Vor 80 Jahren scheiterte das Attentat des 20. Juli 1944

Vor 80 Jahren scheiterte das Attentat des 20. Juli 1944

Ein Bogen mit sechs deutschen Briefmarken, die Porträts wichtiger Persönlichkeiten des deutschen Widerstands zeigen.

Der Krieg dauerte schon fast fünf Jahre. Nach schnellen Erfolgen im Westen und im Osten, brachten mit der Vernichtung der 6. Armee in Stalingrad im Winter 1942/43, der Rückzug aus Afrika, die Landung der Alliierten im Juli 1943 in Italien und schließlich die Operation „Overlord“ an den Landungsstränden in der Normandie, die Wehrmacht in einen aussichtlosen Zweifrontenkrieg. Die größte Militäroperation aller Zeiten haben die Alliierten, mit den letzten Veteranen, am 6. Juni „D-Day, gerade wieder gefeiert. Der Weg in die Niederlage Deutschlands war absehbar und unaufhaltsam. Es starben täglich fast 5000 Menschen an der Front und in der Heimat. Ein Regimesturz sollte das beenden. 

In der Lagebaracke des Führerhauptquartiers „Wolfschanze“ bei Rastenburg scheitert am 20. Juli 1944 das Attentat auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Für den Anschlag sind zwei Sprengbomben vorgesehen. Oberst i.G. Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Chef des Stabes beim Befehlshaber des Ersatzheeres, hat diese aus Berlin zum Lagevortrag mitgebracht. Er soll über das Ersatzheer vortragen. Aufgrund einer Kriegsverletzung fehlen ihm das linke Auge, die rechte Hand und an der linken Hand zwei Finger. Mit Hilfe einer Spezialzange gelingt es ihm aber nur den Zeitzünder einer der Ein-Kilo-Sprengladung scharf zu machen. In seiner Aktentasche nimmt er sie mit in die Baracke. Die zweite bleibt bei seinem Adjutanten Oberleutnant Werner von Haeften.  

Den sechs Meter langen Kartentisch aus dickem Eichenholz stützen zwei massive Sockel. Hitler steht an der Breitseite des Tisches gegenüber dem Eingang. Links neben ihm Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht und rechts Generalleutnant Adolf Heusinger, Chef der Operationsabteilung des Generalstabes des Heeres und Stellvertretender Chef des Generalstabes des Heeres. (Er wird beim Aufbau der Bundeswehr der erste Generalinspekteur) Stauffenberg stellt die Tasche in die Nähe Hitlers unter den Tisch, angelehnt an den rechten Sockel. Unter Vorwand telefonieren zu müssen, verlässt er den Raum. Um 12:42 Uhr detoniert die Bombe, die Baracke ist ein Trümmerfeld. Von den 24 Besprechungsteilnehmern werden vier getötet. Hitler überlebt mit leichten Verletzungen. Gut 200 Meter entfernt beobachteten Stauffenberg und Haeften die Explosion. Für beide ist klar, das Attentat gelungen und Hitler tot. Damit wären die Soldaten von ihrem persönlichen Eid auf den Führer entbunden.

Gegen 13:15 Uhr fliegen beide nach Rangsdorf/Berlin zurück, wo sie gegen 15:00 Uhr eintreffen. Von hier gibt Haeften telefonisch an die Mitverschwörer in der Bendler Straße durch: „Hitler ist tot“. Im Oberkommando des Heeres sollte nun „Walküre“ anlaufen. Das Unternehmen beinhaltete die Planung und Umsetzung für den Sturz der nationalsozialistischen Regierung. Aber weder bei den informierten Verschwörern in Berlin, in Paris, im Reich und den annektierten Gebieten gelang es die vorbereiteten Pläne praktisch umzusetzen. Denn schon zwischen 15:50 und 16.00 Uhr hatte Generaloberst Friedrich Fromm, Befehlshaber des Ersatzheeres, in einem Telefongespräch mit Keitel erfahren, dass der Führer lebt und nur leicht verletzt wurde. Bis Mitternacht überschlagen sich die Ereignisse. Ein Fernschreiben von Generaloberst Fromm an alle höheren Truppen- und Wehrkreiskommandos: „Putschversuch von unverantwortlichen Generalen blutig niedergeschlagen. Sämtliche Anführer erschossen. […] Ich habe die Befehlsgewalt wieder übernommen, nachdem ich vorübergehend durch Waffengewalt festgenommen war,“ besiegelt das Schicksal der Verschwörer.

Es ist viel über Gründe des Scheiterns von „Walküre“ geschrieben worden. Zusammengefasst: Es lag an technischen Kommunikationsproblemen, Ungewissheiten über die tatsächliche Lage und schließlich zögerliches Verhalten der Eingeweihten. Gegen 00:30 Uhr werden im Hof des Bendlerblocks General der Infanterie Friedrich Olbricht, Oberst i.G. Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim sowie Claus Schenk von Stauffenberg und Werner von Haeften erschossen. 

Als Hitler um 1.00 Uhr des 21. Juli in einer Rundfunkansprache erklärte „eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich unvernünftiger, verbrecherischer dummer Offiziere hat ein Komplott geschmiedet, um mich zu beseitigen und zugleich mit mir den Stab praktisch der deutschen Wehrmachtsführung auszurotten“ war der Mythos eines Militärputsches für geboren. Es gab aber nicht nur militärischen Widerstand. Aus allen Schichten der Gesellschaft waren Männer und Frauen beteiligt. Konservative und Liberale, Sozialisten und Gewerkschafter, Wirtschaftsführer und Arbeiter, Diplomaten, Beamte, Richter, Wissenschaftler und Studenten oder Geistliche. Es wird von etwa 200 Personen ausgegangen, die sich aktiv am Umsturzversuch beteiligt hätten.

Carl Friedrich Goerdeler, ehemaliger Oberbürgermeister von Leipzig und Ludwig Beck, Generaloberst a.D. gelten als „geistige Drahtzieher“ des Umsturzversuchs. Von ihnen stammt auch der Entwurf der beabsichtigten Regierungserklärung. Sie umfasst acht Punkte. 1. „Erste Aufgabe ist die Wiederherstellung der vollkommenen Majestät des Rechts. Die Regierung selbst muss darauf bedacht sein, jede Willkür zu vermeiden, sie muss sich daher einer geordneten Kontrolle durch das Volk unterstellen.“

Über die letzten Worte Stauffenbergs, die er vor seiner Erschießung gerufen haben soll, gibt es verschiedene Versionen. Ob „heilig“, „geheim“ oder „frei“ darin vor kamen steht dahin. Gräfin Nina von Stauffenberg hat „heilig“ für authentisch gehalten.

 

 

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