Sektion Delmenhorst

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Mittwoch, 29.05.2024 - 18:30

Diego Garcia und seine strategische Bedeutung

Ein Flugzeugträger mit Palmen

Vortrag und Diskussion

Referent: Dr. Deniz Kocak , Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HSU Hamburg

Dr. Deniz Kocak ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdoc) an der Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr (HSU/UniBwH), Mitglied des interdisziplinären Forschungsschwerpunkts Maritime Sicherheit (iFMS) sowie Wissenschaftlicher Mitarbeiter am German Institute for Defence and Security Studies (GIDS) in Hamburg.

Zuvor arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich der Krisenprävention- und Koordination sowie der Risikokommunikation am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), als Lehrbeauftragter an der Freien Universität Berlin, als Gastwissenschaftler an der School of Social Sciences (SoSS)-Singapore Management University (SMU) sowie als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DFG-Sonderforschungsbereich 700 „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“, Freie Universität Berlin.

Darüber hinaus ist Herr Dr. Kocak in der Politikberatung zu Themen der Sicherheitsgovernance tätig, unter anderem für das United Nations Development Programme (UNDP) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Von 2015 bis 2020 war er Wissenschaftlicher Beirat für das EU-geförderte Horizon 2020 Projekt „Community Based Policing and Post-Conflict Police Reform“ (ICT4COP) tätig. Seit 2017 ist er Mitglied des United Nations Development Programme (UNDP) –Regional Service for Africa (RSCA) Governance and Peacebuilding Experts Roster und seit 2021 ist er Mitglied des Security Sector Reform (SSR) Advisory Network to the United Nations. Seit 2022 ist er Mitglied des Steering Committees der European Consortium for Political Research (ECPR) -Standing Group Political Violence.

Er studierte an der Universität Potsdam und der Humboldt-Universität Berlin Politikwissenschaft und Neuere/Neueste Geschichte, und promovierte an der Freien Universität Berlin, Otto-Suhr-Institut, in Politikwissenschaft.

Ort: "Oase Haus Adelheide" (Soldatenheim), (vor Delmetal-Kaserne), - Abernettistraße 43 , 27755 Delmenhorst
Organisator: Herr Oberstleutnant a.D. Rolf Dieter Wienand , Sektionsleiter delmenhorst@gsp-sipo.de
Donnermoor 48, 27777 Ganderkesee  04222 / 950221

Oberstleutnant a.D. Harald Mauritz (stvSktLtr) und Dr. Deniz Kocak

Eigenbericht zum Vortrag von Dr. Deniz Kocak zum Thema „Diego Garcia – Flugzeugträger mit Palmen“ am 29.05.24 in Delmenhorst.

In der Regel stehen Länder wie die USA, Russland und China im Zentrum der Aufmerksamkeit wenn es um außen- oder sicherheitspolitische Themen geht, weil sie von zentraler geopolitischer Bedeutung sind. Bei der Einladung des Politikwissenschaftlers Dr. Deniz Kocak von der Helmut-Schmidt-Universität/ Universität der Bundeswehr Hamburg wurde erstmals ein Winzling an Fläche und Bevölkerungszahl in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Der Untertitel des Vortrags ´Zentrum der Geopolitik im indischen Ozean und entscheidende Basis für das Machtgefüge in einer immer stärker umkämpften Region in Asien` verdeutlichte, dass zwischen Größe und Bedeutung kein unmittelbarer Zusammenhang bestehen muss.

Im ersten Teil seines Vortrags stellte der Referent die Geschichte des Atolls Diego Garcia seit seiner Entdeckung durch portugiesische Seefahrer dar, die dem Atoll seinen Namen gaben, über die französische Kolonialzeit bis zum British Empire, dar. Das ursprünglich unbewohnte Atoll wurde von eingewanderten Plantagenarbeitern besiedelt. Im Zuge des kalten Krieges und auf der Suche nach einem geeigneten militärischen Stützpunkt im Indischen Ozean wurde Mitte der 1960er Jahre das gesamte Chagos-Archipel von Mauritius abgetrennt, als Britisches Territorium im Indischen Ozean neu organisiert, und später an die USA verpachtet. Ab 1967 begann die britische Verwaltung damit, die Infrastruktur auf der Insel schrittweise zurückzufahren und bis 1973 wurden alle Einwohner von der Insel zwangsumgesiedelt. Die rechtliche Grundlage der Umsiedlung bildete ein Abkommen zwischen Großbritannien und Mauritius, das die Abtretung des Chagos-Archipels für Verteidigungszwecke vorsah. Dabei ging der Referent auch auf den schwelenden Souveränitätsstreit zwischen Mauritius und Großbritannien ein. Selbst ein jüngst ergangenes Urteil des Internationalen Gerichtshofes, welches die Rechte des Inselstaates Mauritius am Chagos-Archipel und damit auch an Diego Garcia feststellte, würde von Großbritannien als nicht bindend betrachtet. Ein Fakt, der einer grundsätzlich werteorientierten Politik nicht gut zu Gesicht steht. Ein notwendiges Übel?

Womöglich. Denn im zweiten Teil seines Vortrags beleuchtete Dr. Kocak die strategische Bedeutung des 2100km von Mauritius entfernt liegenden Atolls für die westliche Welt. Die Präsenz der USA würde im Indischen Ozean die Bereithaltung einer nuklearen Zweitschlagsfähigkeit gewährleisten und den Einfluss Chinas in der Region eindämmen. Darüber hinaus diene der Stützpunkt als Ausgangspunkt für Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus, der Piraterie und des Drogenschmuggels, aber auch als Basis für humanitäre Einsätze und Katastrophenhilfe. Nicht zu vernachlässigen:  Die Sicherung des Welthandels, welcher zu 70% durch den Indischen Ozean verläuft, ist auch für die Exportnation Deutschland von großem Interesse.

In der anschließenden Diskussion wurde das Dilemma deutlich. Moralisch sind die Vertreibung der Chagossianer und die Weigerung Großbritanniens, das Chagos-Archipel an Mauritius zurückzugeben, zu verurteilen. Zu einer wertebasierten Politik passt keine Verschleppung der Dekolonisierung. Anderseits mag man sich auch nicht vorstellen, was passieren würde, wenn die USA nach Auslaufen des Pachtvertrags über den Militärstützpunkt im Jahr 2036 die Insel räumen und die Briten diese an die Mauritier zurückgeben würden. Höchstwahrscheinlich würde sich eine regionale Macht des Archipels bemächtigen und ihre eigenen Interessen verfolgen. Interessen, die dem Westen definitiv nicht zusagen würden.

32 Zuhörer dankten dem Referenten mit starkem Applaus.

Harald Mauritz

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