Potsdam: Schauplatz der Weltgeschichte

Potsdam: Schauplatz der Weltgeschichte

Großformatiges Ausstellungsplakat

Weißer Salon, Empfangssalon der russischen Delegation

Der Runde Tisch im Konferenzsaal

Beliebtes Fotoobjekt: Roter Stern im Innenhof

Schloss Cecilienhof ist ein Schauplatz der Weltgeschichte.  Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 fand hier die „Potsdamer Konferenz“ statt.  (Fotos: GSP/Uhde)

Vor 75 Jahren trafen sich im letzten Schlossbau der Hohenzollern die Staats- und Regierungschef der Vereinigten Staaten von Amerika (USA), der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) und des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland (GB), um über die Zukunft des besiegten Deutschlands zu beraten. Die „Großen Drei“, zu Beginn US-Präsident Harry S. Truman, der britische Premierminister Winston Churchill und Generalissimus Josef W. Stalin versuchten aber auch über andere Fragen der zukünftigen Weltordnung Einvernehmen zu erzielen.

Der Ausstellungstitel „Die Neuordnung der Welt“ bezieht sich daher auf die gefassten territorialen und politischen Beschlüsse der Konferenz. 13 Sitzungen sind in Protokollen festgehalten. Nach dem Wahlverlust seiner Konservativen Partei musste Winston Churchill sein Amt aufgeben. Nachfolger als Premierminister wurde Clement Attlee von der „Arbeit-artei“. Die Freude bei den Sowjets über die Ablösung Churchills soll groß gewesen sein. Ab dem 28. Juli vertrat Clement Attlee die Interessen seines Landes in Potsdam.

Eigentlich war Berlin für die abschließende Konferenz nach Kriegsende in Europa vorgesehen. Auf den vorausgegangenen Treffen in Teheran (28.11.-1.12.1943) und auf Jalta (4.-11.2.1945), hatten die Staatsmänner das so geplant. Berlin lag in Trümmern und so wurde Potsdam als Austragungsort gewählt. Da es in der sowjetisch besetzten Zone lag, wurden alle logistischen und organisatorischen Vorbereitungen von den Russen getroffen, nur die Verpflegung für die Delegationen fand in Eigenregie statt. Für die Unterbringung wurden in Babelsberg, dem „Hollywood Deutschlands“ Villen requiriert, jeweils eine eigene für die Staatschefs. Viele Einzelheiten über den Konferenzalltag sind der Sekretärin Margret Joy Milward zu verdanken, die der britischen Delegation angehörte. Ihr Tagebuch und andere persönliche Unterlagen sind in der Ausstellung zu sehen. Die deutsche Hauptstadt wird dann aber doch noch erwähnt, nämlich mit der Unterzeichnung des „Protokolls der Verhandlungen der Berliner Konferenz“ durch Truman, Stalin und Attlee am 2. August um 0:30 Uhr, es trägt das Datum vom 1. August und beendete offiziell die Konferenz. Das Protokoll wird allerdings erst am 24. März 1947 veröffentlicht. Daraus und aus später publizierten Dokumenten der drei Staaten ist zu ersehen, dass es nicht nur um die Zukunft des besiegten Deutschlands ging. Konferenzthemen waren auch Spanien und das Franco-Regime, Frankreich und Italien, Jugoslawien und die Verhältnisse in Griechenland, die Schwarzmeerengen, Syrien und der Libanon oder die Zukunft des Iran. Einzelheiten dazu sind im Begleitband zu finden.   

Auf einer Zeittafel kann sich der Besucher über die Geschehnisse in Europa, den Nahen und Mittleren Osten und Asien orientieren. Während die Konferenz tagte, wurde im pazifischen Raum noch gekämpft, das wird oft übersehen. Erst der Einsatz der Atombomben auf Hiroshima am 6. und auf Nagasaki am 9. August beendeten mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945 den Zweiten Weltkrieg. Die Zeremonie fand auf dem US-Schlachtschiff Missouri in der Bucht von Tokio, statt.

 Im Mittelpunkt des Rundgangs stehen der zentrale Konferenzsaal und die Arbeitszimmer von Truman, Churchill und Stalin. Sie sind nach Foto- und Filmaufnahmen originalgetreu eingerichtet und ausgestattet. Im Konferenzsaal sind um den runden Tisch die drei rot gepolsterten Armlehnstühle und zwölf weitere Stühle geordnet. Plätze dahinter waren u.a. für Berater und Dolmetscher vorgesehen. In der Tischmitte stehen die drei Wimpel mit den Nationenflaggen jeweils zur Delegation gerichtet, Aschenbecher vor jedem Platz. Auf Fotos der Eröffnungssitzung sind Churchill mit Zigarre und Stalin mit Zigarette in der rechten Hand zu sehen.

Churchill hatte den kleinsten Arbeitsraum, auf dem Schreibtisch ein klobiges Telefon mit dem Hinweis. In einer Vitrine sind Hut, Stock und Zigarrenhülse zu sehen.  Ab 28. Juli nutzte dann Attlee das Zimmer. Trumann hatte ein Arbeitszimmer mit Blick auf den Garten und den Jungfernsee. Stalins Arbeitsraum war direkt mit dem Empfangszimmer, dem Weißen Salon, verbunden. Die schweren Eichenmöbel sind Original erhalten. Ein großes Porträt in weißer Uniformjacke ist im Erkerzimmer aufgestellt. Der Versuch der Ausstellungsleitung eine weiße Uniformjacke leihweise zu bekommen schlug fehl. In dem Weißen Salon sind die Hauptprotagonisten als Silhouetten dargestellt. Darunter die Außenminister der USA James F. Byrnes, von Großbritannien Antony Eden, der 1955 Premierminister wurde und Ernest Bevin sowie der UdSSR Wjatscheslaw Molotow.

Nach den historisch eingerichteten Ausstellungsräumen kommt der Besucher in den einstigen Speisesaal des Schlosses. Hier werden am Beispiel einzelner Familien Flucht und Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten gezeigt. Betritt man durch den Ausgang die Gartenterrasse kann man sich in einem der nachgebauten Korbsessel – ohne dass die Raumaufsicht das beanstandet – setzen. Das Foto mit Churchill, Trumann und Stalin (v.l.) in den Sesseln auf der Terrasse von Schloss Cecilienhof ist wohl eines der bekanntesten. Es wurde auch für das Ausstellungsplakat verwendet.

Im abschließenden dunklen Ausstellungsbereich sind die globalen Auswirkungen der Potsdamer Konferenz zusammengefasst. Obwohl weit entfernt, sind sie nah am Besucher. Immer wieder aufbrechende Konflikte in Israel und Palästina, in Syrien und im Iran, in Korea und China sowie Japan erinnern an heutige Krisen, Konflikte und Kriege. Die Bilder der Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki erschauern den Betrachter. Den Ausstellungsschluss bildet der Hinweis auf die Gründung der Vereinten Nationen am 24. Oktober 1945. Deren Präambel beginnt „Wir die Völker der Vereinten Nationen, fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren…“ Die Einhaltung dieser Selbstverpflichtung der inzwischen auf 193 Staaten angewachsenen Weltorganisation lässt immer noch auf sich warten. eute. Heute Die einst geplante Neuordnung der Welt, in dem die Völker friedlich zusammenleben sollten, liegt in weiter Ferner.

Der informative Begleitband enthält neben Geleitworten, Literaturhinweisen, Personenregister, Leihgeber und Dank, Bildnachweis und Impressum 14 Beiträge zum Inhalt der Ausstellung:

  • Die Potsdamer Konferenz: Zu diesem Band
  • Die Verortung der Berliner Konferenz in Potsdam
  • Im Schatten von Jalta und Hiroshima: Potsdam 1945 aus Sicht der USA
  • Die sowjetischen Interessen auf der Konferenz
  • Großbritannien und die Potsdamer Konferenz
  • Die Potsdamer Konferenz und die Deutschen
  • 1945 – der „bittere Sieg“. Polen und die „Befreiung“
  • Chiffre heimatlos: Potsdam 1945
  • Die Potsdamer Konferenz und die jüdischen Organisationen
  • Potsdam und Japan, etwa 1945
  • Die Potsdamer Konferenz und China
  • Die Potsdamer Erklärung und die Unabhängigkeit Koreas
  • Irans Ringen um Souveränität
  • Frankreich und die Potsdamer Konferenz – ein Land auf der Suche nach Größe 

Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt.  Begleitband zur Ausstellung, Hrsg. Stiftung Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, 264 S., 82 Abb., Sandstein Verlag Dresden, 2020, Ausstellungspreis 24,90 Euro.

Die Ausstellung ist bis Ende 2020 geöffnet. Einzelheiten unter https://www.museumsportal-berlin.de/de/ausstellungen/potsdamer-konferenz-1945-die-neuordnung-der-welt/

 

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    finden Sie den Bericht des Deutschlandfunks über die Sendung, über den Sie auch den Audio-Mitschnitt aufrufen können

    Diskussionsleitung:
    Marcus Pindur, Deutschlandfunk

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