahl 2025: Sicherheitspolitische Aussagen in Parteiprogrammen, mit AfD, BSW und einem Ungültig-Symbol.

Alternative für Deutschland (AfD

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat auf ihrem 16. Bundesparteitag am 11. und 12. Januar in Riesa ihr Programm für die Bundestagswahl in einem Leitantrag formuliert. Im Kapitel „Zeit für Sicherheit“ heißt es, dass die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der Europäischen Union (EU), der Verteidigungskommissar und der Europäische Auswärtige Dienst abgelehnt werden.

Der Charta der Vereinten Nationen (VN) und dem Vertrag von Helsinki, gemeint ist sicher die KSZE-Schlussakte von Helsinki vom August 1975, wird zugestimmt. Die Vereinten Nationen (VN) sollen reformiert, ein ständiger Sitz im Sicherheitsrat angestrebt und die Feindstaatenklausel in der Charta gestrichen werden. (Zur Erläuterung der Feindstaatenklausel s. www.Deutscher Bundestag.de)

Eine Osterweiterung der EU wird ebenso abgelehnt wie der Nordatlantikpakt (NATO). Die eigene Souveränität soll ausgebaut und „unsere nationalen Interessen“ sollen formuliert und verfolgt werden. Bis zum Aufbau eines europäischen Militärbündnisses bleiben aber die Mitgliedschaft in der NATO und in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) „zentrale Elemente unserer Sicherheitsstrategie“.

Ein Unterkapitel ist der Verteidigungspolitik und der Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit gewidmet. Nach der Feststellung, dass die Streitkräfte nicht verteidigungsfähig sind, folgen die Begründungen. Einige Stichworte: chronische Unterfinanzierung, Abgabe von Material und Waffensystemen an die Ukraine, Dauerbelastung durch die Ausbildung ukrainischer Soldaten. Gefordert werden der Aufbau einer leistungsfähigen wehrtechnischen Industrie und offensive Cyberfähigkeiten.

Die Landes- und Bündnisverteidigung wird als Hauptaufgabe der Streitkräfte angesehen. Der Dienst in der Bundeswehr soll ausschließlich deutschen Staatsbürgern vorbehalten bleiben, um Loyalitätskonflikte zu vermeiden. Motivation und Bindung der Soldaten an Deutschland sollen „revitalisiert“ werden. Korpsgeist, Traditionen und deutsche Werte sollen gepflegt werden. Als Tugenden werden „Ehre, Treue, Kameradschaft und Tapferkeit“ genannt. Elemente dazu sind „militärisches Liedgut und Brauchtum“.

Mit Blick auf Deutschland in Europa und der Welt wird die Neuverhandlung ausgesetzter Verträge wie INF (Intermediate Nuclear Force), START (Strategic Arms Reduction Treaty), ABM (Anti-Ballistic Missile), MBFR (Mutual and Balanced Force Reduction) gefordert. Die geplante Stationierung von weitreichenden US-Waffensystemen, Cruise-Missiles, Drohnen und Raketen wird abgelehnt. Gute Beziehungen zu den USA, insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft, sind jedoch wichtig.

Mit Blick nach Osten wird die sofortige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland und die Reparatur der Nord-Stream-Pipelines gefordert. „Die Zukunft der Ukraine sehen wir als neutralen Staat außerhalb von NATO und EU“.

Es folgen Bemerkungen zur Türkei als wichtigem strategischen und wirtschaftlichen Partner, zur Situation im Nahen Osten und zu China. Wenn sich aus dem Projekt „Neue Seidenstraße“ Chancen für die deutsche Wirtschaft ergeben, müssen diese genutzt werden.

 

Das Bündnis Sarah Wagenknecht - Vernunft und Gerechtigkeit, kurz BSW

    Das Bündnis Sarah Wagenknecht - Vernunft und Gerechtigkeit, kurz BSW, geht mit dem Programm Unser Land verdient mehr" in den Bundestagswahlkampf. Gegründet wurde die Partei erst am 8. Januar 2024. Auf der Titelseite ist die Namensgeberin abgebildet. Die Präambel beginnt mit der Feststellung „Deutschland ist nicht mehr das, was es noch vor wenigen Jahrzehnten war“. Mit seinem Wahlprogramm verspricht das BSW „einen politischen Neuanfang 2025“ für ein Deutschland, in dem sich die Bürger wieder wohl und sicher fühlen. Für das BSW ist die Wahl am 23. Februar eine Richtungsentscheidung. Das Programm hat vier Kapitel mit jeweiligen Untertiteln und ist so aufgebaut, dass auf eine thematische Zustandsbeschreibung eine oder mehrere Feststellungen oder Forderungen folgen.  

Im 1. Kapitel Frieden werden Krisen, Konflikte und Kriege thematisiert. Das BSW versteht sich als Teil der deutschen und internationalen Friedensbewegung. „Von deutschem Boden muss Frieden ausgehen“. Die Lösung von Konflikten mit militärischen Mitteln wird grundsätzlich abgelehnt. Die atomare Aufrüstung muss gestoppt werden. Statt eines Militärbündnisses als Machtinstrument für geopolitische Ziele wird ein defensives Verteidigungsbündnis gefordert. Für Europa wird eine Sicherheitsarchitektur unter Einbeziehung Russlands gefordert.

Die Rüstungsindustrie soll umstrukturiert werden, Gewinne von Rüstungskonzernen dürfen nicht an Aktionäre ausgeschüttet werden. Die Ächtung aller Atomwaffen durch die Vereinten Nationen (UN) wird unterstützt. Die in Deutschland stationierten Atomwaffen sind abzuziehen. Dies gilt auch für die in Deutschland stationierten US-Truppen.  Die Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland wird entschieden abgelehnt.

Die Bundeswehr muss von einer Interventionsarmee wieder zu einer Verteidigungsarmee umgebaut werden. Der Einsatz von Soldaten in internationalen Kriegen wie die Stationierung „an der russischen Grenze oder im Südchinesischen Meer“ wird abgelehnt. Ebenso höhere Militärausgaben oder die Schaffung von Sonderfonds oder Schuldenfonds für Rüstung. Gefordert wird volle Transparenz bei den Militärausgaben und „Schluss mit teuren und sinnlosen Beraterverträgen“. Die Wiedereinführung der Wehrpflicht wird abgelehnt. Im Gegensatz zu Verteidigungsminister Boris Pistorius, der das Land „kriegstauglich“ machen will, heißt es im BSW: „Wir wollen unser Land friedenstauglich machen“.

Der Krieg in der Ukraine wird als Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA bewertet. Das BSW fordert „ehrliche Bemühungen um einen Waffenstillstand ohne Vorbedingungen“. Die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine wird abgelehnt.

Ein längerer Text befasst sich mit dem Pulverfass Naher Osten. „Wir verurteilen unmissverständlich den Großangriff der Hamas und anderer auf Israel am 7. Oktober 2023“, heißt es darin. Auch die Waffenlieferungen der USA und Deutschlands an Israel werden angesprochen und ein sofortiger Stopp gefordert. Der Abschnitt „Frieden im Nahen Osten“ endet mit der Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand und ernsthaften Verhandlungen über eine Zwei-Staaten-Lösung zwischen Israel und den Palästinensern.

 

Letzte News

Letzte News

  • 10Aug
    Die Berliner Mauer: Wie die „Operation Rose“ den Westen überrumpelt

    Die Berliner Mauer: gebaut 1961, gefallen 1989 - Wie die „Operation Rose“ den Westen überrumpelt

    65 Jahre nach Beginn des Mauerbaus wird ein temporärer Gedenkort am Brandenburger Tor an die deutsch-deutsche Grenze erinnern. Die offizielle Gedenkfeier am 13. August findet an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße statt. Ein Rückblick auf „die Frontstadt“ und den mehr als 40 Kilometer langen „antifaschistischen Schutzwall” mitten durch Berlin.

    Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs…

  • 22Jun
    Aus Grenzschützern werden Soldaten - Ein historischer Tag für die Bundeswehr

    Vor 70 Jahren wurden fast 10.000 Vollzugsbeamte des Bundesgrenzschutzes (BGS) in die Bundeswehr übernommen. Am 30. Juni 1956 dienen sie noch „unter dem Adler des Bundes“ und tragen eine grüne Uniform. Ab dem 1. Juli sind sie Soldaten und tragen den grauen Rock. Ohne die Übernahme der „BGSler“, wie sie genannt werden, wäre der Aufbau und die Indienststellung der ersten drei Heeresdivisionen im Jahr 1957 nicht so schnell vonstattengegangen.

    Ein kurzer Blick in die BGS-Geschichte. Bereits nach der…

  • 16Jun
    Die Heimatschutzdivision – Territorialer Schutz als Pfeiler der Gesamtverteidigung

    Die Aufstellung der Heimatschutzdivision, HschDiv, im April 2025 gab Anlaß bei einem kürzlichen Parlamentarischen Abend in Berlin für Generalmajor Andreas Henne als ersten Kommandeur dieses Verbandes unter dem Titel "Heimatschutzdivision - Antwort auf die Bedrohung Deutschlands" ein erstes Resümee zu ziehen.

  • 09Jun
    Unterschiedliche Wahrnehmung von Bedrohungen / WIFIS-Jahrestagung 2026 in Halle

    Das Wissenschaftliche Forum für Internationale Sicherheit e. V. (WIFIS) richtete am 28./29. Mai erstmalig in Kooperation mit der Clausewitz-Gesellschaft e. V. und dem Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Europäische Politik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine Tagung zum Thema „Bedrohungsperzeptionen” aus. Rund 80 Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft, Militär und Zivilgesellschaft waren der Einladung nach Halle, dem Sitz der Geschäftsstelle, gefolgt. Da der Verein auch…

  • 28Apr
    Geopolitische Betrachtungen und Brennpunkte

    Nürnberger Sicherheitstagung 2026 - 24./25. April 2026

    Wer bei einer sicherheitspolitischen Veranstaltung die Themen „Weltordnung im Stresstest” und „die augenblicklichen Umbrüche in der Geopolitik” behandelt, hat sich als Veranstalter und Organisator einiges vorgenommen. Dass der jungen und älteren Zuhörerschaft dabei einiges zugemutet würde, kündigte Moderator Ulrich Lechte an. 

    Den Impulsvortrag zur Eröffnung der Abendveranstaltung am 24. April hielten Marie-Agnes Strack-Zimmermann,…

  • 21Apr
    Verteidigungswille als Fundament einer Armee

    Der 12. Bodenseekongress 2026 in Bregenz

    Zahlreiche Sicherheitspolitische Organisationen (s. Flyer) aus der „DACH-Region“ – Deutschland, Österreich und Schweiz hatten zum Bodenseekongress eingeladen. In diesem Jahr übernahm Österreich die Organisation und Durchführung. Als das sicherheitspolitische Informationsangebot für die Öffentlichkeit ins Leben gerufen wurde, orientierten sich die Gründerväter der länderübergreifenden Veranstaltung an Europa. Als Motto ist in den Annalen zu finden, sich…

  • 28Mar
    28. März 2026: 21. Petersberger Gespräche zur Sicherheit

    28. März 2026: 21. Petersberger Gespräche zur Sicherheit

  • 04Mar
    „Die Partei hat immer recht. Die SED im Alltag der DDR“

    Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur widmet ihre neueste Ausstellung der einstmals alles beherrschenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED). Sie wird am 28. März beim 21. Petersberg zur Sicherheit präsentiert und kann anschließend besichtigt werden. 

    Der einprägsame Titel „Die Partei hat immer recht“ wurde in Anlehnung an das Lied „Die Partei, die Partei, die hat immer recht“ gewählt. Verfasser von Text und Musik der Parteihymne der SED war der deutschsprachige,…

  • 23Jan
    Die HAMAS und die Finanzierung des Terrorismus im Nahen Osten

    Ein Gespräch mit dem Autor Dirk Peddinghaus über sein Buch: 
    Die HAMAS und die Finanzierung des Terrorismus im Nahen Osten. Eine Analyse anhand offener Quellen.

    Am 7. Oktober 2023 griff die Terrororganisation Hamas Israel an. Unmittelbare Folgen des Überfalls waren rund 1.200 Todesopfer und mehr als 240 Geiseln, die in den Gazastreifen verschleppt wurden, die überfallenen Grenzorte zerstört. Der Vorstoß auf israelisches Gebiet gilt als der schwerste Anschlag seit seiner Staatsgründung im Mai…

  • 23Dec
    5. Januar 2026: 150. Geburtstag von Konrad Adenauer

    Der Kanzler und die Politik der Wiederbewaffnung

    In den Medien wird in den nächsten Tagen öfter der Begriff „Adenauer-Jahr” verwendet werden. Der Grund dafür ist einfach. Am 5. Januar 2026 jährt sich der 150. Geburtstag von Konrad Adenauer, der 1876 in Köln geboren wurde. Mit Ausstellungen, Führungen, Vorträgen, Diskussionen und Theaterstücken wird an den Kölner Oberbürgermeister (1917–1933), den Präsidenten des Preußischen Staatsrats und den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland…